Verwirrung bei Zuschauern

Warum im Kieler "Tatort" von der „Sekunda“ die Rede war

Ein Hauch von „Feuerzangenbowle“ wehte in einem Satz durch den Kieler „Tatort“ und sorgte bei Twitter für Irritationen.

Kommissar Borowski (Axel Milberg) bringt Julia (Mala Emde) nach Hause - und ermittelt auch in ihrer Schule

Kommissar Borowski (Axel Milberg) bringt Julia (Mala Emde) nach Hause - und ermittelt auch in ihrer Schule

Foto: NDR/Christine Schroeder

Aufmerken bei den Zuschauern des "Tatorts" „Borowski und das verlorene Mädchen“ am gestrigen Sonntagabend in der ARD. „Da war sie noch in der Sekunda“, sagt der von Ermittler Borowski (Axel Milberg) aufgesuchte Lehrer über ein Foto seiner Schülerin, zu der der Kommissar einige Fragen stellt. Das sorgte auch bei Twitter für überraschte Reaktionen. „‘Da war sie noch in der Sekunda“ – spricht irgendjemand in Norddeutschland so?“, fragte sich etwa Nutzer @Viadrus96. Die Antwort ist verblüffend: Ja, tatsächlich.

Und das spricht für die enorme Realitätsnähe dieses Kieler „Tatorts“. In Schleswig-Holstein sind die lateinischen Klassennamen (z.B. „Sexta“ für die fünfte Klasse) an Gymnasien nämlich auch heute noch üblich. Bis Mitte der 2000er-Jahre sprach man an fast jedem Gymnasium in dem Bundesland ganz offiziell von „Sexta“, „Quinta“ und „Quarta“ statt fünfter, sechster und siebter Klasse. Die „VI c“ wäre anderswo die „5c“.

In Schleswig-Holstein ganz normal

„Tatort“-Zuschauern aus anderen Bundesländern musste das seltsam vorkommen. Im Rest Deutschlands wurden diese Namen schließlich vor Jahrzehnten abgeschafft und sind nur noch aus Erzählungen der Großeltern geläufig. Eigentlich lauten die Namen komplett Sexta, Quinta, Quarta, Untertertia, Obertertia, Untersekunda, Obersekunda, Unterprima und Oberprima – das passt zum neunjährigen Gymnasium. An der Kieler Ricarda-Huch-Schule – unter anderem dort spielte der „Tatort“ um ein Mädchen, das sich dem radikalen Islam zuwendet - passte man die Namen auf das achtjährige Gymnasium an – und machte aus Unter- und Obersekunda einfach „Sekunda“.

Auch Hauptdarsteller Axel Milberg war mal Sekundaner in Kiel

Warum sich diese Namen, die eigentlich noch aus der Kaiserzeit stammen, ausgerechnet in Schleswig-Holstein gehalten haben, ist unklar. Nutzer @LarsKehlen fühlt sich an die 70er-Jahre-Filme „Die Lümmel von der ersten Bank“ und Lehrerschreck Pepe Nietnagel erinnert. Ungleich bekannter sind die Bezeichnungen auch aus der „Feuerzangenbowle“ mit Heinz Rühmann aus den 40er-Jahren. Und nun eben aus dem Kieler „Tatort“.

Gut möglich übrigens, dass persönliche Nostalgie von Hauptdarsteller Axel Milberg eine Rolle spielte, als der Satz Eingang ins Drehbuch fand. Der gebürtige Kieler besuchte in seiner Heimat das Gymnasium, die Kieler Gelehrtenschule. Der gilt der einstige Obersekundaner auch heute noch als sehr verbunden.