Fernsehfilm

Warum der TTIP-Thriller „Tödliche Geheimnisse“ wenig packt

Engelke, Kunzendorf, Riemann: Der ambitionierte ARD-Thriller „Tödliche Geheimnisse“ ist starbesetzt. Nur leider nicht richtig packend.

Familienkrise in der Unternehmerinnen-Villa: Tessa Norgren (Paula Beer) missfällt, was ihre Mutter Lilian Norgren (Katja Riemann) plant.

Familienkrise in der Unternehmerinnen-Villa: Tessa Norgren (Paula Beer) missfällt, was ihre Mutter Lilian Norgren (Katja Riemann) plant.

Foto: ARD Degeto/Stephan Rabold

Berlin.  Chefredakteurin, Chefreporterin, Konzernchefin: In der fiktionalen Welt des ARD-Verschwörungsthrillers „Tödliche Geheimnisse“ sind alle wichtigen Positionen mit Frauen besetzt, Männer spielen die zweite Geige.

Da ist zunächst Karin Berger (Anke Engelke), Chefredakteurin des strauchelnden Magazins „Der Puls“. Sie fordert ihren nach Auflage gierenden Verleger auf, seinen „niedlichen Hintern“ aus dem Konferenzraum zu bewegen.

Chefredakteurin will Enthüllungsgeschichte

Sie will eine Enthüllungsgeschichte statt blanker Brüste auf dem Titel. Also schickt sie ihre beste Reporterin und Ex-Freundin Rommy Kirchhoff (Nina Kunzendorf) nach Brüssel. Die soll in einem Hotel den Anwalt des Agrar-Giganten Norgreen Life treffen.

Der Lobbyist will auspacken und der Journalistin erzählen, wie das Unternehmen in die Verhandlungen des Freihandelsabkommens TTIP zwischen der USA und Europa eingreift, um seine genmanipulierten Lebensmittel zu verscherbeln. Mitten im Interview wird Rommy betäubt, der Informant entführt. Als die Reporterin benommen erwacht, krempelt sie erst recht die Ärmel hoch, um à la Erin Brockovich den Teufel Kapitalismus seiner Schandtaten zu überführen.

Kaum mehr Facetten als das Biest einer Soap

Der Teufel hat eine elegante Gestalt, nämlich die der Konzernchefin Lilian Norgren (Katja Riemann), die durch soziales Engagement ihre Machenschaften verschleiern will. „Ich bin reich, aber ich bin kein böser Mensch“, sagt sie. Da weiß der Zuschauer längst, dass der zweite Teil ihrer Aussage gelogen ist, so wie sie immer lügt. „Wer täuschen kann, gewinnt“, bringt sie ihrer Tochter beim Fechten bei. Trotz des großartigen Spiels von Riemann – das Drehbuch schenkt ihrer Figur kaum mehr Facetten als dem Biest einer Seifenoper.

TTIP selbst wird auf das Angstthema Grüne Gentechnik reduziert. Um Zwischentöne ging es den Machern dabei nicht. „Ich bin froh, an einer Arbeit teilgenommen zu haben, die eine klare Haltung einnimmt, die sich eindeutig gegen TTIP ausspricht“, sagt Kunzendorf dazu. Sie hoffe, der Film motiviere den Zuschauer, sich gegen das geplante Abkommen zu engagieren.

Sammelbecken der Konfliktthemen

Globalisierung, Verflechtung von Politik und Wirtschaft, Pressefreiheit: Der Thriller mit Mission ist mit brisanten Themen überladen. Erzählt wird durch viele Figuren und auf vielen Ebenen, die häufigen Rückblenden wirken dramaturgisch hilflos. Die Bilder von Regisseurin Sherry Hormann und das Spiel sind zwar auf höchstem Niveau, allein die Spannung nimmt nicht an Fahrt auf, es fehlen Überraschungen oder eine Wende.

Am Ende driften die Frauenbilder ins Klischee ab: Lilian ist deshalb so böse, weil sie noch nie von einem Mann geliebt wurde. Sie erdreistet sich nicht nur, Mais zu manipulieren, sondern auch ihre eigene Fruchtbarkeit. Mit 51 wird sie noch einmal schwanger – um ihren Liebhaber an sich zu binden. Und die taffe Chefredakteurin? Bald nur noch ein Nervenbündel.

Fazit: Niveauvoll inszeniert, aber angestrengt und überraschungsarm.

ARD, 5. November, 20.15 Uhr