TV-Drama

Dänen-Serie „Norskov“ startet mit Korruption in der Idylle

Die zehnteilige Serie „Norskov“ unter der Regie von „Borgen“-Regisseurin Louise N. D. Friedberg ist zugleich Krimi und Familiendrama.

Von Karina Krawczyk
Politdrama in der dänischen Provinz: Polizist Tom Noack (Thomas Levin, li.) ermittelt im Drogenmilieu. Der Türsteher einer Diskothek, Jacob Winther (Lars Topp Thomsen, re.), macht sich verdächtig.

Politdrama in der dänischen Provinz: Polizist Tom Noack (Thomas Levin, li.) ermittelt im Drogenmilieu. Der Türsteher einer Diskothek, Jacob Winther (Lars Topp Thomsen, re.), macht sich verdächtig.

Foto: ARTE France / © Martin Dam

Dänische Fernsehserien wie „Borgen“, „1864“ oder „Die Erbschaft“ sind weltweit beliebt. Jetzt findet „Norskov“ den Weg ins deutsche Fernsehen. Die zehnteilige Serie, von der zu Beginn am Donnerstagabend drei Folgen hintereinander gezeigt werden, bietet nicht nur Stoff für Fans von Spannung, sondern vor allem auch für Freunde gesellschaftskritischer Krimis.

Im Mittelpunkt steht eine Stadt: Norskov. Provinz pur. „Es gibt Leute, die sagen, Norskov liegt irgendwo am Rande der Welt“, sagt Bürgermeister Martin Kierkegaard (Claus Riis Østergaard) zu Beginn. Und prophezeit: „Alle werden auf Norskov sehen, weil wir hier alle zusammenhalten.“ Das wird nicht der Grund sein, warum das Nest in den Fokus gerät.

Der alte Hafen soll zum Klimapark umgewandelt werden

Denn Norskov, diese fiktive Kleinstadt in karger, ruppiger Landschaft mit magischer Aussicht aufs Meer, steht vor allem für Korruption. Eine Küstenstadt mit einer gefeierten Eishockey-Mannschaft, die für viele den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens ausmacht. Es ist eine durchschnittliche Stadt, mit einer völlig unspektakulären Kriminalitätsrate.

Norskov, so provinziell es auch sein mag, hat aber wirtschaftliches Potenzial: Gerade hat der Regionalrat zugestimmt, am alten Hafen einen Klimapark zu errichten – ein 20-Millionen-Projekt zur klimafreundlichen Energieproduktion, das Jobs und Wohlstand auf Jahre sichert. Der Traum, endlich an die Sonne zu kommen, wird durch einen Vorfall torpediert: Ein drogenkrankes Mädchen kommt ins Krankenhaus. Was um sie herum geschieht, zeigt deutlich: Sie ist kein Einzelfall.

Drogen sind in Norskov leicht zu bekommen

Die Stadt ist eine Drogenhöhle. „Drogen lassen sich in Norskov bestellen wie Pizza“, titelt die Lokalzeitung. Deshalb wird Drogenermittler Tom Noack (Thomas Levin) aus Kopenhagen angefordert. Tom hat seine Kindheit in Norskov verbracht – seine Rückkehr bringt das Leben seiner Verwandten und Freunde durcheinander. Bald ist er selbst in den Fall verwickelt.

Sehr genau sind die Charaktere gezeichnet und mit einem großartigen Gefühl für Tempo und Dramaturgie wird das Geschehen aus der Perspektive Toms erzählt.

Packendes Soziogramm von „Borgen“-Regisseurin

Die Serie unter der Regie von „Borgen“-Regisseurin Louise N. D. Friedberg zeichnet ein Psychogramm einer kleinen Gruppe von Menschen, bei der die Grenzen von Beruflichem und Privatem verschwimmen und die in den Sog der Ermittlungen geraten.

Obwohl als Polizeidrama erkennbar, ist „Norskov“ keine Krimiserie im üblichen Sinne, sondern eher das Soziogramm einer Kleinstadt, in der jeder jeden von Kindheit an kennt. Und wo sich niemand dem Freundschaftsprinzip entziehen kann, wonach kleine Gefallen untereinander zum Wohle aller allzu verständlich sind. Folgt man dieser Logik, dann liegt Norskov bestimmt nicht am Rande der Welt. Dann ist es überall.

Fazit: Grandios inszenierte Damaserie in „Borgen“-Qualität, das mehr bietet als nur schlichte Krimi-Unterhaltung.

Arte, 3. November, 20.15 Uhr