Dokumentation

Arte läutet mit Doku „Der Luther-Code“ Reformationsjahr ein

Eine Arte-Doku anlässlich des Reformationsjubiläums zeigt die Wirkung einer Zeit im Aufbruch. Martin Luther als Ideengeber der Moderne.

Daniel Arthur Fischer stellt in der Doku Martin Luther dar.

Daniel Arthur Fischer stellt in der Doku Martin Luther dar.

Foto: rbb/SWR/RB / © EIKON-Media

Essen.  500 Jahre ist es her, seit Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür von Wittenberg hämmerte und in der Folge die Reformation der Kirche begründete. Betrifft uns Menschen des 21. Jahrhunderts, was in jenen Jahren passierte? Unbedingt. Denn die ungestüme Epoche bedeutete einen Urknall etwa auch für die Wissenschaft oder das freie Denken.

Das zu zeigen ist das Anliegen der sechsteiligen Dokumentation „Der Luther-Code“, mit der Arte am Samstag und Sonntag das Reformationsjubiläum 2017 vorzeitig einläutet. „Die Sendereihe macht deutlich, welche Wirkung die Reformation bis heute hat“, verspricht Arte-Chef Peter Latzel. Die Idee sei gewesen, zu fragen, „wie viel Luther in uns steckt“.

Jede Folge widmet sich einem Jahrhundert der Neuzeit, dem wiederum ein Schlüsselbegriff zugeordnet ist – Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Verantwortung und Zukunft. Das ist die Matrix, in der Martin Luther als Ursprung und Ideengeber der Moderne bis in das digitale Zeitalter hinein wirkt – die Reformation als Auslöser der Moderne.

Rasanter Trip durch 500 Jahre Geistesgeschichte

Der rasante Trip durch 500 Jahre Geistesgeschichte beginnt im ausgehenden Mittelalter, als der Mensch noch bestimmt war durch Kirche, Gott und Teufel, aber mit den Künstlern der Renaissance zu fragen begann: Wer bin ich – und was ist meine Rolle in der Welt? „Um 1500 geht die Post ab“, bringt es der Medienwissenschaftler Jochen Hörisch auf den Punkt. „Und was da läuft, ist bis heute noch gar nicht hinreichend bedacht.“

Gutenberg hatte gerade den Buchdruck erfunden, Columbus die Neue Welt entdeckt. Da war es nur noch ein kurzer Schritt, bis auch das „begrenzte Netzwerk Kirche“ erschüttert werden musste. Für Soziologin Eva Illouz wurzelt in jener Zeit gar die Gabe zum inneren Dialog und zur Selbstreflexion.

Angesichts der Vielzahl an Kommentatoren, darunter Wikipedia-Gründer Jimmy Wales und Historiker Hartmut Lehmann, die sich rasant mit Spielszenen abwechseln, kann einem schon ein bisschen schwindlig werden.

Reformatoren von heute

Als weitere Ebene kommen dann noch die Weltanschauungen und Träume von Vertretern der sogenannten Generation Y hinzu. Junge Kreative, Blogger, Unternehmer, in den 80er- und 90er-Jahren geboren, die heute antreten, unsere Welt neu zu gestalten. Aber gerade deren Geschichten fesseln besonders. Etwa die von Regina Catrambone, die mit dem eigenen Boot Flüchtlinge vor Malta rettet. Oder die der Pfarrerin Carolina Costa, die ein „Labor für Sinnsuchende“ gründete. Alle sind auf ihre Weise Reformisten. Arte zeigt die ersten drei Teile am Sonntag, die letzten drei am Montag.

Fazit: Rasanter Trip durch 500 Jahre. Komplex, aber spannend erzählt.

Arte, 29. Oktober, 20.15 Uhr