Blackfacing

Darum wird „Verstehen Sie Spaß?“ Rassismus vorgeworfen

Guido Cantz tritt in „Verstehen Sie Spaß?“ als Schwarzer auf. Der Show wird Rassismus vorgeworfen. Doch man hätte gewarnt sein können.

In den Niederlanden und Belgien kommt der Nikolaus mit seinem Helfer, Zwarte Piet genannt. Menschenrechtsgruppen fordern seit langem die Abschaffung der Figur und kritisieren das „Blackfacing“.

In den Niederlanden und Belgien kommt der Nikolaus mit seinem Helfer, Zwarte Piet genannt. Menschenrechtsgruppen fordern seit langem die Abschaffung der Figur und kritisieren das „Blackfacing“.

Foto: imago stock&people / imago/Reporters

Berlin.  Das Gesicht, der Hals und die Hände sind schwarz geschminkt: Die Nase ist groß und die Lippen wulstig. In gebrochenem Englisch sagt der Mann: „Hello, I am your father.“ Er komme aus Südafrika.

Dieser Auftritt in der kommenden „Verstehen Sie Spaß?“-Folge wird heftig kritisiert. Denn bei dem Mann handelt es sich um Moderator Guido Cantz – verkleidet als Schwarzer. So ist Cantz im Schweizer Fernsehen aufgetreten, um den Moderator der Sendung „Happy Day“, Röbi Koller, hereinzulegen.

Der hatte eigentlich einer Zuschauerin – die aber ihre Rolle nur gespielt hat – ihren lang gesuchten Vater präsentieren wollen. Die Frau ist weiß. Ein Foto von ihrem angeblichen Vater, das Röbi Koller ihr zeigt, zeigt einen weißen Mann. Doch als die Showtür aufgeht, steht ein schwarz geschminkter Guido Cantz im Studio. Das wird nun heftig kritisiert.

Vorwurf des „Blackfacing“

„Weißer Humor“ nennt das die Seite „übermedien“, die zuerst über die „Verstehen Sie Spaß?“-Sendung, die am Samstag ausgestrahlt wird, berichtet hat. In einem Video wirft Journalist Boris Rosenkranz dem verantwortlichen Sender SWR Rassismus vor. „Da sind so viele Klischees, man könnte auch sagen, das ist „Blackfacing“.“

Darunter versteht man laut Wikipedia „eine rassistisch geprägte Theater- und Unterhaltungsmaskerade“. Im 19 Jahrhundert malten sich weiße Theaterkünstler ihr Gesicht schwarz an, um sich dann diskriminierend über Schwarze lustig zu machen.

Rassismus-Vorwurf nach „Wetten, dass...?“-Ausgabe

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Debatte über diese oft rassistische Praxis entsteht. In den Niederlanden wird seit einigen Jahren für die Abschaffung des Zwarte Piet (Schwarzer Peter) plädiert, der negative Stereotype widerspiegle. Der Begleiter des Nikolaus wird von Weißen dargestellt, die sich das Gesicht schwarz malen, die Lippengrellrot schminken und Afro-Perücken tragen.

Und auch Thomas Gottschalk musste sich 2013 mit Rassismus-Vorwürfen auseinandersetzen. In einer „Wetten, dass...?“-Ausgabe hatte er dazu aufgerufen, sich für die Saalwette als die Figuren Lukas der Lokomotivführer und Jim Knopf zu verkleiden: „Jim Knopf muss natürlich geschminkt sein, schwarze Farbe oder Schuhcreme, ganz egal!“

SWR weist Kritik von sich

Der SWR hätte also gewarnt sein können. Doch der Sender weist alle Vorwürfe von sich. In einer Erklärung, die „übermedien“ vorliegt, sagt der SWR, dass nur durch die extreme Veränderung Guido Cantz unerkannt bleiben und den Lockvogel mimen könne.

So habe er ja auch schon einen alten Mann oder eine Frau dargestellt. Und nun eben den Schwarzafrikaner, so der SWR. Die Figur würde von Guido Cantz auch in keiner Weise negativ dargestellt. Barbara Breidenbach, Hauptabteilungsleiterin Fernsehunterhaltung beim SWR, bewertet den Auftritt im Gespräch mit dem Deutschlandradio daher auch als „nicht rassistisch“.

Filme sind laut SWR Comedy

Doch was am Samstag in der ARD zu sehen sein wird, wirkt wie eine Szene aus den 60er Jahren. Cantz spricht in gebrochenem Englisch und auch äußerlich erfüllt seine Figur alle Klischees.

Der SWR scheint das anders zu sehen. „Die Filme bei „Verstehen Sie Spaß?“ sind eindeutig dem Genre der Comedy zuzuordnen“, heißt es in der Erklärung weiter. „Hier lag die Komik nicht darin, sich über Schwarzafrikaner lustig zu machen, sondern nur bei den Reaktionen von Röbi Koller“ als seine Sendung durcheinander gerät.