RTL-Show

Heinz Buschkowsky: „Ich werde ein Bonsai-Zwegat sozusagen“

Heinz Buschkowsky hat als Bürgermeister einen Bezirk mit vielen Hartz-IV-Beziehern geführt. Nun soll er seine Expertise im TV zeigen.

Heinz Buschkowsky vertritt auch in Talk-Shows immer wieder seine Meinung.

Heinz Buschkowsky vertritt auch in Talk-Shows immer wieder seine Meinung.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Fünf Jahre lang war er Deutschlands berühmtester Bürgermeister, er polarisierte mit Thesen wie „Multikulti ist gescheitert“ und ließ sich seine Beliebtheit als Bürgermeister von Neukölln bei der Berlin-Wahl im Jahr 2011 mit satten 42 Prozent bestätigen. Das nur zur Erinnerung, denn jetzt schlägt Bestseller-Autor Heinz Buschkowsky (68, „Neukölln ist überall“) ganz neue Wege ein. Er wird zum Fernseh-Gesicht.

Der Kölner Sender RTL hat gerade eine sogenannte Produktionsankündigung mit Casting-Aufruf heraus gegeben. Demnach ist RTL auf der Suche nach Familien, die Hartz IV beziehen und den Traum von einer Existenzgründung oder einem neuen, finanziell verbesserten Leben haben. „Bei ‚Zahltag – Ein Koffer voller Chancen‘ bekommen Langzeitarbeitslose und ihre Familien eine finanzielle Sofort-Starthilfe für ein Leben ohne Hartz IV“, heißt es in der RTL-Mitteilung.

Einkommen der Familien wird verdoppelt

Als Experte, der die Familien über sechs Monate berät, tritt Heinz Buschkowsky auf. In dieser Zeit sollen die kompletten staatlichen Bezüge der Familie von RTL verdoppelt werden und auf einen Schlag in bar ausgezahlt werden – in der Regel eine Summe von rund 25.000 Euro. Das Ziel für die Teilnehmer sei es, dauerhaft die eigene Existenz zu sichern, ohne auf Kosten des Staates zu leben. „RTL kam auf mich mit der Idee eines Sozialexperimentes zu“, sagt Buschkowski dieser Zeitung. „Ich habe allerdings sofort klargestellt, dass, wenn es darum geht, einen TV-Zoo zu veranstalten, also das Vorführen von Menschen, ich dankend ablehnen würde. Aber wir bringen echte Hilfe für Menschen, die sich noch nicht aufgegeben haben.“

Das Schlimmste, was passieren könne, erklärt Buschkowsky, sei, dass die Teilnehmer der Sendung wieder auf Hartz-IV-Niveau zurückfielen. „Mehr als ein bisschen in die Töpfe schauen kann nicht passieren“, versichert der Ex-Politiker. Auch den folgerichtigen Vergleich mit Peter Zwegat, dem alteingesessenen TV-Schuldenberater von RTL, lässt sich der frühere Bezirksbürgermeister gerne gefallen. „So in etwa. Ich werde ein Bonsai-Zwegat sozusagen.“ Politisch aktiv sei er gar nicht, jedoch habe die Sendung auch eine Botschaft an die Parteien. „Der Hartz-IV-Anteil in unserer Gesellschaft ist auf rund acht Prozent gestiegen und für viele völlig normal geworden. Man richtet sich ein“, sagt Buschkowsky. „Wir wollen ein Impuls geben, auch in die Politik, dass es zwar aufwendiger ist, aber nachhaltiger, die Menschen mit gezielter Starthilfe zu motivieren, als den Hartz-IV-Check jedes Jahr um 7,50 Euro zu erhöhen.“

Das TV-Format stammt ursprünglich aus England

Die Idee zum Format „Zahltag“ stammt übrigens aus England. Der britische Sender Channel 5 hatte im vergangenen Frühjahr mit dem Doku-Experiment „The Great British Benefits Handout“ drei Familien langfristig aus der Sozialhilfe befreit. Bewerben, so lässt der deutsche Sender mitteilen, kann man sich ab jetzt über die Webseite RTL.de.