WDR-Show

Ende einer Ära: Ein seltsames Paar hat kein Zimmer mehr frei

Nach 20 Jahren beendet der WDR die Erfolgsshow „Zimmer frei!“ mit Götz Alsmann und Christine Westermann. Beiden ist zum Heulen zu Mute.

Aus nach zwei Jahrzehnten: Christine Westermann und Götz Alsmann.

Aus nach zwei Jahrzehnten: Christine Westermann und Götz Alsmann.

Foto: dpa Picture-Alliance / Eventpress Adolph / picture alliance / Eventpress

Köln.  Das sagt sich so einfach. „Alles soll so sein wie immer.“ Götz Alsmann äußert diesen Wunsch, kurz bevor die Kameras angehen zur Aufzeichnung der 700. Ausgabe von „Zimmer frei!“ im Studio. Aber wahrscheinlich weiß er selbst am besten, dass nicht alles weiterhin so sein kann, wie es immer war. Schon weil alles an diesem Abend zum letzten Mal ist.

Immerhin, zum Abschied gibt es doppelte Sendezeit und mehr als 15 prominente Gäste. Dazu viele Erinnerungen, ein wenig Wehmut und unter den Zuschauern auch Enttäuschung. „Unverständlich“ nennt einer die Schließung der TV-Wohngemeinschaft, und viele nicken. Die meisten haben sich in Schale geworfen, Anzug und elegantes Kleid aus dem Schrank geholt, denn: „Das ist ja nicht irgendeine Sendung, die zu Ende geht.“

Erfolgsgeheimnis liegt im ungleichen Paar

Ist sie nicht, war sie nie, wird sie auch in der letzten Ausgabe nicht sein. So wird die geladene Prominenz mit einem Linienbus am roten Teppich vorgefahren. Guido Cantz, Kim Fisher, Jorge González, Maite Kelly, Guido Maria Kretschmer, Oliver Mommsen, Katrin Müller-Hohenstein, Mary Roos, Semino Rossi, Florian Silbereisen und Anne Will sind nur einige der ehemaligen Mitbewohner, die zum Abschied gekommen sind.

Ihre Gastgeber kommen wenig später klassisch in einer Limousine. Sie habe Alsmann mitgebracht, sagt Christine Westermann, damit er nicht wieder zu spät komme. So wie bei ihrer ersten Verabredung vor 20 Jahren. Da lässt er sie gut zwei Stunden warten und entschuldigt sich mit den Worten: „Ich musste für meinen Sohn noch aus Klopapierrollen ein Motorrad basteln.“ Es ist vielleicht nicht der Beginn einer wunderbaren, aber einer wundersamen Freundschaft. Alsmann und Westermann sind sich schnell sympathisch, ohne zu harmonieren. „Dafür sind wir zu unterschiedliche Menschen“, hat Westermann mal gesagt und damit wahrscheinlich das Erfolgsgeheimnis der Show verraten.

Anarchisch, albern, aufgedreht

Hier die gelernte Journalistin Westermann (67), fast immer ernst, oft etwas steif. Dort der geborene Entertainer Alsmann (59), der sein Lächeln anknipsen kann wie einen Scheinwerfer. Eine Rampensau, die durch das Studio tänzelt und beim Aufwärmen der Zuschauer, dem sogenannten Warm-up, so schnell spricht, als würde er nach Silben pro Minute bezahlt. Anarchisch, albern, aufgedreht. Immer mittendrin statt nur dabei. Zu allem bereit, sich für nichts zu schade. Vor allem nicht, wenn es um das Tragen merkwürdiger Kopfbedeckungen geht.

Westermann dagegen hat immer nur gefragt. Aber wie. Einfühlsam, fast schon intim, aber bei Bedarf auch nachhakend, gut vorbereitet, aber auch spontan. Bei ihr erzählten die Gäste oft Dinge, die sie nie zuvor in der Öffentlichkeit erzählt hatten. „Man hat ein bisschen seine Seele geöffnet“, findet Guido Maria Kretschmer im Interview kurz vor Beginn der Abschiedsshow, und Kim Fisher glaubt auch zu wissen, warum: „Man fühlte sich geborgen, fühlte sich nie vorgeführt.“ Bis auf Cherno Jobatey, der einst wütend die Show verließ, weil die Moderatoren den bekennenden Legastheniker mit einer Buchstabensuppe und ABC-Pflaster auf der Stirn empfingen.

Höhepunkte aus dem Archiv

Ansonsten wurde meist geplaudert, bis Alsmann zu seiner berühmt berüchtigten „rhetorischen Blutgrätsche“ ansetzte und das Gespräch abrupt mit der Forderung nach Bilderrätsel oder Hausmusik unterbrach, weil ihm die Stimmung zu besinnlich wurde. Manchmal warf er auch einfach nur mit Nüsschen. „Es musste ja vorangehen.“

Das muss es auch zum Abschied. Rückblicke und Höhepunkte gibt es noch einmal aus dem Archiv zu sehen, aber natürlich bitten die Gastgeber auch wieder zu Spielen irgendwo zwischen Kindergeburtstag und Kegelausflug. Unterhaltsam ist das einmal mehr, und irgendwann fragt Anne Will, was man sich schon seit Monaten fragt: „Warum hört ihr eigentlich auf?“

Guter Zeitpunkt für den Abschied

So richtig geäußert haben sich die beiden dazu nie, seit die Absetzung vor über einem Jahr bekannt gegeben wurde. In den letzten Sendungen meinte man manchmal zwischen den Zeilen herauszuhören, dass sie gerne noch ein wenig weitergemacht hätten, ausdrücklich gesagt haben sie es nie.

Vielleicht auch, weil sie wissen, dass es ein guter Zeitpunkt ist, um aufzuhören. Denn natürlich hat sich im Laufe der Jahrzehnte eine gewisse Routine eingestellt, und die Gäste wurden nach so vielen Ausgaben langsam auch so knapp, dass man viele schon ein zweites Mal eingeladen hat. Und aller Einzigartigkeit der Sendung zum Trotz waren die Quoten nicht schlecht, aber auch nicht mehr so gut wie früher. „Man behandelt uns heute wie die Könige“, hat Alsmann dann auch diplomatisch auf Wills Frage geantwortet. „Ich möchte lieber so gehen, als dass ich irgendwann wie der alte König vom Hof gejagt werde.“

„Zimmer frei!“-Deko kommt ins Museum

Ganz einfach aber ist der Abschied für die Gastgeber dann doch nicht. Westermann hat das applaudierende Publikum im Studio schon zu Beginn gewarnt: „Klatschen Sie ruhig weiter, wenn Sie mich zum Weinen bringen wollen.“ Und am Ende muss auch Alsmann schlucken und spricht von „Melancholie“. Was man nach 20 Jahren sehr gut verstehen kann.

Es sind zwei Jahrzehnte, die in Erinnerung bleiben werden. Schon weil ein Großteil der „Zimmer frei!“-Deko ins Bonner Haus der Geschichte kommt. Dort wird sie auch bleiben. Denn eine Rückkehr der beiden ist nach übereinstimmender Aussage ausgeschlossen. „Das war es“, singt Alsmann zur Verabschiedung. „Für immer.“

  • WDR, Sonntag, 25. September, 20.15 Uhr