Talkshow

Brok wirft Wagenknecht bei Illner Verschwörungstheorien vor

Bei Maybrit Illner ging es am Donnerstagabend um die Feuerpause in Syrien. Bei zwei Gästen erhitzte das Thema besonders die Gemüter.

Sahra Wagenknecht (Die Linke) wirft dem Westen vor, zu spät in den Syrien-Konflikt eingegriffen zu haben.

Sahra Wagenknecht (Die Linke) wirft dem Westen vor, zu spät in den Syrien-Konflikt eingegriffen zu haben.

Foto: imago stock&people / imago/Metodi Popow

Berlin.  400.000 Tote, Millionen Vertriebene und ein zerstörtes Land: Seit März 2011 wird in Syrien gekämpft, ohne das es je ernsthafte Hoffnung auf Frieden gegeben hätte. Dieser desaströse Zustand ändert sich gerade: Vermittelt von Russland und den USA gilt seit Montag eine Waffenruhe, die weitgehend eingehalten wird und nun verlängert wurde.

Am Ende könnte aus der Feuerpause gar eine Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA entstehen. Ist das der Anfang vom Ende des Leids in Syrien? Diese Frage stellte am Donnerstagabend auch Maybrit Illner. Diskutiert wurde sie von Sahra Wagenknecht (Linkspartei), Elmar Brok (CDU), dem früheren Bundeswehrgeneral Hans-Lothar Domröse, dem AKP-Politiker Ozan Ceyhun und der Politikwissenschaftlerin Sylke Tempel.

Brok: „Das sind Verschwörungstheorien“

In der Kernfrage waren sich alle Gäste der Sendung einig: „Der Waffenstillstand ist die einzige Chance auf Frieden“, fasste Sahra Wagenknecht die einhellige Meinung in der Runde zusammen. Ansonsten distanzierte sich die Fraktionschefin der Linkspartei aber, indem sie vielen Akteuren in dem Konflikt Vorwürfe machte: Den USA und dem Westen, die sich viel zu spät und nur aus wirtschaftlichen Gründen gegen Assad gestellt hätten. Der Türkei, die Terroristen unterstütze und die Kurden bekämpfe. Und der Bundesregierung, die „Erdogan in den Allerwertesten kriecht“.

Diese Kritik wollten gleich zwei Gäste nicht akzeptieren. „Die Türkei bekämpft nur Terroristen, nicht die Kurden“, sagte Ozan Ceyhun. Zudem sei der Türkei in der Syrien-Frage an nichts anderem als an Frieden gelegen, befand der AKP-Politiker.

Unterstützung erhielt Ceyhun von Elmar Brok. „Das sind Verschwörungstheorien“, warf der CDU-Europaabgeordnete Wagenknecht vor. Zwar sei der Westen den Diktatoren im Nahen Osten lange Zeit zu nah gewesen, doch habe man auch die friedlichen Kräfte gegen sie unterstützt. Ein militärisches Eingreifen sei ohnehin am Veto Russlands im UN-Sicherheitsrat gescheitert. „Frau Wagenknecht betreibt billige Parteipolitik“, ärgerte sich Brok.

Jahrzehnte bis zur Normalität

Positiv wurde der Waffenstillstand auch von Sylke Tempel bewertet. „48 Stunden ist schon eine ganz schöne Leistung“, sagte die Politikwissenschaftlerin. Allerdings könnten die vielen unterschiedlichen Akteure selbst kleinere Zwischenfälle nutzen, um die Feuerpause zu unterminieren. Zudem habe Assad klar gesagt, dass er das ganze Land wieder unter Kontrollen kriegen will. Den syrischen Machthaber hält Tempel ohnehin für entscheidend: „Die Menschen in Aleppo haben vor allem unter den Fassbomben von Assads Armee und nicht unter dem IS gelitten.“

Hans-Lothar Domröse betonte in der Diskussion, dass eine echte Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA über den langfristigen Erfolg der Waffenruhe entscheide. „Sobald sich die politischen Führer einig sind, ist es für die Praktiker einfach möglich, Friedenspläne umzusetzen“ , sagte der frühere Bundeswehrgeneral. Kleinere Gefechte würden in diesem Fall nichts an dem eingeschlagenen Weg ändern können. Danach aber werde es Jahrzehnte dauern, bis in Syrien wieder Normalität einkehrt.

Todenhöfer: „Die Menschen sind müde“

Ergänzt wurde die insgesamt zähe Diskussion mit kurzen Exkursen, in denen der Publizist Jürgen Todenhöfer und der Arzt Gerhard Trabert zu Wort kamen. Todenhöfer bestätigte direkt aus Aleppo, dass der Waffenstillstand weiterhin überwiegend eingehalten wird. „Die Menschen sind müde und verzweifelt. Sie wollen Frieden. Das habe ich von allen Seiten gehört“, schilderte er die Stimmung in der belagerten Stadt. Hoffnung gebe, dass vielleicht schon morgen Hilfskonvois der UN ankommen könnten.

Gerhard Trabert, der an der türkisch-syrischen Grenze Flüchtlinge versorgt hat, machte vor allem der Türkei Vorwürfe. Diese habe Tausenden geflüchteten Zivilisten mit Gewalt die Einreise verweigert. Zugleich ehrte Trabert die syrischen Kollegen, die trotz aller Gefahren vor Ort geblieben seien. „Das sind die wahren Helden“, sagte der Arzt, um dann mit Blick auf die Auseinandersetzung zwischen Wagenknecht und Brok die vielleicht wichtigste Feststellung der Diskussion nachzuschieben. „Ich bin erstaunt, wie distanziert und abstrakt hier über einen Krieg debattiert wird, in dem Hunderttausende Menschen getötet worden sind.“

Zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek