ARD-Sendung

„Gesundheits-Check“ testet: Das hilft wirklich beim Abnehmen

Die Deutschen werden immer dicker. Doch welche Diät schadet und welche hilft? Die ARD-Sendung „Gesundheits-Check“ hat den Test gemacht.

Was hilft wirklich, wenn man den Gürtel mal wieder enger schnallen können will? Die ARD ist der Frage auf den Grund gegangen.

Was hilft wirklich, wenn man den Gürtel mal wieder enger schnallen können will? Die ARD ist der Frage auf den Grund gegangen.

Foto: imago stock&people / imago/Westend61

Berlin.  In Deutschland sind knapp zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig. Etwa jeder Vierte ist sogar adipös, also stark übergewichtig. Diäten, die Erfolg gegen die überflüssigen Pfunde versprechen, gibt es viele. Und auf dem Markt tummeln sich zahlreiche Präparate, die angeblich schlank machen. Die ARD-Sendung „Gesundheits-Check: Endlich schlank! Das Geschäft mit dem Übergewicht“ hat gängige Abspeck-Methoden und damit verbundene mögliche Gesundheitsgefahren unter die Lupe genommen.

Schlankheitspillen

Schlankheitsmittel und Diätpillen werden im Internet als wahre Wundermittel angepriesen. Ganz billig sind sie dabei häufig nicht. Und auch ihre Wirkung ist zweifelhaft. Reporterin Caro Matzko macht den Test und kauft verschiedene Präparate für insgesamt mehr als 500 Euro ein. Im Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker in Eschborn lässt sie die Einkäufe auf ihre Inhaltsstoffe analysieren.

Das Ergebnis überrascht: In fünf von sieben Produkten finden die Experten gefährliche Stoffe wie etwa Fluoxetin. Dabei handelt es sich um einen Arzneistoff, der eigentlich gegen Depressionen eingesetzt wird. Zu seinen Nebenwirkungen gehören unter anderem Übelkeit, Schlaflosigkeit und Angstzustände. In einem anderen vermeintlichen Schlankmacher befindet sich ein Abführmittel, das nicht einmal deklariert wurde. In anderen Fällen wurde die Reporterin einfach nur abgezockt. „Im Grunde genommen ist es immer Russisch Roulette, wenn Sie diese Medikamente bestellen“, fasst Pharmazeutin Mona Tawab zusammen. „Man weiß nie, was drin ist.“ Der Verbraucher werde getäuscht. Tawab hält die Versprechen der Pillen-Anbieter für „dreist und absurd“.

Diäten im Vergleich

Der „Gesundheits-Check“ nimmt zudem drei beliebte Diät-Methoden unter die Lupe: die so genannte Steinzeit-Diät, die Trennkost und die „5:2“-Variante. Drei Frauen versuchen sechs Wochen lang nach den jeweiligen Diät-Regeln zu leben. Die Probandin der Steinzeit-Diät muss etwa auf Milchprodukte, Getreide und Hülsenfrüchte verzichten. Eine Herausforderung, wie sie schnell feststellt. Sie vermisst Brot und Müsli zum Frühstück.

Bei der Trennkost dürfen Eiweiße nicht mit Kohlenhydraten kombiniert werden. Laut Ernährungswissenschaftlerin Monika Bischoff, die den Test begleitet, ist das eine Methode, die im Alltag nur schwierig umsetzbar ist. Und auch die Probandin freut sich während der Diät bereits auf die Spaghetti Bolognese nach der Zeit des Verzichts. Bei der „5:2“-Diät darf die Testerin an fünf Tagen in der Woche normal essen, an zwei Tagen muss sie jedoch fasten. Insbesondere an den Fastentagen plagen sie Heißhungerattacken, wenn sie frühstückt. Sie verzichtet an den Fastentagen deshalb ganz auf das Frühstück. „Spaß macht das nicht“, sagt sie.

Zwar verlieren alle drei Frauen durch die Diäten in sechs Wochen einige Kilogramm. Doch beim Verlust des Körperfetts – dem eigentlichen Problem – gibt es Unterschiede. So ist bei der Testerin der Steinzeit-Diät der Körperfettanteil am Ende nahezu unverändert. Die „5:2“-Testerin hat am Ende 1,2 Prozent weniger Körperfett. Am meisten verliert die Trennkost-Probandin mit vier Prozent weniger Körperfett – das beste Ergebnis, zumal sie am gesündesten abgenommen hat. Dennoch hält Ernährungsexpertin Bischoff nicht viel von Diäten. „Wir sind viel zufriedener, wenn wir nicht ständig auf Diät sind.“ Ihrer Ansicht nach reiche eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung.

Magenverkleinerung

Zu einem radikalen Schritt hat sich Maike Ditsche entschlossen. Die 37-Jährige lässt sich operativ 90 Prozent ihres Magens entfernen. Sie leidet an Adipositas. „Man hat einfach nie das Gefühl, satt zu sein, und fängt an, durch’s Haus zu tigern und zu gucken, ‘Hey, was kann ich jetzt essen?’“, sagt die Mutter vor dem Eingriff. 134 Kilogramm bringt sie auf die Waage. Auch ihr Mann Thomas ist stark übergewichtig und sieht die Magenverkleinerung als letzte Chance. Wie dem Ehepaar geht es immer mehr fettleibigen Patienten: Von 2006 bis 2014 hat sich die Zahl solcher Magen-OPs verfünffacht, so heißt es beim „Gesundheits-Check“ unter Berufung auf den „Report Krankenhaus 2016“ der Barmer GEK. Im Jahr 2014 waren es etwa 9000 Eingriffe.

Das Ergebnis der Operationen bei den Ditsches: Innerhalb eines Jahres nimmt Maike 50 Kilogramm ab. Ehemann Thomas verliert in den ersten drei Monaten nach der OP 30 Kilogramm. Doch Mediziner warnen vor dem Eingriff. „Die Operation ist die Ultima Ratio, wenn nichts anderes hilft“, sagt Chirurg Otto Dietl. Selten treten Nebenwirkungen wie Diabetes, Schlafstörungen oder Bluthochdruck auf. Häufiger kommt es nach Magenverkleinerungen zu Gallensteinen und Magenbrüchen.

Ausgewogene Ernährung und Sport

Martin Kandlbinder aus der Oberpfalz wiegt 125 Kilo. Der 32 Jahre alte Koch hat Gelenkbeschwerden und ist ständig erschöpft. Er will dauerhaft und gesund abnehmen. Der Sport- und Ernährungsmediziner Frank Möckel rät Kandlbinder, seine Ernährung auf mediterrane Kost umzustellen und Sport zu treiben. Seine Ernährung soll zur Hälfte aus Obst und Gemüse, zu einem Viertel aus Kohlenhydraten und einem Viertel aus Eiweiß bestehen. Dazu kommt ein Trainingsprogramm.

Nach sechs Monaten zeigt die Diät Erfolge. 13 Kilogramm hat der Koch abgenommen, seinen Körperfettanteil kann er von mehr als 33 Prozent am Anfang auf 27 Prozent verringern. Auch in Sachen Ausdauer ist er fitter geworden. Zwar sei die Umstellung nicht einfach gewesen. Aber: „Es ist schön zu sehen, dass sich etwas verbessert“, sagt Kandlbinder. Er hat sich als Ziel gesetzt, noch weitere 15 Kilogramm abzunehmen.

Was wissen Passanten über Ernährung?

In bekannter Manier bittet der „Gesundheits-Check“ zudem Passanten auf die Waage und verrät ihnen, wo Kalorienfallen lauern. In der Münchner Innenstadt messen die Reporter Caro Matzko und Fero Andresen den Bauchumfang der Passanten und errechnen ihren Body-Mass-Index (BMI). Eine Befragung zeigt: Fast jeder hat schon einmal eine Diät ausprobiert. Dass jeder Deutsche im Schnitt in einem Jahr eine ganze Schubkarre Zucker (32 Kilogramm) verspeist, hätte keiner der Befragten gedacht. Und auch, wie viele Kalorien in Salat- und Fleischsoßen versteckt sind, überrascht viele offenbar. Am Ende kommt der „Gesundheits-Check“ zu folgendem Ergebnis: Bei 97 gemessenen Personen ergibt sich in der Summe ein Bauchumfang von 85 Metern, ein Durchschnittsgewicht von 75 Kilogramm und ein BMI von 25,5 – ab einem BMI von 25 gilt man als übergewichtig, ab 30 als adipös.

• Teil 2 des „Gesundheits-Checks: Das Geschäft mit der ewigen Jugend“ zeigt das Erste am 19.9. um 20:15 Uhr.