RTL-Beitrag

Drogenkonsum im „Jenke-Experiment“ alarmiert Medienaufsicht

Jenke von Wilmsdorff nimmt für sein neues RTL-Experiment harte Drogen –  unter ärztlicher Aufsicht. Die Medienaufsicht prüft den Fall.

Von Anja Francesca Richter

Foto: Drogen / RTL / Jürgen Schulzki

Berlin.  Wenn Jenke von Wilmsdorff etwas macht, dann kennt er keine Grenzen. Der 50-Jährige ist neben Günter Wallraff Chef-Experimentator im Hause RTL und hat bereits das Leben als Rollstuhlfahrer, als allein erziehende Mutter und als Alkoholiker auf Zeit gelebt. Jetzt will er es für sein jüngstes „Jenke-Experiment“ mit Drogen auf sich nehmen. Und schon nach den ersten Sendesekunden mit den Höhepunkten der folgenden 90 Minuten fragt von Wilmsdorff: „Bin ich dieses Mal zu weit gegangen?“

Genau das untersucht jetzt auch die deutsche Medienaufsicht. „Wir prüfen, ob es einen Anfangsverdacht gibt, dass die Ausstrahlung jugendgefährdend gewesen ist“, sagte eine Sprecherin der für den Kölner Sender zuständigen Niedersächsischen Landesmedienanstalt in Hannover am Dienstag.

RTL entgegnet: „Wir dokumentieren das Thema, anstatt es zu tabuisieren.“ Eine Sprecherin weiter: „Drogenkonsum wird nicht verherrlicht, sondern eingeordnet, um vor den zerstörerischen Konsequenzen zu warnen.“ Wollen wir doch mal sehen.

Bereits vor drei Jahren war der gelernte Schauspieler, der schon in der „Lindenstraße“ spielte, zum Cannabis-Selbstversuch in Amsterdam. Dieses Mal aber wollte er für seine Sendung mehr, es sollte der „harte Stoff“ sein: Von Wilmsdorff probiert in dem Beitrag Ecstasy, Speed und LSD, Ritalin und auch K.O.-Tropfen aus. Die Drogen, die er unter ärztlicher Aufsicht zu sich nimmt, sind legal, weil sie durch einen Zusatzstoff nicht mehr der verbotenen chemischen Zusammensetzung entsprechen.

Wilmsdorff will immer mehr

Schließlich will von Wilmsdorff das „richtige Näschen“ für sein Experiment beweisen, zum Beispiel im „Breaking-Bad-Mobil“, in dem er – anscheinend aufgrund der Vorfreude auf das Experiment in Ekstase versetzt – erstmals Ecstasy einnimmt. Die Wortspiele für die Sendung sind ihm wohl im Rausch gekommen.

Aber zurück zum Näschen, das beim ersten Test des Reporters gar keinen Einsatz hat. Der 50-Jährige wirft Ecstasy lieber als Tablette ein statt es, wie seine unter Tiermasken versteckten Konsum-Kollegen, zu schnupfen. Trotz Kostümierung und Feierabendstimmung: „Harmlos ist hier gar nichts!“ Welche verheerende Wirkung die Substanzen haben, zeigt von Wilmsdorff mit Computergrafiken auf. Ecstasy beispielsweise trockne den Körper aus und verursache eine psychische Abhängigkeit. Der Zustand ist trotzdem „so angenehm, dass ich darin bleiben möchte“, beschreibt er seinen ersten Trip. Deswegen ist es auch nur „allzu menschlich“, dass von Wilmsdorff bei Nachlassen der Wirkung „nur eines will: mehr“.

Besuch in Fachklinik

Allzu menschlich ist auch sein Besuch in einer Suchtfachklinik, RTL-getreu mit ein wenig Wortdramatik eingeleitet: „Drogen sind etwas Wundervolles“, sagt von Wilmsdorff, „Drogen sind die Hölle.“ Wer hätte das gedacht? Dass die Aussage tatsächlich der Wahrheit entspricht, sollen die Schicksale zweier junger Frauen deutlich machen.

Anna, 31, Friseurmeisterin aus Bayern und dank Crystal Meth bis zu zwölf Tage wach, gesteht: „Die schönste Zeit meines Lebens habe ich mit der Droge verbracht.“ Diana, 38, verliert wegen ihrer Heroin-Sucht das Fürsorgerecht für ihre Kinder. Ein fünf Wochen alter Säugling bekommt Opiate. Von Wilmsdorff fühlt sich von diesem „Psychoscheiß“ so betroffen, dass er eine „spirituelle Reise“ braucht. Und zwar in Portugal, in einem schmucken Ferienhaus.

Sendung ohne wissenschaftlichen Ansatz

Dort werden Hand und Teppich eins, atmet das Dach und tanzen Hot Dogs um ihn herum. Sowieso „bewegt sich alles im Leben“. Die philosophische Erkenntnis verdankt von Wilmsdorff dem Halluzinogen LSD, das sich wie „ein warmer Schleier über den Körper legt“. Blöd nur, wenn der warme Schleier auf einmal zum kalten Mantel wird, der seinen Konsumenten mit einer ordentlichen Portion Traurigkeit ereilt. Drogen zu nehmen, ist eben eine „Grenzerfahrung mit Höhen und Tiefen“. Wäre das deutsche TV-Publikum auch ohne Jenke von Wilmsdorff drauf gekommen, aber es noch mal zu hören, kann ganz bestimmt nicht schaden.

Zumal das „Jenke-Experiment“ wahrlich keine Sendung mit wissenschaftlichem Ansatz ist und Fragen nach der Ursache eines Drogenproblems keine Rolle spielen. Von Wilmsdorff probiert aus, das Publikum guckt, was passiert – zum Beispiel auf dem Oktoberfest, von dem der Reporter aufgrund seines „Biers mit Schuss“ nichts mitbekommt. Der „Schuss“ waren K.O.-Tropfen, die kurz und heftig wirken – so wie alle anderen Drogen, die in von Wilmsdorffs Fall nur eine Art Jetlag mit Müdigkeit, Kopfschmerzen und einen über Wochen erhöhten Serotonin-Spiegel produzieren. Dann lieber ein natürlicher Rausch durch Atem- und Tanzübungen, ist klar.

„Die schönste Droge bin ich selbst“

Diese Kehrtwende nach viel Konsum-Vorfreude musste zum Ende natürlich kommen. Wie sonst hätte von Wilmsdorff seine Zuschauer in die Nacht entlassen können? Ach so, da gab es ja noch diese eine Erkenntnis: „Die schönste Droge bin ich selbst“. Wenn Jenke von Wilmsdorff etwas macht, dann kennt er keine Grenzen.