Krimi

Warum der „Tatort“ aus Wien lehrreich, aber unspannend ist

Menschenhandel mit Flüchtlingen – es ist ein brisantes Thema, dem sich der Wiener „Tatort“ widmet. Nicht immer gelingt der Drahtseilakt.

Von Frank Preuß
Die Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser, li.) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) werden von ihrer Kollegin Daniela Vopelka (Kristina Sprenger) unterstützt, höchste Beamtin für Flüchtlingsfragen.

Die Kommissare Bibi Fellner (Adele Neuhauser, li.) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) werden von ihrer Kollegin Daniela Vopelka (Kristina Sprenger) unterstützt, höchste Beamtin für Flüchtlingsfragen.

Foto: ARD Degeto/ORF/Superfilm/Klaus P

Wien.  Vielleicht muss man dem Wiener „Tatort“ mal einen Preis für die schmierlappigsten Gangster im deutschen Fernsehprogramm überreichen. Da punktet der ORF auch mit seinem jüngsten Streich „Die Kunst des Krieges“ zuverlässig. Autor und Regisseur Thomas Roth lässt einen schnauzbärtigen Zuhälter von der Leine, der so ölig wirkt, dass man sich beim Zusehen am liebsten pausenlos die Hände waschen würde.

Ohnehin steht das Tor zu den schmuddeligen Seiten des Ostens und Südostens in diesem Krimi wieder sperrangelweit offen, es geht um Menschenhandel und Prostitution, um Flüchtlingsschleuserei und Ausbeutung. Ein Terrain, auf dem sich der grantelnde Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und die menschelnde Bibi Fellner (Adele Neuhauser) bei ihren Ermittlungen oft bewegen. Und ein Thema, das derzeit kräftig gefüttert wird von der Aktualität. Hinterhöfe und Hausflure sehen gräuslich aus, die Todesopfer sind in der Regel scheußlich zugerichtet, da macht diese Folge keine Ausnahme: Willkommen in Wien!

Lude gerät fast zur Karrikatur

Mittermeier heißt der Oberschurke mit Pelzjacke und Siegelring, der bei den Schmutzgeschäften die Fäden zieht, Michael Fuith schrammt beim Spiel dieses Paten hart an der Ösi-Karikatur entlang, es fällt ein wenig schwer, den tätowierten Ludenschnösel wirklich gefährlich zu finden. Er hätte zweifellos auch eine herrliche Type in der legendären Seriengroteske „Kottan ermittelt“ abgegeben.

Aber gefährlich ist er natürlich, er lässt tschetschenische oder türkische Konkurrenz abschlachten, er beschäftigt eine asiatische Leibwächterin, die tödliche Tritte austeilt und will nun eine Mordzeugin ausschalten, die sich in Fellners Wohnung versteckt. Thomas Roth macht sich keine große Mühe, ein Tätersuchspiel zum Mitraten zu inszenieren, der Gegner ist schnell ausgeguckt und muss nun überführt werden. Mehr Spannung wünschte man sich dabei indes schon, zu vieles ist vorhersehbar, und das Ende kommt doch eher wie eine zweitklassige Hollywoodkopie daher.

Team ist stark, das Drehbuch schwach

Der düstere Stoff soll mit einer Prise Humor aufgehellt werden, was auch nur mit mäßigem Erfolg gelingt. Die Fellner kutschiert eine aufgemotzte Halbweltkutsche mit 300 PS durch die Gegend, die ihr ein Ganove geliehen hat, der im Knast sitzt. Und Eisner wird zum Hundebesitzer wider Willen, der Jack Russell eines Opfers lässt sich nicht mehr abschütteln. Krassnitzer und Neuhauser sind als Team stark wie eh und je, umspielen die Drehbuchschwächen elegant, aber alles retten können sie nicht.

Schlimm ist das Sammelsurium an Erklärungen zu Flüchtlingen, das wie ein Volkshochschulkurs über eine oberlehrerhafte Kollegin (Kristina Sprenger) vermittelt wird. Eine typische Schwäche vieler Krimis, denen die Qualität abgeht, Dinge aus sich heraus zu erklären: Sie langweilen mit Vorträgen. Aber auch dem Polizistenduo hat man schon originellere Dialoge aufgeschrieben. „Da passiert ein Jahr ein Verbrechen, und alle schauen weg“, sagt die Fellner, und der Eisner seufzt: „Was für eine Welt“.

Was für ein Krimi.

Fazit: Gute Typen, mäßige Story. Wien kann es besser

ARD, Sonntag um 20.15 Uhr