Sat.1-Show

Promi Big Brother zeigt schon jetzt mehr als einem lieb ist

Krokodilstränen, Ratten und Intimfleisch-Beschau: Sat.1 öffnet den Promi-Big-Brother-Container. Zum Start gab es einen Totalausfall.

Edona Jones war mal ein Mann und zeigte schon in der ersten Ausgabe von Promi Big Brother 2016 ihren operierten Intimbereich.

Edona Jones war mal ein Mann und zeigte schon in der ersten Ausgabe von Promi Big Brother 2016 ihren operierten Intimbereich.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin.  Es war erst der Auftakt, aber irgendwie hat man das Gefühl, schon jetzt alles gesehen zu haben: Tut sie das gerade wirklich? Hebt Edona Jones ihre Beine, um sich die Hose von selbigen zu streifen? Ja, sie tut es. Sie gewährt einen Blick in ihre operierte Intimzone. Und kommt da Jessica Paszka, Model ohne Bachelor-Abschluss, tatsächlich näher, um sich das Werk der Chirurgen ganz genau anzusehen? Ja, sie tut es. Und sie vergleicht es auch noch mit ihrer eigenen, naturgegebenen Variante. Intimfleisch-Beschau bei der Eröffnung der diesjährigen Staffel von Promi Big Brother.

Wir hätten es ahnen können. Hat Sat.1 die neue Staffel schließlich mit den Worten angekündigt: „Jetzt wird Geschichte geschrieben.“ Noch prominenter, noch härter, noch krasser soll es dieses Mal werden. Und das bezieht sich offenbar hauptsächlich auf „untenrum“. Nicht nur bei den Promis selbst, sondern auch in den einzelnen Bereichen. Denn der Keller ist tatsächlich eine Nummer härter als beim vergangenen Mal. Wie gewohnt sind die Teilnehmer der Show in zwei Gruppen geteilt: Die einen schwelgen im Luxus mit Schampus und Jacuzzi, die anderen hausen in dieser Staffel mit Ratten in der Kanalisation. Zu essen gibt es Gemüse, von denen manche noch nicht einmal etwas gehört haben: rote Beete, Petersilienwurzel und Kohlrabi zum Beispiel. Krass.

Teufelshörner, versteckt unter Pomade und Haarspray

So kommt denn der Luxus-Bereich in der ersten Folge auch eher harmlos daher. Nach und nach ziehen die Promis ein: Natascha Ochsenknecht, deren Lieblingsfarbe sich dankenswerterweise auf die pinkfarbenen Pumps beschränkt. Prinz Marcus von Anhalt, der moppelige Adoptiv-Adelige mit getackertem Grinsen im Gesicht und einer Igel-Frisur, die aussieht, als ob er die Teufelshörner unter einer dicken Schicht Pomade und Haarspray verstecken will. Cathy Lugner, Gattin des Wiener Baulöwen Richard „Mörtel“ Lugner, die sich extra für die Sendung die Haare hat Platinblond färben lassen. Blondblond macht einen schließlich dumm. Ben Tewaag, bullterrierkuschelnder Bad-Boy-Sohn von Uschi Glas, der so höflich ist, und vor dem Einzug in den Luxus-Bereich erst einmal an der Haustür klingelt. Joachim Witt, der goldene Reiter der Neuen Deutschen Welle, der sich bei seinem Einzug gar nicht erst vorstellt – und in ratlose Gesichter blickt. Gesichter, die schweigend fragen: Wer zum Kuckuck ist das?

Und dann ist da noch – ist sie es wirklich – eiskalter Blick – ja, sie ist es: die bitterböse Clarissa von Anstetten aus der längst eingestellten Soap „Verbotene Liebe“. Im wahren Leben heißt Clarissa Isa Jank und scheint noch die normalste unter den Bewohnern zu sein. Den Abschluss macht Mario Basler, den sich Natascha Ochsenknecht erst einmal für einen Hygiene-Grundkurs zur Brust nimmt: „Hier ist das Bad, hier kannst du deinen Rüssel abspülen.“

Adiletten-Adonis hat Berührungsängste mit blanken Brüsten

So weit die Höhepunkte im Luxus-Bereich. Lustiger ist es in der Kanalisation. Das mag aber daran liegen, dass die Promis hier schon seit drei Tagen bei Wasser und Gemüsesuppe ihr Dasein fristen. Zufall oder nicht: Der Promi-Bekanntheitsgrad der Kanal-Besatzung ist um einiges geringer als das der Schampustrinker und Häppchenesser. Da ist besagte, als transsexueller Mann geborene Edona James, die schon in der RTL-Nackedei-Show „Adam sucht Eva“ blank zog – und nun bei Sat1 daran anknüpft. Ex-„Bachelor“-Kandidatin Jessica Paszka, von Sat1 als „Reality-Star“ vorgestellt, ahnt wohl selbst, dass sie kein Schwein kennt. Aber sie sei ja jetzt hier, um bekannter zu werden, sagt sie. Und noch eine Busenfreundin haust in der stinkenden Kanalisation: Dolly Dollar, die einst bei „Eis am Stil“ ihre Brüste in die Kamera hielt.

Wie sich bei all der Weiblichkeit wohl die beiden Männer da unten fühlen müssen? Ex-Soap-Darsteller Stephen Dürr scheint recht gelassen mit der Situation umzugehen. Ringer-Olympionike Frank Stäbler hatte da schon sichtlich größere Berührungsängste mit den blanken Riesenbrüsten von Edona James. Der Welt- und Europameister zog übrigens tatsächlich mit diesen hässlichen Rentner-Latschen mit den drei berühmten Streifen an der Seite in den Container. Ansonsten macht der Adiletten-Adonis aber eine recht gute Figur.

„Psychochonder Jessica“

Die erste Folge der neuen Staffel bietet auch gleich den ersten Streit, das erste Drama und die ersten dicken Krokodilstränen: Edona beschwert sich darüber, dass sich „Psychochonder“ Jessica immer beschwert. Und das tut sie sehr theatralisch. Möchte Edona auch beim nächsten Gefühlsausbruch im Sprechzimmer die Welt an ihren Gedanken teilhaben lassen, sollte Sat.1 über Untertitel nachdenken.

Wer aufgepasst und mitgezählt hat, dem wird aufgefallen sein, dass zu Beginn der ersten Folge ein Ungleichgewicht zwischen Luxus- und Schmuddelbereich herrschte. Das hatte selbstverständlich einen guten Grund. Schließlich kann der Zuschauer wieder hemmungslos unbeliebte Promis ins Dreckloch wählen. Zwei Wochen lang darf er wieder glauben, es den Schönen, Reichen und Verwöhnten heimzahlen zu können. Als ersten traf es Prinz Marcus von Anhalt, Adoptivsohn des adoptierten Prinzen Frédéric von Anhalt. In Sachen Sympathie fällt offenbar auch bei nicht leiblichen Vätern der Apfel nicht weit vom Stamm.

Désirée Nick ist ein Totalausfall

Apropos Sympathie. Von der hat Berufsgiftspritze Désirée Nick bekanntlich nicht viel zu vergeben. Die Entertainerin ersetzt in der laufenden Staffel Cindy aus Marzahn als Sidekick von Moderator Jochen Schropp. Bei der Premiere machte sie nur leider keine gute Figur. Ihre abgelesenen Pointen waren selten lustig, ihre Witze wiederholten sich, aus Stephen Dürr machte sie einen Stephan und Ben Tewaag verwechselte sie zwischenzeitlich mit dessen Vater Bernd. Die größte Leistung der „La Nick“ bestand darin, sich in der dreieinhalbstündigen Show drei Mal umzuziehen. Ansonsten: Totalausfall.

Aber sei’s drum. Das Haus ist voll. Die Spiele sind eröffnet. Mögen sie beginnen, die Promi-Peinlichkeiten und Kaviar-Kämpfe.