Schauspieler

Benno Fürmann klagt über die permanente Suche nach Glück

Benno Fürmann verkörpert oft den knallharten Einzelgänger – doch privat ist der Schauspieler anders. Von einem, der auf der Suche ist.

„Bin gleich zuhause“: Benno Fürmann als EU-Geheimagent Koralnik in „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“.

„Bin gleich zuhause“: Benno Fürmann als EU-Geheimagent Koralnik in „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“.

Foto: Martin Menke / ZDF und Martin Menke

Berlin.  Koralnik ist Profikiller. Nach acht Jahren ohne Auftrag und einem Leben im Geheimen ist er so ausgehungert nach ein bisschen menschlicher Ansprache, dass er sich selbst auf den Anrufbeantworter spricht: „Esse jetzt noch kurz was und bin dann gleich zu Hause.“

Benno Fürmann (44) spielt diesen Koralnik in einem Film, dessen Titel schon auf seine grotesken Charaktere schließen lässt: „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ (12. August, ZDF, 22.30 Uhr). In der Rolle ist er ein isolierter Mensch, der sein Leben komplett durchgeplant hat und keinen Millimeter von diesem Entwurf abweicht. Im Gespräch macht Fürmann deutlich, dass er persönlich damit nichts anfangen kann.

Der Berliner sitzt entspannt auf einem Hotelsofa nahe dem Ku’damm. „Menschen sind zu vielschichtig und zu bunt, um ihre Existenz einem einzigen Entwurf anzupassen“, sagt er und blickt einen mit seinen blauen Eisaugen an. Das Motto seiner Figur Koralnik lautet: Konzentration, Kon­trolle, Präzision. Das funktioniert allerdings nur so lange, bis eine Frau ihn unter Drogen setzt: Betrügerin Rosa, gespielt von Mavie Hörbiger, bringt Bewegung in sein erbärmliches Dasein.

Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war

Sich einer einzigen Aufgabe komplett zu verschreiben, das könne es nicht sein, sagt er. Fürmann ist immer schon lieber seiner Intuition als einem Plan gefolgt. Er ist ein nachdenklicher Mensch. Jemand, dessen Vergangenheit sich tief in ihm festgesetzt hat: Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war, sein Vater acht Jahre später. Erfahrungen, die prägen. Trotz dieser Erlebnisse hat er sich nicht zurückgezogen, sondern wollte das Leben spüren. Ihn lockte die Gefahr – und er kassierte manche Niederlage: Schon als Siebenjähriger schrottete er sein neues Fahrrad, mit 17 prallte er beim S-Bahn-Surfen mit seinem Kopf gegen einen Betonpfeiler und lag wochenlang im Krankenhaus. Mit 18 kaufte er sich von einer Erbschaft eine Harley, wurde Gerüstbauer, weil er „auf Dächern rumturnen“ wollte.

Doch auch das reichte Fürmann nicht. Er wollte Schauspieler werden. Und ging er mit 19 nach New York ans Lee-Strasberg-Institut.

Bekannt wurde Fürmann, der bereits viele kleinere Rolle innehatte, sieben Jahre später: 1998 war er Bubi Scholz – die Darstellung der Berliner Boxerlegende war sein Durchbruch.

Der Erfolg hat ihn geprägt, ihm viel bedeutet. Die Schauspielerei ist ihm wichtig, aber sie ist nicht sein Leben. Manchmal wache er morgens auf, „und habe gar keinen Bock, arbeiten zu gehen.“ Wenn man Benno Fürmann fragt, was Glück ist, holt er aus: „Wenn Glück bedeutet, dass ich in jedem einzelnen Moment nach Erfüllung suche, dann halte ich das Streben danach für Quatsch. Das ist mir zu egozen­trisch.“ Die Glückssuche sei heute zum Lifestyle geworden. „Man fährt zum Yoga, trinkt laktose- und koffeinfreien Kaffee, aber das hat mit echtem Glück nichts zu tun.“

Fürmann will alles ausprobieren. Er reist viel, ist Bergsteiger und setzt sich für Amnesty International ein – das Gegenteil also von einem wie Koralnik.

„Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“, 12. August, ZDF, 22.30 Uhr