Sendereihe

„Insider“ Stefan Gödde führt Zuschauer durch Russland

In der neuen Reportagereihe „Inside mit Stefan Gödde“ begibt sich der ProSieben-Moderator auf Reisen – in weltpolitische Brennpunkte.

 Stefan Gödde (links) reist für seine Sendung in Regionen, die steuern, was über sie nach außen dringt: nach Fukushima in Japan, China und – in der ersten Folge – in Putins Russland.

Stefan Gödde (links) reist für seine Sendung in Regionen, die steuern, was über sie nach außen dringt: nach Fukushima in Japan, China und – in der ersten Folge – in Putins Russland.

Foto: ProSieben

München.  Eine Villa im Großraum Moskau. Stefan Gödde steht in einem fensterlosen Raum, an der Wand das Bild eines stilisierten Totenschädels, in dem ein Messer steckt. Darüber steht ein Satz: „Kill ’em all“, töte sie alle. Der Mann, dem diese Villa gehört, ist ein Ex­trempatriot, ein Neureicher mit direkten Verbindungen zu Wladimir Putin. Plötzlich präsentiert er dem Gast aus Deutschland ein Kampfschwert und protzt: „Damit kann ich aus Autos mit einem Schlag Cabriolets machen.“

Stefan Gödde dreht sich in Richtung Kamera, er ist sichtlich verwirrt: „Das ist gerade eine der skurrilsten Szenen meines Lebens.“

ProSieben erfindet sich neu

Gödde (40) wirkt ehrlich verblüfft angesichts der zur Schau gestellten Gewaltbereitschaft dieses mächtigen Nationalisten. Die persönliche Betroffenheit des Moderators ist Konzept und Stärke des neuen Formats „Inside mit Stefan Gödde“: Jede Folge ist eine persönliche Reise – so wie sein Russland-Trip, der Auftakt einer Reihe, die Gödde in den kommenden Wochen noch nach China und Fukushima führt.

Es ist ein Experiment, das ProSieben da wagt: Mit einer Wissensoffensive will der Münchner Privatsender dem Eindruck entgegenwirken, er entwickle sich abends zu einer reinen Abspielstation für US-Sitcoms. Bereits im Juli startete die Reportagereihe „Un­covered“, am Montag (8. August) gehen mit Göddes „Inside“ und dem Netzreporter-Format „Follow Us!“ (23.15 Uhr) zwei weitere Dokumentationsreihen auf Sendung.

Stefan Gödde könnte ein junges Publikum für Auslandsreportagen gewinnen, das sonst vor allem nach Unterhaltung sucht. Der Westfale, aufgewachsen am Rande des Sauerlands in der 11.000-Einwohner-Gemeinde Rüthen bei Soest, hat einschlägige Erfahrungen. Seit sieben Jahren moderiert er im Wechsel mit Aiman Abdallah das Vorabendmagazin „Galileo“, für Spezialausgaben berichtete Gödde immer wieder aus den Krisenregionen der Welt. Mal aus Nordkorea, mal aus Tschernobyl. Diese Berichte konnten sich sehen lassen. Auch „Inside“ versucht sich an einer jünger anmutenden Ansprache als etwa der ARD-„Weltspiegel“. Die Erzählweise setzt über Musik und Göddes Off-Kommentare auf Spannung, übertreibt die Dramatisierung jedoch nicht.

Hinter Gödde liegen anstrengende Monate

Was Gödde und sein Team auf ihrer zweiwöchigen Reise durch Russland zutage gefördert haben, ist nicht gänzlich neu, aber im Zusammenschnitt fesselnd. Er traf kritische Journalisten und Oppositionspolitiker, die viel riskieren. „Das ringt mir größten Respekt ab“, erzählt Gödde im Gespräch mit unserer Redaktion: „Die unabhängigen Reporter und Oppositionspolitiker machen weiter, obwohl die Möglichkeit besteht, dass sie ihr Leben verlieren.“ Am Ende steht die Erkenntnis: „Tief in der russischen Seele gibt es eine Sehnsucht nach der alten sowjetischen Größe.“

Gödde hat die Reportagen aus Russland, China und Japan hintereinanderweg gedreht. Hinter ihm liegen anstrengende Monate. Man sieht ihm den Schlafmangel an. Umso mehr freut er sich darauf, demnächst wieder in Rüthen zu sein. Wenn er dort mit seinem Bruder um die alte Stadtmauer jogge, falle ihm immer wieder die Stille auf. „In Rüthen kann ich abschalten. Das finde ich paradiesisch.“

Montag, 8. August, 22.10 Uhr, ProSieben.