TV-Kritik

„Nicht mein Tag“: Von Ganoven und anderen Spaßvögeln

Ein prolliger Moritz Bleibtreu, ein spießiger Axel Stein – verkehrte Welt in der Komödie „Nicht mein Tag“. Aber dadurch sehr gelungen.

Von Michaela Grimm
Miriam (Anna Maria Mühe) sucht ihren verschwundenen Mann. Sie sucht Hilfe bei Ganove Nappo (Moritz Bleibtreu).

Miriam (Anna Maria Mühe) sucht ihren verschwundenen Mann. Sie sucht Hilfe bei Ganove Nappo (Moritz Bleibtreu).

Sitzen ein Bankangestellter und ein volltätowierter Kleinganove in einem Ford Mustang auf der Fahrt durchs Ruhrgebiet und grölen ausgelassen die Refrains der Rocksongs mit. Warum kann das Leben eigentlich nicht immer so sein, mag sich Anzugträger Till Reiners (Axel Stein) in diesem Moment denken? Dummerweise ist er aber eigentlich eine Geisel. Und mit seinem Entführer Nappo (Moritz Bleibtreu) nach Amsterdam unterwegs. Es wird die Reise seines Lebens.

Der Start eines wahnwitzigen Chaostrips in die Niederlande, wo sich das Duo mit drei schweren Jungs aus Albanien anlegt, fällt furios aus. „Nicht mein Tag“ mischt kriminelle Energie mit viel schrägem Humor.

Die Entführung kommt Till gerade recht. Er hatte genug von seinem biederen Leben. Bei der bemüht fröhlichen Firmenfeier zum 60. Geburtstag eines Kollegen fragt er sich: Soll das alles gewesen sein, dieses schnöde Mittelstandsdasein mit Haus-Frau-Kind und Ratenzahlung?

Beim Gedankenaustausch und Gitarrespiel kommt man sich näher

„Es läuft halt gerade nicht so“, findet auch seine Frau Miriam (Anna Maria Mühe), die Handtaschen kreiert und nach einem Streit beschließt, erst einmal Zeit für sich zu brauchen. Damit ist sie so beschäftigt, dass sie gar nicht mitbekommt, dass ihr Mann entführt wird. Was schlimmer klingt als es ist. Denn schnell wird Till zum Fahrer des Fluchtwagens befördert, in dem die Stimmung immer besser wird. Das ungleiche Duo sucht eine Hütte im Wald auf. Und gegen aufkommende Langeweile kann man sich ja einfach mal besser kennenlernen: Beim Gedankenaustausch und Gitarrespiele kommen sich die beiden näher. Und siehe da: Sie verstehen sich.

An die Zeiten, als Axel Stein noch der pummelige Sohn von „Hausmeister Krause“ Tom Gerhardt war, erinnert in dieser Komödie nur noch die Stimme des Navis im Fluchtwagen. Die stammt nämlich von Ex-Serienpapa Gerhardt. Ansonsten zeigt sich Stein eher runderneuert. Wobei „rund“ angesichts einer Gewichtsreduzierung von 45 Kilo wohl eher das falsche Wort ist. So viel soll Stein für seine Rolle in „Nicht mein Tag“ abgenommen haben.

Auftritt von Koproduzent Til Schweiger

Mit viel Tempo und Situationskomik legt Peter Thorwarth einen gelungenen Nachfolger seiner sogenannten Unna-Trilogie („Bang Boom Bang“, „Was nicht passt, wird passend gemacht“ und „Goldene Zeiten“) vor.

Auch wenn der ein oder andere Witz allzu vorhersehbar daherkommt – Spaß macht das starbesetzte Abenteuer allemal: Neben Stein und Bleibtreu sorgen auch Jasmin Gerat und im herrlichen Kurzauftritt Ralf Richter für gute Laune.

Schön ist, dass die komischen Momente bis ins Absurde gesteigert werden. Ob es sein musste, dass die Komödie auf knapp zwei Stunden ausgewalzt wird, ist die andere Frage. Gelegentlich ist es dann auch einfach zu viel an Verfolgungsjaden. An einer Stelle tritt noch Koproduzent Til Schweiger auf, durchaus witzig.

Fazit: Ein bisschen übertrieben, aber dennoch ein großer Spaß. Dem herrlich prolligen Bleibtreu und vor allem Axel Stein in der Rolle des gutbürgerlichen Korrekten zuzuschauen, ist Fernsehvergnügen pur.

• Sonntag, 7. August, RTL, um 20.15 Uhr