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Maischberger-Gast fordert Anti-Terror-Kurse für alle Bürger

Nach den Attentaten in Nizza und Würzburg ging es im „Maischberger“-Talk um die innere Sicherheit. Beruhigter war man nachher nicht.

Wie umgehen mit dem Terrorismus? Die Gäste der Diskussionssendung von Sandra Maischberger fanden unterschiedliche Antworten.

Wie umgehen mit dem Terrorismus? Die Gäste der Diskussionssendung von Sandra Maischberger fanden unterschiedliche Antworten.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  „Wahrscheinlich wird das nicht gelingen“ – Die Worte, mit denen Sandra Maischberger ihre letzte Talk-Runde vor der Sommerpause beendete, waren symptomatisch. „Anschlag in Würzburg: Sind wir dem neuen Terror schutzlos ausgeliefert?“ lautete das Thema der Sendung, in deren Verlauf man durchaus den Eindruck gewinnen konnte, dass es mit einem ausgereiften Plan gegen die terroristische Bedrohung noch nicht allzu weit her ist.

Dabei scheint ein solcher immer dringender nötig zu sein. Erst das Attentat in Nizza, dann der Axt-Angriff in einem Regionalzug bei Würzburg – in beiden Fällen waren es offenbar islamistische Einzeltäter mit Verbindungen zum Islamischen Staat (IS), die zuvor eher unauffällig lebten. Hätte man die Katastrophen kommen sehen können? Ist das eine neue Qualität des Terrors? Und wie lassen sich solche Anschläge künftig verhindern? Beantworten sollten das CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast, Psychologe Ahmad Mansour, Journalist Claus Strunz, Terrorismusexperte Guido Steinberg und Judith Assländer, Pflegemutter von jungen Asylbewerbern.

Verachtung für das Leben

„Den typischen Terroristen gibt es nicht“, sagte Psychologe Mansour, „man sieht ihnen das nicht an.“ Vielmehr müsse man darauf achten, welches Gedankengut sie in sich tragen, wie sie sich verhalten und ob sie die Rhetorik der Islamisten verwenden. „Das geht nur durch vertiefte Gespräche, nicht mit einem Katalog von Symptomen.“ Gedanken wie die Verachtung des Lebens seien Teil der Erziehung, so Mansour weiter, weswegen er auch nicht an die Vorstellung einer Turboradikalisierung glaube. „Man steht nicht morgens auf und denkt sich, heute Abend bringe ich ein paar Leute um.“

Hätte man das Würzburg-Attentat also früher erkennen müssen? Nicht zwingend, meinte Terrorismusexperte Steinberg, aber das Wort „Turboradikalisierung“ mache ihn sehr misstrauisch: „Wenn Sicherheitsbehörden das benutzen, versuchen sie von ihren Schwächen abzulenken.“ Nämlich, so Steinberg: die Früherkennung. Und Sat1-Journalist Strunz meinte den Grund dafür zu kennen: „Weil wir uns an allen Ecken und Enden kaputt sparen.“

Diskussion um tödliche Schüsse

Laut Grünen-Politikerin Künast haben wir es beim Terrorismus inzwischen „mit viel kleineren Zusammenhängen“ zu tun, weshalb ganz andere Bedrohungsanalysen nötig seien. „Die Polizeiarbeit muss neu gedacht werden, man muss sich auch mehr Wissenschaft reinholen“, so Künast, die auch bei Maischberger noch einmal untermauerte, dass Fragen zu tödlichen Schüssen in einem Rechtsstaat doch wohl erlaubt sein müssen. Kurz nachdem der Würzburg-Attentäter getötet worden war, hatte Künast in einem Tweet auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gefragt, wieso der Aggressor nicht angriffsunfähig geschossen werden konnte – und dafür viel Kritik geerntet.

Auch andere Aussagen von ihr stießen in der Talk-Runde auf Widerspruch, etwa ihre These zum Strategiewechsel des IS. „Solche Fälle gab es früher auch schon“, gab Steinberg mit Bezug auf das Würzburg-Attentat zu bedenken: „Was uns Sorgen machen sollte, sind nicht die Einzeltäteranschläge, sondern das, was währenddessen im Hintergrund geplant wird.“

Anti-Terror-Kurse für alle Bürger

Damit thematisierte der Terrorismusexperte die Ziele des IS. „Er möchte Bruchlinien in der Gesellschaft vertiefen und Gegenreaktionen provozieren“, sagte Steinberg. Die AfD zum Beispiel sei genau das, was er in Deutschland haben wolle. „Er möchte auch, dass wir Bodentruppen schicken, weil er dagegen bessere Chancen hat als gegen die Luftwaffe“, so Steinberg weiter. Er warnte: „Wir sehen bei den Franzosen, dass sie kurz davor sind überzureagieren, einen Fehler in Syrien zu machen.“

Journalist Strunz wünschte sich strengere Sicherheitskonzepte. „Warum lernen wir nicht endlich, dass wir uns auch hier absichern müssen?“, fragte er. Eine Idee: Poller bei Großveranstaltungen, damit Lkw nicht einfach – wie in Nizza – ungebremst in eine Menschenmenge rasen können. Zweite Idee: Anti-Terror-Kurse für alle Bürger. „Das sollen keine Selbstverteidigungskurse sein“, erklärte Strunz, aber man könne doch in Schulen und Volkshochschulen zeigen, wie man zum Beispiel Gefahrenpotenziale entdeckt.

Integration als Prävention

Für den Terrorismusexperten Steinberg liegt die Lösung vor allem in Reformen der Sicherheitsbehörden. „Wir haben eine gute Polizei, aber schwache Nachrichtendienste.“ Man werde Anschläge nur verhindern können, wenn man relativ früh erfahre, wenn Menschen anfangen sich zu radikalisieren. Dafür wiederum brauche es eine bessere internationale Vernetzung und Austausch von Informationen, ergänzte CDU-Innenexperte Bosbach.

Psychologe Mansour warnte allerdings davor, nur kurzfristig zu denken: „Wir müssen Milliarden investieren, um die Menschen richtig zu integrieren. Dafür vermisse ich Konzepte, Schulreformen. Wenn wir jetzt nicht damit anfangen, haben wir in zehn Jahren ein noch viel größeres Problem.“ Und bei allen Bemühungen dürfe man eines nicht vergessen, so die Flüchtlings-Pflegemutter Assländer: Die Unsicherheit in der Bevölkerung dürfe nicht weiter geschürt werden.