Analyse

Wie das Fernsehen gegen die Online-Konkurrenz kämpft

Das Programmfernsehen verliert immer mehr Zuschauer. Junge Leute wandern ins Netz ab. Das Fernsehen steht vor einer ungewissen Zukunft.

Serien wie „Orange is the New Black“ laufen nicht im TV, sondern beim Streamingdienst Netflix.

Serien wie „Orange is the New Black“ laufen nicht im TV, sondern beim Streamingdienst Netflix.

Foto: Netflix

Essen.  Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein. Nach wie vor ist Fernsehengucken die beliebteste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Noch im Vorjahr gaben bei einer Studie der Stiftung für Zukunftsfragen 97 Prozent der Befragten an, regelmäßig vor dem Fernseher zu sitzen. Im Schnitt sind es 223 Minuten am Tag. Trotzdem können sich die TV-Macher in Deutschland nicht beruhigt zurücklehnen. Denn wirklich treu bleiben dem klassischen Fernsehen mit seinen vorgegebenen Sendezeiten nur die älteren Zuschauer. Junge Leute zwischen 14 und 29 Jahren dagegen gucken nur noch 118 Minuten pro Tag. 2010 waren es noch 135 Minuten.

Der Grund dafür ist das Internet im Allgemeinen und Angebote wie Youtube oder Vice im Speziellen. Und natürlich die sogenannten Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Video oder Sky Go, die die deutsche Jugend online mit einer Flut von neuen Serien überspült. So vielfältig ist die Zahl der neuen Angebote, dass sich das Kölner Medien-Forum jüngst in Anlehnung an Shakespeare die Frage stellte: „TV or not TV?“

Grenzen zwischen TV und Internet werden fließend

Die Antwort darauf ist schwierig und fällt je nach Interessenslage völlig unterschiedlich aus. Reed Hastings prophezeit dem klassischen Fernsehen schon in den kommenden zehn Jahre den Untergang. Aber Hastings ist schließlich auch Chef von Netflix.

„Fernsehen verschwindet nicht, es wird sich weiter entwickeln“, sagt Benjamin Ruth, Geschäftsführer des Medienunternehmens Vice Media Deutschland, das viele TV-Sender mit Reportagen beliefert. Vor allem wird es sich noch mehr differenzieren, werden die Grenzen zwischen Internet und TV immer weiter verschwimmen. Programmfernsehen werde nach wie vor stark, aber auch viel vernetzter sein, ist Sebastian Weil, Vorsitzender der Geschäftsführung des Onlinevideoproduzenten Studio 71, überzeugt.

Ganz vorne dabei sein wird Youtube

Geguckt wird immer öfter unterwegs. Neue Formate und Sendungslängen wird es dafür geben und empfangen wird nur noch über das Internet – eine schnelle Datenübertragung vorausgesetzt. Ganz vorne mit dabei, darüber herrscht Einigkeit unter Experten, wird dabei die Video-Plattform Youtube sein. Dort werden jede Minute 400 Stunden Videomaterial hochgeladen. Die Zahl der Kanäle wächst schneller als man sie aufrufen kann. Schmink- und Videospieltipps oder Kochrezepte sind zu sehen, und bei bekannten Youtubern wie dem Deutschen „Gronkh“ schauen gerne mehrere Millionen Menschen zu.

ARD und ZDF starten Internejugendkanal

Die großen Senderfamilien tun sich noch schwer, dagegenzuhalten. So will der nur über das Internet empfangbare Sender RTL II You nach eigener Aussage eine Art „Brücke“ zwischen der klassischen TV-Welt und Internet-Angeboten wie Youtube schlagen. Er bietet sein Programm deshalb live zu festen Sendezeiten, aber auch auf Abruf an.

ARD und ZDF starten im Oktober einen Internejugendkanal. 45 Millionen Euro ist der jährliche Etat dafür, für eine einprägsame Internetadresse hat es aber nicht gereicht. Denn nur unter www.jungesangebotvonardund­zdf.de gibt es mehr Infos zum neuen Jugendsender. Bis man das eingetippt hat, ist bei Youtube das erste Video schon durchgelaufen.