RTL-Show

Wer bei dieser Sendung nicht mitfiebert, ist selbst Schuld

In der neuen RTL-Show „Ninja Warrior Germany“ sollen Sportskanonen einen schweren Parcours überwinden. Wie spannend kann das sein?

Laura Wontorra, eine der Moderatorinnen der Sendung „Ninja Warrior Germany“, interviewt den Athleten Peter Bruckmüller aus Göppingen auch mal kopfüber.

Laura Wontorra, eine der Moderatorinnen der Sendung „Ninja Warrior Germany“, interviewt den Athleten Peter Bruckmüller aus Göppingen auch mal kopfüber.

Foto: Stefan Gregorowius/RTL / dpa

Berlin.  Es gibt viele Gründe, an „Deutschlands härtester Show“ teilzunehmen. Für Nathalie Schmidt ist es ein Plumpsklo. Das nämlich soll endlich aus ihrem alten Bauernhaus verschwinden, und so hat sich die 46-Jährige bei RTLs neuestem Spielshow-Spektakel „Ninja Warrior Germany“ beworben.

Klingt nach Kampfkunst, tatsächlich geht es aber um Kandidaten, die an Ringen, Seilen und über Bälle hüpfend einen Parcours meistern, der selbstredend „der schwerste der Welt“ ist. Was wäre der Privatsender ohne seine Superlative?

Bodybuilder? Hilft auch nichts

100.000 Euro soll der sportlichste Teilnehmer am Ende bekommen, womit sich ein schickes neues Bad allemal bezahlen lässt. Da wäre glatt ein goldener Wasserhahn drin. Auf den aber muss Schmidt noch verzichten, denn trotz Popeye-Muskeln und pinkfarbenem Outfit war für sie gleich an Station Nummer zwei von sechs Schluss. An der Periskop-Rutsche haben die 46-Jährige ihre Kräfte verlassen. Da konnte auch ihr Beruf nicht helfen, dabei ist Schmidt professionelle Bodybuilderin. Doch bei „Ninja Warrior Germany“ heißt das gar nichts.

Denn für die deutsche Ausgabe der japanischen Show hat sich RTL nur die Besten aus 7000 Kandidaten ausgesucht. Unter ihnen: mehrfache Box- und Karate-Weltmeister, ein Sieger im deutschen Hochschulsport und der offiziell „fitteste Soldat der Bundeswehr“. Ja, auch dafür gibt es einen Wettbewerb. Und was könnte für hochdekorierte Sportler entscheidender sein als der Einzug ins große „Ninja Warrior“-Finale am 30. Juli (20.15 Uhr), wo auch die Kohle winkt? Eben.

Hemd und Hosenträger oder Spiderman-Kostüm

Also rannten, sprangen und sprinteten die Kandidaten, meist mit Muskeln bepackt, oft von Tattoos übersät, als ginge es um Olympisches Gold. Über sich drehende Stangen flitzen? Klappt auch noch beim motivierten Zahnarzt, Elektriker und der Pole-Dance-Trainerin. Von einer schwingenden Schaukel stehend auf ein Netz springen? Schon schwieriger, vor allem für die weiblichen Kandidaten. Sich in mehreren Metern Höhe von Ring zu Ring hangeln? Für die allermeisten Teilnehmer, ganz egal, ob sie oberkörperfrei, in Hemd und Hosenträgern oder im Spiderman-Kostüm antraten, eine aussichtslose Angelegenheit.

So auch für Ben Melzer, dabei war er RTL im Stil von „Deutschland sucht den Superstar“ sogar einen kurzen Einspielfilm wert. Der 29-Jährige, der als Yvonne zur Welt gekommen ist, sich aber zur einer Geschlechtsumwandlung entschloss, scheiterte ebenso früh wie Robert Maaser (25). Der hatte noch posaunt, dass der „kleine Parcours kein Hindernis“ sei. Von wegen. Sein „massiger Körper“ (Kommentar von Moderator Frank Buschmann) sollte für den Stuntman und Rhönrad-Fahrer kurz vor knapp das Aus bedeuten.

Ein paar Kandidaten weniger hätten auch gereicht

Da ging der Spaß für Buschmann erst richtig los. Der Moderator, zuletzt in Stefan Raabs Shows beschäftigt, sah sich auch bei „Ninja Warrior Germany“ in der Rolle des Kommentators. Was seinen geschätzten Schweißverlust angeht, hätte er aber auch ebenso Kandidat sein können. Wie der Mann mitgefiebert hat („Ich dreh am Rad“)! Gute Wahl von RTL. Co-Moderator Jan Köppen ging da, abgesehen von den Neckereien der beiden, fast ein wenig unter – was von Laura Wontorra leider nicht behauptet werden kann. Ihre Aufgabe? Das Interviewen der energisch jubelnden Familien und Freunde der Kandidaten. Die Fragen waren aufgrund von Bedeutungslosigkeit leider nach zwei Sekunden vergessen und können deswegen an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden.

So spannend und vor allem lustig (Die Bauchklatscher in Zeitlupe!) die Show dennoch die meiste Zeit war: Ein paar Kandidaten weniger hätten es auch getan. Denn erst um 21.50 Uhr, also kurz vor Schluss, stand die Endausscheidung fürs Finale an und damit der zweite, noch intensivere Parcours. Dabei mussten Publikumsliebling Bertold, das 20 Jahre alte „Küken“ mit Dreadlocks-Zopf, und seine Kontrahenten (18 Männer, eine Frau) über an Seilen befestigte Riesenbälle springen, sich nur mit beiden Händen an einem Brett festhaltend durch die Luft hangeln und eine Art sieben Meter hohen Kamin hochkraxeln. Wer da nicht auf dem Niveau eines Leistungssportlers unterwegs war, hatte keine Chance. Null Komma null.

Muss man die Show gesehen haben, um am Montagmorgen im Büro mitreden zu können? Nicht unbedingt. Eine nette Unterhaltung für einen Samstagabend ohne andere Pläne war sie aber in jedem Fall – nicht zuletzt, weil sowohl Moderatoren als auch Kandidaten vollen Einsatz zeigten. Und sei es nur wegen eines Plumpsklos.