TV-Programm

Der große Fernsehsonntag für alle Fußball-EM-Muffel

Das EM-Fieber hat Sie einfach nicht gepackt und Sie sind auf der Suche nach Abwechslung? Das sind die besten Alternativen im Fernsehen.

Der Bremer „Tatort“ mit dem Titel „Brüder“ wird am Sonntag wiederholt.

Der Bremer „Tatort“ mit dem Titel „Brüder“ wird am Sonntag wiederholt.

Foto: ARD / Radio Bremen/Jörg Landsberg

Berlin.  König Fußball regiert das Fernsehprogramm, am heutigen Sonntag im ZDF und bei Sat1. Gegen eine solche Konkurrenz verheizen die anderen Sender natürlich keine Premieren, sondern jubeln dem Fußballmuffel schon einmal Filmflops unter wie den Fantasy-Streifen „Beautiful Creatures“ (ProSieben, 20.15 Uhr), der so langweilig ist, dass man sich gleich die Abseitsregel erklären lassen könnte. All jene, denen die Rasenkämpfe einfach keinen Kick verschaffen, müssen schon genau hingucken, um ein paar TV-Schmankerl aus der Konserve aufzuspüren.

Eine Scheinhochzeit und ein Todesfall

Wer am vergangenen Sonntag ab 20.15 Uhr an Entzugserscheinungen gelitten hat, weil kein „Tatort“ lief und nicht einmal ein „Polizeiruf“, der bekommt heute seinen Ersatzstoff. Die ARD wiederholt den Bremer Tatort „Brüder“ mit Oliver Mommsen und Sabine Postel. Kann man ruhig zweimal sehen: Der Krimi von 2014 wagt sich auf riskantes Terrain, die Welt der kriminellen Clans, ohne ins Klischeehafte abzudriften. Das Thema ist auch zwei Jahre später gleichsam brisant. 10,18 Millionen sahen den Tatort damals – Rekord für Bremen.

Protziges Hollywood-Kino zeigt RTL mit „After Earth“ (20.15 Uhr). 230 Millionen kostete der Science-Fiction-Streifen mit Will Smith, der auch am Drehbuch mitwirkte und seinen Sohn Jaden als Filmsohn einsetzte. Seine Frau Jada Pinkett produzierte. Vielleicht war das etwas zu viel Familie Smith für einen Film. Der aufgeblähte, naive Vater-Sohn-Konflikt wurde zum Flop und finanziellen Fiasko.

Gelungenes Hollywood-Kino zeigt Sixx mit „Green Card“ (20.15 Uhr): Eine bornierte New Yorkerin (Andie MacDowell) lässt sich auf eine Scheinehe mit einem französischen Lebenskünstler (Gérard Depardieu) ein. Charmant und pointiert. Wer dadurch so richtig in Seufzstimmung gekommen ist, kann einfach weitergucken: Im Anschluss (22.25 Uhr) läuft „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, auch mit Andie MacDowell. Der Film machte Hugh Grant zum Star und die Wet-Wet-Wet-Schnulze „Love Is All Around“ zu DEM Hochzeitssong der 90er-Jahre.

Museumswärter werden zu Gaunern

Ebenfalls im Spartenfernsehen, auf ZDF Kultur, kommt „König von Deutschland“ (20.15 Uhr) – Gegenbeweis für Lästerer, die glauben, es gebe keine guten Filme mit Veronica Ferres. Olli Dittrich brilliert als Thomas Müller, der durchschnittlichste aller Durchschnittsdeutschen. Seine Ehe ist langweilig, sein Teenie-Sohn aufmüpfig. Die größten Freuden seines Lebens sind es, im Fernsehen eine Quizshow zu gucken. Oder Fußball. Genau diese Durchschnittlichkeit macht ihn zum Spielball für die Marketingforschung. Als Müller der Ausbeute auf die Schliche kommt, bricht er aus der Spießbürgerlichkeit aus. Eine Posse, die auf den Punkt kommt.

Der ganz große Treffer ist die Komödie „Drei verliebte Diebe“ ( 3Sat, 21.45 Uhr) von 2009 zwar nicht: Drei Museumswärter werden zu Gaunern – aus Liebe zur Kunst. Aber das Altherrentrio aus Morgan Freeman, Christopher Walken und William H. Macy agiert mit so viel Freude, dass es allemal amüsanter anzuschauen ist als das 100. Experteninterview nach dem Fußballspiel.