Hörspiel

Der „ARD Radio Tatort“ ist ein Krimi für die Ohren

Sie ermitteln auch in ganz Deutschland, sind aber weniger bekannt als ihre Tatort-Kollegen im TV: Die Ermittler aus dem Radio-Tatort.

Im „Radio Tatort“ im Einsatz: Uwe Ochsenknecht (l.), Ralf Richter (M.) und Matthias Brandt.

Im „Radio Tatort“ im Einsatz: Uwe Ochsenknecht (l.), Ralf Richter (M.) und Matthias Brandt.

Foto: WDR/Sibylle Anneck

München.  Spannend, amüsant, eigenwillig: Die Ermittler des „ARD Radio Tatorts“ stehen ihren TV-Kollegen in nichts nach. Quer durch Deutschland gibt es neun Teams, von den grantelnden Bayern über nachdenkliche Hessen bis hin zur schrägen „Task Force Hamm“. Nun läuft die 100. Folge.

Seit 2008 gibt es das knapp einstündige Format, für das die ARD viele bekannte Film- und Theaterschauspieler verpflichtet hat: Uwe Ochsenknecht, Brigitte Hobmeier, Sandra Borgmann oder Alexander Khuon.

Spannende Fälle, skurrile Ermittlerteams und viel Atmosphäre zeichnen die Krimis aus. Am Mittwoch um 20.03 Uhr sendet Bayern 2 die 100. Folge, die am 18. Juni auch bei WDR 5 (17.05 Uhr) zu hören sein wird: In „Hundert von hundert“ ermittelt Annika de Beer in Magdeburg – und auch andere „Tatort“-Dienststellen lassen von sich hören.

Eine halbe Million Hörer erreicht der „Radio Tatort“

In der neuen Folge ist Annika de Beer (Nele Rosetz) nicht in Hochform. Sie kann den Sinn ihrer Arbeit nicht mehr erkennen und versinkt in Zweifeln und Selbstmitleid. Während ihre neue Kollegin voller Elan einen Mord aufklären will, hockt sie am Computer und hört alte Krimihörspiele, selbstverständlich den „Radio Tatort“. „Das sind die einzigen Polizisten, die beliebt sind, Krimipolizisten“, konstatiert die Oberkommissarin deprimiert. Verzweifelt über so viel Passivität mischt sich ihre Sekretärin Blümchen in die Ermittlungen ein.

2008, als die Hörspiel-Reihe startete, habe die ARD an andere Hörerkreise herankommen wollen, „im Kielwasser des großen Fernsehflaggschiffes ,Tatort‘“, sagt Thomas Fritz, Hörspieldramaturg beim MDR und an der konzeptionellen Entwicklung beteiligt.

Mittlerweile ist das Format etabliert, einige unverkennbare Charaktere haben sich entwickelt. Viele Zuhörer haben ihre Lieblingspolizisten. Etwa Rudi (Florian Karlheim) und Senta (Brigitte Hobmeier) aus dem fiktiven Bruck am Inn, Streifenbeamte mit Kriminalambitionen, die nicht mit- aber auch nicht ohne einander können.

Jeden Monat gibt es eine neue Folge

In schönstem Dialekt ergründen sie die Abgründe ihrer bayerischen Heimat, wenn sie mal wieder einen Mordfall lösen statt Strafzettel zu verteilen. Oder die „Task Force Hamm“, geleitet von dem strafversetzten Scholz alias Uwe Ochsenknecht. Sein Team ist ziemlich schräg, allen voran Latotzke – nicht gerade ein Blitzdenker, aber abends am DJ-Pult die große Nummer.

Jeden Monat gibt es eine neue Folge, die binnen einer Woche nach ARD-Angaben bundesweit mehr als eine halbe Million Hörer erreicht – im Radio oder im Internet.

Auch ältere Folgen sind im Angebot – allerdings längst nicht alle, aus Kostengründen. Thomas Fritz hofft, dass sich das irgendwann ändert. „Viele Teams kommen nur einmal im Jahr, das reicht eigentlich nicht aus, damit sich eine familiäre Vertrautheit herausbilden kann“, findet der Dramaturg.

Damit hat er recht. Spätestens nach drei Folgen mit den gleichen Ermittlern wird deutlich, wie fein und sorgfältig die Hörspielmacher die Eigenarten ihrer Figuren herausgearbeitet haben. (dpa)