Fernsehen

Der neue „Tatort“ aus Berlin ist düster und dreckig

Der Tatort am Sonntag wartet mit einer spannenden Geschichte aus Berlin auf. Die Hauptstadt kommt dabei dreckig und empathielos rüber.

Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) ermitteln, nachdem eine Leiche in einem Parkhaus gefunden wurde.

Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) ermitteln, nachdem eine Leiche in einem Parkhaus gefunden wurde.

Foto: Frédéric Batier / rbb/Frédéric Batier

Berlin.  Ein Parkhaus irgendwo unter einem seelenlosen Einkaufszentrum in Berlin. Eine Frau will ihre Tüten in den Kofferraum stellen, wird dann aber auf einen schwarzen Jeep aufmerksam, der mit laufendem Motor mitten im Weg steht. Sie geht auf ihn zu, sie scheint den Menschen hinter dem Steuer zu kennen. Doch der drückt das Gaspedal durch, rammt sie gegen ein parkendes Auto, setzt zurück und überrollt das blutend am Boden liegende Opfer aufs Neue.

Die Absicht der Eröffnungsszene des neuen „Tatort“ (Sonntag, 5. Juni, 20.15 Uhr, ARD) ist klar: Die Stadt soll uns vorgeführt werden als brutales Pflaster, auf dem sich gestörte Menschen ohne Empathie bewegen.

Wer sind die drei Mädchen aus dem Parkhaus?

Ein vielversprechender Fall, schon wegen der beiden Ermittler, die das Erbe ihrer Vorgänger gut und mit mehr Sinn für die Gegenwart verwalten, als die Kommissare Ritter und Stark es zuletzt konnten. Meret Becker als Nina Rubin ist ein Kind der Berliner Straße und versucht mit Mühe und Not, die Restbestände ihres Privatlebens zu retten. Und Mark Waschke als Robert Karow ist ein analytischer Kopf mit Hang zur Einzelgängerei, der auch vor brutalen Ermittlungsmethoden nicht zurückschreckt.

Beide Charaktere sind in sich stimmig und reiben sich auf eine Weise aneinander, die sich nicht immer zwanghaft in Komik auflösen muss – auch dies ein Unterschied zu den etablierten Kommissarspärchen aus München, Münster oder Köln. Vielversprechend ist der Berliner „Tatort“ außerdem, weil er etwas riskiert. Die Erfolgsgeschichte epischer Serienformate vor allem aus den USA hat sich in Deutschland ja schon hier und dort niedergeschlagen in dem Versuch, die Geschichten fortlaufend zu erzählen und nicht in sich geschlossen – etwa in der ZDF-Serie „Kriminaldauerdienst“ von 2007 bis 2010.

Zwar ist es so, dass Rubin und Karow nur alle paar Monate auf den Bildschirm kommen, man also ein gutes Gedächtnis mitbringen muss. Und doch lohnt sich die Konzentration. Die in jeder Folge weitergeführte Geschichte um Karows Vergangenheit beim Drogendezernat und den rätselhaften Tod eines Kollegen entwickelt inzwischen ihren eigenen Sog. Und sie erklärt uns nebenbei auch viel über diesen Mann, der gern auch mal Zeugen mit Kabelbindern fesselt und zur Not mit Betäubungsmitteln ruhigstellt.

Konsequent inszeniert, spannend bis zum Schluss

Im Zentrum steht diesmal allerdings das alltägliche Leben in der Großstadt. Es stellt sich heraus, dass die Halterin des Jeeps, mit dem der Mord verübt wurde, mit dem Opfer befreundet war. Es ist die Kneipenwirtin Birgit Hahne (Valerie Koch), die sich nebenbei als Dealerin durchschlägt und mit dem Mann der Toten auch ein Verhältnis hatte. Doch mindestens ebenso verdächtig sind drei Mädchen, die sich zur Tatzeit im Parkhaus aufhielten und dann von dort auf rätselhafte Weise verschwanden.

Fazit: Regisseur Torsten C. Fischer hat diesen „Tatort“ ästhetisch konsequent inszeniert, und die Geschichte von Autorin Dagmar Gabler hält die Spannung bis zum Schluss. Wir dürfen uns freuen auf die nächste Folge aus dem dreckigen Berlin.

• Sonntag, 5. Juni, 20.15 Uhr, ARD: „Tatort: Wir – Ihr – Sie“