ARD-Krimireihe

Frankens „Tatort“-Ermittler suchen den verlorenen Sohn

Mit gleich drei Fällen haben es die Nürnberger „Tatort“-Ermittler zu tun. Der Film gewinnt, weil er mutig ist und Ungewöhnliches wagt.

Auf Spurensuche in gleich drei Fällen: die Nürnberger Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, l.) und Kommissarin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid).

Auf Spurensuche in gleich drei Fällen: die Nürnberger Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, l.) und Kommissarin Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid).

Foto: Claussen+Putz Filmproduktion GmbH/Hagen Keller

Berlin.  Als die erste Folge des Franken-„Tatorts“ am 12. April vergangenen Jahres ausgestrahlt wurde, holte sie aus dem Stand eine Quote von zwölf Millionen Zuschauern. Dafür kann man viele Gründe finden. Einer der wichtigsten liegt sicher bei den beiden Hauptdarstellern. Fabian Hinrichs hatte 2012 mit seinem Gastauftritt in der herausragenden Münchner „Tatort“-Folge „Der tiefe Schlaf“ als Co-Ermittler Gisbert Engelhart die Zuschauer derart begeistert, dass viele seine Rückkehr auf den Bildschirm forderten – im Internet kursierten ganze Petitionen dazu. Und auf Dagmar Manzel, in ihrer langen Karriere mit Auszeichnungen geradezu überschüttet, kann man sich sowieso verlassen.

Nächstenliebe als Leitmotiv

Vielleicht liegt das Geheimnis der Folgen aus Franken darin, wie diese beiden ihre Rollen als Felix Voss und Paula Ringelhahn interpretieren – sehr zurückhaltend nämlich. „Ich sagte: Ich möchte keine Krankheit, keine Macke, kein Kind im Heim, keine Mutter, die an Krebs stirbt“, beschrieb Dagmar Manzel ihre Bedingungen vor der ersten Folge. Und was für sie gilt, trifft auch auf Felix Voss zu: Über sein Privatleben erfahren wir so gut wie nichts. Stattdessen sehen wir zwei Ermittler, die ihre Fälle nicht kalt analysieren, sondern Anteil an ihnen nehmen.

Das können sie auch in der aktuellen Folge mit dem Titel „Das Recht, sich zu sorgen“. Sie fällt nicht nur aus dem Rahmen, weil sie mit ihrer Lichtstimmung, ihrer Musik und Kameraperspektiven eine Atmosphäre schafft, die in jeder Minute dieses „Tatorts“ überzeugt. Sie tut es vor allem, weil die Geschichte der Drehbuchautorin Beate Langmaack auch dramaturgisch neue Wege einschlägt. Oder besser: die drei Geschichten, die fast unabhängig voneinander erzählt werden und sich nur gelegentlich berühren. Die aber zugleich alle um dasselbe Thema kreisen: die Sorge um andere Menschen.

Vor dem Nürnberger Polizeirevier kampiert eine Frau. Sie sagt, sie vermisse ihren 34-jährigen Sohn. Er sei seit drei Monaten nicht mehr aufgetaucht. Die Polizei ermittelt aber in solchen Fällen nicht. Paula Ringelhahn erfährt, dass die Frau gar keinen Sohn hat, nur einsam ist.

Dabei haben Ringelhahn und Voss eigentlich andere Probleme. Die Wirtin eines furchterregend dunklen Gasthofs ist erwürgt aufgefunden worden. Ihr Mann, der mutmaßliche Mörder, versteckt sich irgendwo im Wald. Die junge Tochter trinkt entgeistert Bier und sagt, dazu seien Wirtshäuser doch da: zum Saufen. „Haben Sie jemanden, der sich um sie kümmert?“, fragt Voss. Sie verzieht spöttisch den Mund und antwortet: „Das würden Sie wohl gern tun, was?“ Und dann ist da noch die Sache mit dem Totenschädel. Im Institut für Anatomie in Würzburg stellt ein Assistent fest, dass beim Skelett eines Körperspenders Schädel und Gerippe nicht zusammenpassen. Die Kommissare ermitteln undercover – und stoßen auf eine Geschichte, die ebenfalls das Leitmotiv des Films aufgreift: die Nächstenliebe.

Fazit: Komplexer Krimi. Ungewöhnlich erzählt, außergewöhnlich gelungen.

Sonntag, 22. Mai, ARD, 20.15 Uhr