TV-Kritik

Romantik bei „Inga Lindström“ – nur der Rivale ist ein Geist

Am Sonntag wird es mit „Inga Lindström“ romantisch: In dem neuen Film hält eine trauernde Ärztin einen Verehrer hin – mit Happy End.

Jonas (Björn von der Wellen) buhlt um Britta (Cornelia Ivancan). Doch die ziert sich.

Jonas (Björn von der Wellen) buhlt um Britta (Cornelia Ivancan). Doch die ziert sich.

Foto: Arvid Uhlig / ZDF und Arvid Uhlig

Berlin.  Was für ein Mann! Er hat ein Boot. Einen Hund. Einen romantischen Beruf: Vogelforscher. Vollbart, Flanellkarohemd und Stiefel trägt er nicht, weil es gerade angesagt ist, sondern weil er tatsächlich ein Naturbursche ist. Ganz klar, dieser Jonas (Björn von der Wellen), der da auf einer südschwedischen Insel seine gefiederten Freunde beobachtet, kann nicht verkehrt sein.

Das muss doch auch Britta (Cornelia Ivancan) erkennen, die schöne, strapazierte Ärztin aus Stockholm, die zunächst nur für einen Tagestrip gekommen war, aber wegen eines Sturms bei der ältlichen Inselbewohnerin Lilja (Christine Schorn) übernachten muss. Da Lilja früh schlafen geht, könnten Jonas und Britta jetzt eigentlich übereinander herfallen.

Liebe mit Hindernissen

Aber so läuft das in Inga-Lindström-Filmen natürlich nicht, auch nicht in „Liebe lebt weiter“ (ZDF). Da gibt es Hindernisse. Diesmal in Gestalt eines Toten. Es ist Brittas Verlobter, der vor Jahren bei einem Bootsunglück vor der Insel ums Leben kam. Seitdem kehrt Britta jeden September hierher zurück, um eine Flaschenpost an ihn ins Meer zu werfen, und manchmal plaudert sie auch mit seinem Geist.

Britta also sperrt sich gegen das neue Liebesglück, das ihr das Schicksal hier in Form des feschen Forschers serviert. „Sie sind eine starke Frau, und starke Frauen sind stark im Verdrängen“, diagnostiziert Jonas, der sich offenbar nicht nur mit Federvieh auskennt, ganz richtig. „Sind Sie ein Frauenversteher?“, fragt Britta. „Ja, und Single“, sagt er. „Nimm ihn dir!“, möchte man Britta zurufen, „sonst nimmt ihn eine andere.“ Auftritt Ruth (Anja Knauer). Sie ist das Gegenstück zur fragilen Britta, lebenslustig und fest entschlossen, sich Exfreund Jonas wieder zu krallen. Zum Glück ist sie Jonas zu flatterhaft, das mag er nur bei Vögeln.

Neue Garderobe in jeder Szene

Es gäbe einiges, worüber man spotten könnte. Etwa darüber, dass Britta mit Unmengen Gepäck angereist sein muss, so wie sie in jeder Szene eine andere Garderobe trägt. Oder darüber, dass sie, die Stütze ihres Krankenhauses, mal eben ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz auf unbestimmte Zeit verschieben kann. Und ja, Brittas kapriziöses Gebaren und manche ihrer Sätze („Woher soll ich mir das Recht nehmen, ein glückliches Leben zu führen, wenn alles immer nur Zufall ist?“) fallen auf die Nerven.

Aber dann möchte man doch dranbleiben an diesen auf unterschiedliche Weise versehrten Menschen, deren innere Isolation in der Insel ihre Metapher findet. Schließlich beleuchtet der Film auch unkonventionelle Pfade der Liebe: Gastgeberin Lilja verließ einst ihre Familie, um mit einer Frau zusammenzuleben. Die Wiederannäherung mit der zunächst kaltherzigen Tochter gerät überraschend nuancenreich, die Zeichnung der Motive urteilsfrei. Letztendlich handelt „Liebe lebt weiter“ von den Themen, die jedes Drama ausmachen: Schmerz, Schuld, Reue, Vergebung und Erneuerung. Und nur weil etwas gut ausgeht, muss es ja nicht schlecht sein.

Fazit: Inga Lindström weiß einfach, wie sie uns zum Seufzen bringt. Zweck erfüllt.

Sonntag, 15. Mai, ZDF, um 20.15 Uhr