ARD-Talkshow

Maischberger: Ex-Salafist fordert Deutschpflicht in Moscheen

Sandra Maischbergers Talk-Runde war geprägt von Alice Schwarzers Privatfehden. Dabei gingen die interessanten Redebeiträge fast unter.

Von Christine Holthoff
Sandra Maischberger wollte von ihren Gästen wissen: „Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“

Sandra Maischberger wollte von ihren Gästen wissen: „Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“

Foto: imago stock&people / imago/Horst Galuschka

Berlin.  Regelmäßige Talkshow-Seher werden es vermutlich längst als gegeben hingenommen haben, alle anderen durften sich beim Anblick der Maischberger-Runde am Mittwochabend wieder gefragt haben: Warum kann man eigentlich nicht einmal eine Diskussion führen, ohne dass der eine dem anderen ins Wort fällt, Leute wild durcheinander reden, Fragen einfach überhört werden und am Ende alle fast genauso schlau sind wie vorher?

„Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“, wollte Sandra Maischberger von ihren Gästen wissen. Und die schienen sich zuweilen gut darin zu gefallen, Privatfehden im Zwiegespräch zu führen, allen voran Alice Schwarzer und NRW-Ditib-Vorstand Murat Kayman. Die Moderatorin half sich zwischenzeitlich mit Sätzen wie „Ich finde Ihren Dialog ja sehr spannend, aber wir haben auch noch andere Gäste.“ Und sie tat gut daran, denn „die anderen Gäste“ hatten zum Teil durchaus Interessantes zu sagen. Wie viel mehr es wohl hätte sein können, wenn das ewige Gezänk nicht gewesen wäre?

Warum man Salafist wird

Nehmen wir zum Beispiel Dominic Musa Schmitz. Der Mönchengladbacher konvertierte mit 17 Jahren zum Islam, schloss sich den Salafisten und deren islamistischem Prediger Pierre Vogel an. Frauen gab er von da an nicht einmal mehr die Hand, predigte die komplette Abstinenz vor der Ehe. 2013 dann die Abkehr vom Salafismus. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?

„Als Jugendlicher sehnt man sich danach, Dinge mit Richtig oder Falsch beantworten zu können“, sagte Schmitz. „Für mich war diese extreme Ideologie ein Vaterersatz. Sie hat mir gesagt, bis hierhin und nicht weiter. Sie nimmt einem Denken, Handeln und Fühlen ab.“ Wenn er jetzt sehe, mit welchen einfachen Antworten auf schwere Sinnfragen der Salifismus daherkomme, schlage er die Hände über dem Kopf zusammen. Heute ist Schmitz immer noch Muslim, lebe die Religion aber ohne Dogma: „Die Religion ist für mich nicht mehr das Maß aller Dinge, aber eine Inspirationsquelle.“

Schwarzer schießt gegen Ditib-Verbände

Nun ist der Salafismus eine drastische Ausprägung des Islam. Doch verbreitet der Islam generell ein überholtes Frauenbild, so dass Vorfälle wie die Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof wahrscheinlich werden? Ditib-Vorstand Kayman wollte dazu zunächst Grundlegendes klarstellen: „Wenn ich mich rüpelhaft verhalte, bin ich ein Rüpel. Das macht aus mir aber keinen muslimischen Rüpel.“ Nach einer intensiven Islamdebatte in den vergangenen Jahren sei man kaum vorangekommen. Das liege zum einen daran, dass es mittlerweile mehr Islamexperten als Muslime gebe, die sich gegenseitig mit ihren Horrorszenarien überböten, zum anderen daran, dass man schnell in die Falle tappe, entweder den Ankläger oder den muslimischen Pflichtverteidiger zu geben. „Wir sind keine Gegner, sondern Gleichgesinnte.“

Alice Schwarzer sah das anders – zumindest was die Ditib-Verbände im Speziellen angeht. „Sie werden bezahlt, sich ideologisch zu positionieren. Ditib ist einer der stärksten Vertreter des Sharia-Islam, also des schriftgläubigen Islams. Sie reden im TV anders als unter sich, sie sind der verlängerte Arm Erdogans.“

Ex-Salafist nimmt Islamverbände in die Pflicht

Tatsächlich wird das Gehalt vieler Imame in Deutschland von der Türkei gezahlt. Warum ist das noch so?, fragte Maischberger. Kayman: „Das ist der historischen Entwicklung geschuldet. Das war als Provisorium gedacht, weil man damals noch die Illusion der Rückkehr in die Türkei hatte. Damit wollte man den Glauben so konservieren, wie man ihn aus der Türkei mitgebracht hat.“

„Aber warum sprechen die Imame dann jetzt immer noch kein Deutsch?“, warf Schmitz ein. „Die Jugendlichen verstehen vielleicht 50 Prozent einer Freitagspredigt und wenn man Fragen hat, kann sie der Imam nicht beantworten. Ich erwarte von Ditib, dass sie Stellung beziehen zum IS, zu den Anschlägen von Brüssel. Sie müssen sich nicht rechtfertigen für etwas, das sie nicht getan haben, das verstehe ich, aber es ist wichtig, aus Eigeninitiative einen ersten Schritt auf die Gesellschaft zu zumachen. Denn es gibt kaum ein gesundes Gegengewicht.“

„Wir müssen schon so fair sein und sehen, dass wir wahrnehmen, dass sich unsere Gemeinden verändern“, entgegnete Kayman. „Aktuell haben wir 60 Religionsbeauftragte von theologischen Studiengängen Imamen zur Seite gestellt, die genau diese Lücke schließen sollen.“

Peters: Brauchen mehr deutsche Imame

Könnte so eine Reform des Islam aussehen? Deutschpflicht in Moscheen? Verbot von „Import-Imamen“? Kopftuch- und Burkaverbot? „Verbote sind ganz schlecht bei der Integration“, sagte Simone Peters, Bundesvorsitzende der Grünen. „Aber wir müssen schon die Möglichkeit schaffen, dass man die Predigten versteht. Deshalb müssen wir in die Ausbildung deutscher Imame investieren.“

Für Samuel Schirmbeck, früherer ARD-Korrespondent in Nordafrika, war noch eine weitere Sache wichtig: „Wer Islamkritik übt, darf nicht mehr als islamophob bezeichnet werden.“ Wegen der Unfreiheit in den islamischen Ländern könne Kritik nur von außerhalb kommen. „Und das muss man tun dürfen, ohne in die rechte Ecke gedrängt zu werden. Hier in Freiheit muss man es ausdiskutieren dürfen.“

Hoffen wir, dass es beim nächsten Mal besser gelingt.

• Die Maischberger-Folge „Mann, Muslim, Macho: Was hat das mit dem Islam zu tun?“ sehen Sie in der Mediathek.