ARD-Talkshow

Deutschland, deine Erben – „Hart aber fair“ im Schnellcheck

Wie stark soll der Staat bei der Erbschaftssteuer zugreifen? Bei „Hart aber fair“ in der ARD fühlte man sich zeitweise unter Geiern.

Von Walter Bau
Frank Plasberg lud am Montag in der ARD bei „Hart aber fair“ zum Erbschaftstalk.

Frank Plasberg lud am Montag in der ARD bei „Hart aber fair“ zum Erbschaftstalk.

Foto: imago stock&people

Berlin.  Es gibt wenige Themen, bei denen die Meinungen so weit auseinander gehen wie bei der Erbschaftssteuer. Die einen fragen: Warum soll das bereits versteuerte Vermögen ein zweites Mal mit einer Steuer belegt werden? Die anderen kontern: Reichtum wird genau so vererbt wie Armut, das ist nicht gerecht. Bei Franks Plasbergs „Hart aber fair“-Sendung am Montagabend mit dem Thema „Erbenrepublik Deutschland – wer hat, dem wird gegeben?“ prallten die Meinungen frontal aufeinander.

Wie ist die Gesetzeslage?

Das ist der Knackpunkt. Zum 1. Juli 2016 muss die Reform der Erbschaftsteuer in Kraft sein. Der Bundesregierung bleiben also noch rund sieben Wochen. Das Bundesverfassungsgericht hatte gerügt, dass Erben großer Familienunternehmen mit Steuerbefreiungen zu gut wegkommen. Das muss neu geregelt werden. Doch die Koalition tut sich schwer mit einer Neuregelung.

Wer lieferte den Spruch des Abends?

Ganz klar Johanna Uekermann. Das Thema Erbschaftsteuer ist ein Lieblingsthema der Juso-Chefin – wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel zu demontieren. Sie sagte bei Plasbergs Runde: „Der Geier Staat sollte gefräßiger werden.“ Also rauf mit der Erbschaftssteuer, um die „Konzentration von viel Vermögen bei ganz wenigen“ aufzubrechen.

Wer hatte die extremste Position?

Auch hier ist die Antwort klar: Rainer Voss. Der ehemalige Investmentbanker stieg 2009 aus der Finanzbranche auf und lebt seitdem von seinem Vermögen. Er sagte: „Erben in Deutschland ist Stammeskult.“ Seinen drei Kindern habe er klipp und klar gesagt: Wenn bei ihm am Ende etwas übrig bleibe, sei das ihr Erbe. Und wenn nicht, dann gehen sie leer aus. Voss: „Ich sehe nicht meine Pflicht darin, meinen Kindern etwas zu hinterlassen.“

War Wolfgang Grupp auch da?

Klar doch. Wenn es in einer Talkshow um Familienbetriebe und Erbschaften geht, darf der Trigema-Besitzer aus dem Ländle nicht fehlen. Wenn ein Firmenchef, der das Unternehmen geerbt hat, Verantwortung zeige, dann dürfe „der Staat nicht mit der Keule kommen. Wir brauchen unsere Leistungsträger“. Geld sei nicht immer das Wichtigste. Auch wenn das alles nicht falsch ist: Das hatte man so schon gefühlte tausend Mal gehört und brachte die Debatte auch nicht voran.

Und sonst noch?

Der CDU-Politiker Christian von Stetten, der in 30. Generation auf einer über die Jahrhunderte vererbten Generation in Baden-Württemberg lebt, will lieber nicht so viel Erbschaftssteuer erheben. Er findet: Nicht nur Adel, sondern auch Erbe verpflichtet.

Und dann war da noch Thomas Druyen, ein Uni-Professor aus Wien. Gastgeber Plasberg stellte ihn als „Vermögensforscher“ vor. Wie dieses Berufsbild aussieht und was er bei seinen Forschungen herausgefunden hat – Druyen blieb die Antwort schuldig.

Fazit

Eine heikles Thema, das eine differenzierte Diskussion verdient hätte, wurde bei „Hart aber fair“ ziemlich verdaddelt. Zu viel klein-klein, zu viel Abschweifung, zu wenig straffe Debatte. Ein schlapper Moderator und Gäste mit vorhersehbaren Statements.

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek.