ZDF-Drama

„Der Bankraub“ zeigt die Opfer der schamlosen Geldjongleure

Das packende TV-Drama „Der Bankraub“ im ZDF greift den Welt-Finanzcrash 2008 auf. Ein gelungenes Drama mit großartigen Schauspielern.

Von der Bank kurz vor der Rente in den Ruin getrieben: Werner Kreye (Joachim Król) und seine herzkranke Frau Helga (Ulrike Kriener) sind am Ende.

Von der Bank kurz vor der Rente in den Ruin getrieben: Werner Kreye (Joachim Król) und seine herzkranke Frau Helga (Ulrike Kriener) sind am Ende.

Foto: © ZDF/Bavaria Fernsehproduktion / ZDF und © ZDF/Bavaria Fernsehpr

Essen.  Den Lebensabend absichern, mehr will der Facharbeiter nach einem Leben voller Maloche doch gar nicht. Sein Pech, dass er an skrupellose Bankberater gerät, die ihn in den Ruin und zu einer Verzweiflungstat treiben. In „Der Bankraub“, diesem durchaus bewegenden Film von Urs Egger, erwartet uns kein Bankraub im traditionellen Sinne und kein handelsüblicher Thriller: Hier sind die Banken die Räuber und die Kunden die Beraubten.

Autor Martin Rauhaus hat die Weltfinanzkrise von 2008 in einem Mix aus Wirtschaftskrimi und Familiendrama künstlerisch verdichtet. Wer sich an Oliver Stones „Wall Street“ erinnert fühlt, wird feststellen, dass „Der Bankraub“ mit seinem Blick auf Täter und Opfer eine tiefere emotionale Ebene erreicht.

Schauspielerische Feinkost

Das liegt zu einem guten Stück an den Darstellern. Joachim Król gibt eine denkwürdige Vorstellung als Arbeiterdenkmal mit SPD-Parteibuch: der kleine Mann, der in den Mühlen undurchsichtiger Bankgeschäfte zerrieben wird. Wie dieser Werner Kreyen da vor seinem Berater sitzt, der ihn mit den fürchterlichen Phrasen volltextet, zu denen Verkäufer fähig sind, wie er hilflos und auch dankbar lächelt, vorsichtig fragt, zögert und dann doch stets unterschreibt, weil da ja ein Banker sitzt, dem man vertrauen muss, das berührt, das ist schauspielerische Feinkost. Kreyen geht zu schlechter Letzt gegen seine Überzeugung ins Risiko, weil er seiner herzkranken Frau (Ulrike Kriener) eine bessere Versorgung ermöglichen will.

Sein Sohn Martin (Franz Dinda), den er auf einer Geburtstagsfeier noch als „Kapitalistenknecht“ veralbert, ist Teil des Systems, das Tausende in den Ruin treiben wird und die Banken in die Arme des Finanzministers, den sie am Ende kleinlaut um Hilfe bitten. Der Sohn will hoch hinaus, sein Chef (bösartig gut: Justus von Dohnanyi) sieht in ihm den Vollstrecker für riskante Geschäfte in den USA, die seine Bank ganz nach oben bringen sollen. Die Vorstandspartner (Hanns Zischler, Herbert Knaup) warnen vergeblich, die Gier ist zu groß. Martin lässt die Verlobte (Bernadette Heerwagen) und die verzweifelnden Eltern daheim sitzen und verfällt in New York dem diabolischen Charme einer Wall-Street-Hexe (karikaturhaft: Anna Drijver), die ihn mit unseriösen Versprechen ködert, bevor die US-Immobilienblase platzt und fast alle in den Abgrund reißt.

Das ist spannend und bei aller Komplexität der Materie verständlich erzählt, manchmal im Dienst der Sache etwas grob vereinfacht, weil es für einen Fernsehfilm, der ein großes Publikum erreichen will, nicht anders geht. Wenn man Regisseur Urs Egger und Autor Martin Rauhaus einen Vorwurf machen will, dann, dass sie der Zorn über die Schamlosigkeit der Geldjongleure so stark antreibt, dass es ein bisschen an Nuancen mangelt: Die Bösen sind durch und durch unsympathisch, die Guten schrecklich nett, da ist viel schwarz und weiß unterwegs. Vielleicht passt es einfach aber auch.

Fazit: Der große Finanzcrash und seine Auswirkungen, perfekt heruntergebrochen aufs Private: Gelungenes Drama mit großartigen Schauspielern.

Montag, 9. Mai, 20.15 Uhr im ZDF