Familienfilm

Cornelia Froboess glänzt im ARD-Film „Oma zockt sie alle ab“

Nicht nur wegen eines großartigen Auftritts von Cornelia Froboess ist „Oma zockt sie alle ab“ in der ARD ein sehenswerter Familienfilm.

Cornelia Froboess in einer ganz starken Rolle: Oma Rosa ist bereit, am Pokertisch aufs Ganze zu gehen.

Cornelia Froboess in einer ganz starken Rolle: Oma Rosa ist bereit, am Pokertisch aufs Ganze zu gehen.

Foto: Toni Muhr / ARD Degeto/MR-Film/Toni Muhr

Essen.  Die bürgerliche Fassade einer heilen Familienwelt hat von Anfang an Risse, am Ende wird sie zusammengebrochen sein. Dass überhaupt noch etwas steht, ist Oma zu verdanken, denn „Oma zockt sie alle ab“ – ein großer Fernsehabend für Cornelia Froboess. Allein ihre Schlussszene lohnt das Dranbleiben. Da wird die 72-Jährige wieder jung und rennt über den Bahnsteig ans Meer, als wäre sie noch die junge Berliner Göre Conny, die 1951 raus zum Wannsee wollte.

Zu Beginn ist die Froboess als „Rosa“ einfach nur das Hausmütterchen für ihren schwer grantelnden Mann Kurt. Auch die zänkische Tochter und der überhebliche Schwiegersohn sehen sie in dieser Rolle. Selbst die Enkelinnen nerven nur – Familienglück sieht anders aus. Das einzige, das dieser Rosa gelingt, ist Topfkuchen backen. Und die Klappe halten.

Der Topfkuchen ist der erste sichere Hinweis, dass es sich um eine Fernsehproduktion aus Österreich handelt, aus Graz. Erfrischend die böswillige Charakterzeichnung der Figuren und der Griff in das Dixieklo des Lebens, ohne dabei Handlung und Inszenierung ins Groteske zu überzeichnen.

Abends in der Flamingo-Bar am Pokertisch

Schwiegersohn Udo (schön arrogant: Simon Hatzl) schwatzt dem Grantler, prototypisch österreichisch von Werner Prinz in Szene gesetzt, das Haus ab. Der Schwiegersohn ist nämlich pokersüchtig, steht bei einem Geldhai – albanischer Typ mit Maserati – hüfthoch im Dispo. Wie der dauergrinsende Herr Zahnarzt von einer Lüge zur nächsten stolpert, ist gut gespielt. Auch wie er Frau, Kinder und Geliebte verrät, sich vermöbeln lässt, nur um abends wieder in der Flamingo-Bar am Pokertisch sitzen zu können. Genau hier erwischt ihn Rosa zufällig.

Und da steht noch ein trauriger Mann hinter dem Tresen, dem das Pokerleben übel mitgespielt hat. Charly, mit gealterter Würde gespielt von Karl Fischer, immerhin ehemaliger Burgschauspieler unter Peymann. Auch bekannt unter anderem aus der „Winzerkönig“ und dem „Traumhotel“. Charly muss als Thekensklave seine Spielschulden beim Flamingo-Bar-Besitzer Köhn abarbeiten. Der Ludentyp Köhn (Georg Friedrich mit dünnem Bärtchen und Ford Mustang) ist eine Figur, die es in dieser Mischung nur in Österreich geben kann: ein Mistkerl mit Herz, aber im Zweifelsfall zuerst ein Mistkerl.

Die Rosa und der (eigentlich für sie zu junge) Charly kommen sich beim Irish Coffee näher. Ein Grund, warum sich ihre familiäre Bindung zu Ehemann (Herzinfarkt, aber unbelehrbar) und Schwiegertochter (Fremdgeherin) im Laufe der 90 Filmminuten langsam zersetzt.

Im Fantasy-Teil der Geschichte muss Rosa im Crashkurs von Charly das Pokern lernen, damit sie im Hinterzimmerfinale das verlorene Spiel-Geld zurückgewinnen kann. Ob’s gelingt, verrät bereits der Titel. Zum Glück gibt es ja noch den guten Schluss mit Charly und dem Zug zum Wannsee – der dieses Mal an der Adria liegt.

Fazit: Nicht nur dank der Froboess ein sehenswerter Familienfilm – frech, klischee- und kitschfrei.

Freitag, 6. Mai, 20.15 Uhr, ARD: „Oma zockt sie alle ab“