Streamingdienst

Löschen schwul-lesbischer Filme bringt Maxdome Shitstorm ein

Schlechte Kommunikation, üble Nachrede oder völlig grundlos? Wie sich ein Shitstorm über der Online-Videothek Maxdome ausbreitete.

Maxdome bietet seinen Nutzern eine große Film-Datenbank. Die Rubrik „queer“ mit schwul-lesbischen Inhalten nahm der Streamingdienst allerdings jetzt offline – und kassierte zwischenzeitlich dafür harsche Kritik.

Maxdome bietet seinen Nutzern eine große Film-Datenbank. Die Rubrik „queer“ mit schwul-lesbischen Inhalten nahm der Streamingdienst allerdings jetzt offline – und kassierte zwischenzeitlich dafür harsche Kritik.

Foto: imago stock&people / imago/STPP

Berlin.  Es gab sicherlich schon schönere Zeiten für die PR-Leute bei Maxdome. Etliche (vermeintliche) Nutzer haben in den letzten Tagen auf Twitter, Facebook und Co. mit ihrer Kündigung gedroht, andere vergleichen die Politik des Video-Streamingdienstes gar mit jener der AfD. Dabei, so scheint es, wollte sich die Onlinevideothek von ProSieben-Sat.1 eigentlich ein neues – und natürlich kein verhasstes – Image zulegen.

Was war passiert? Maxdome hat Anfang April eine seiner Rubriken aus dem Angebot entfernt – die Rubrik „queer“, in der sich Filme mit schwul-lesbischen Inhalten finden ließen. Einige Nutzer wunderten sich, auf diesbezügliche Fragen allerdings hieß es von Maxdome, die Filme seien nicht entfernt worden, sondern in anderen Rubriken zu finden. Äußerungen, die nach hinten losgingen.

Verträge mit Filmvertrieben gekündigt

Denn bald berichtete „blu.fm“ über den Fall. Das Homosexuellen-Magazin beruft sich auf mehrere Mails und Facebook-Nachrichten von enttäuschten Maxdome-Nutzern, es veröffentlichte Screenshots von Dialogen auf Facebook, in denen der Streamingdienst den Kunden erklärt, die Filme seien nicht entfernt worden. „Eine Lüge“, heißt es in dem Bericht ohne Umschweife.

Denn weiter ergaben die Recherchen des Magazins, dass Maxdome Verträge mit Filmvertrieben gekündigt und die Filme damit offline genommen hatte. Nicht von einzelnen entfernten Titeln ist die Rede, sondern von rund 450 Filmen, die binnen eines Tages aus dem Angebot genommen worden sein sollen. Ein Ärgernis für viele Nutzer – nicht aber so sehr, wie das vermeintliche „Warum“ hinter der Neuordnung.

Schwul-lesbische Inhalte nicht familientauglich?

„blu.fm“ befragte den Geschäftsführer von Pro-Fun Media, einer der Filmvertriebe, mit denen Maxdome den Vertrag gelöst haben soll. „Man möchte sein Programm mehr oder ausschließlich auf Familien ausrichten“, zitiert das Magazin Axel Schmidt zu der Begründung von Maxdome für seine Neuausrichtung. „Man hält queere Themen wohl nicht für familientauglich“, bilanziert „blu.fm“. Eine These, die vielen Twitter-Nutzern als Grundlage für scharfe Kritik dient. Die allerdings von Maxdome auch entschieden zurückgewiesen wird.

„Familienunfreundlichkeit und schwul-lesbische Inhalte in einem Zusammenhang zu sehen, entspricht ganz sicher nicht unserer Haltung“, sagt Maxdome-Sprecher Matthias Bohlig unserer Redaktion. Man halte sich gar juristische Schritte gegenüber ehemaligen Geschäftspartnern offen, die Maxdome „aus offensichtlichen Gründen in ein falsches Licht rücken“, um den Vorwurf auszuräumen. Bohlig bestätigt zwar, dass man sich – unter anderem – von den zwei von „blu.fm“ genannten Content-Lieferanten getrennt habe, betont aber, dass man durchaus sehr offen sei für neue Inhalte, die einen entsprechende Nachfrage beim Nutzer generieren. „Es kann gut sein, dass wir bald wieder mehr Queer-Inhalte in unser Angebot aufnehmen.“

Maxdome: Es ging allein um Wirtschaftlichkeit

Was bei Maxdome ebenfalls nicht gut ankommt, ist die Behauptung des Filmvertriebs-Geschäftsführers Axel Schmidt, die entfernten Filme hätten kaum aus wirtschaftlichen Gründen gelöscht worden sein können, sie hätten schließlich „nennenswerte Zuwachsraten“ gehabt. „Die Filme hatten eher geringe Abrufzahlen“, entgegnet Maxdome-Sprecher Matthias Bohlig, „es ging uns allein um die Wirtschaftlichkeit, das war tatsächlich das einzige Argument.“ Und was die Auflösung der „queer“-Rubrik angeht, sei es dabei vor allem um eine vereinfachte Navigation im Portal gegangen. Auch Rubriken wie „Arthouse“ und „Kriegsfilme“ seien aufgelöst worden, die Filme wanderten in größere Rubriken wie etwa „Drama“.

Fehler räumt Maxdome allerdings in der ersten Kommunikation auf seinen Social-Media-Kanälen ein. „Das war in der Tat nicht in Gänze optimal. Wir können das besser und haben daraus gelernt“, sagt Matthias Bohlig. „Wie diese Diskussionen nun mal sind, hat sie sich verselbstständigt. Wir können nur betonen, dass das nicht unser Anliegen war.“

Am Mittwochnachmittag hatte sich der Tonfall des Maxdome-Sprechers schon wieder etwas entspannt. Im Netz hatten schließlich immer mehr Menschen Verständnis für die Entscheidung seines Unternehmens aufgebracht. Immer öfter steht die Frage im Raum, ob es in unserer Zeit in irgendeinem Zusammenhang überhaupt einer eigenen „Queer“-Rubrik bedarf. „Menschen sollten doch ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung gleich behandelt werden. Warum braucht es dann eine eigene Kategorie?“, fragt etwa ein Twitter-Nutzer. Und demgemäß liegt Maxdome mit seinem jetzigen Kurs gar nicht so falsch. „Brokeback Mountain“ etwa, ein Film über homosexuelle Cowboys, findet man in der Online-Videothek jetzt unter „Drama“ und „Liebe“.