Serie

Warum „Um Himmels Willen“ in der ARD ein Quoten-Hit bleibt

Ein Bürgermeister und sein Streit mit Ordensschwestern bescheren der ARD Top-Quoten. Nina Hoger zum Erfolg von „Um Himmels Willen“.

Erfolgeiche Schwesterherzen: Nina Hoger (3.v.l.) als Ober-Klosterfrau mit Emanuela von Frankenberg, ( l.), Karin Gregorek (2.v.l.), Andrea Sihler (M.), Janina Hartwig (3.v.r.), Mareike Lindenmeyer, (2.v.r.) und Denise M'Baye (r.).

Erfolgeiche Schwesterherzen: Nina Hoger (3.v.l.) als Ober-Klosterfrau mit Emanuela von Frankenberg, ( l.), Karin Gregorek (2.v.l.), Andrea Sihler (M.), Janina Hartwig (3.v.r.), Mareike Lindenmeyer, (2.v.r.) und Denise M'Baye (r.).

Foto: Barbara Bauriedl / ARD / Barbara Bauriedl

Hamburg.  Deutsche Fernsehzuschauer können unberechenbar sein. Fußball zieht immer, Sonntagskrimis auch. Bei einigen hochgelobten Mini-Serien wie „Deutschland 83“, „Die Stadt und die Macht“ oder „Blochin“ mussten die Macher dagegen empfindliche Quotenniederlagen einstecken. Wie ein Fels in der TV-Brandung behauptet sich da „Um Himmels Willen“ (ARD). Die dramaturgisch übersichtliche Serie um einen Bürgermeister und seinen Dauerstreit mit den Ordensschwestern eines Klosters in Niederbayern bleibt ein Quoten-Hit. Gerade laufen die letzten Folgen der 15. Staffel, die Dreharbeiten zur nächsten stehen unmittelbar bevor. Seit drei Jahren ist Nina Hoger (55) mit dabei. Sie spielt die Schwester Theodora. Und als Mutter Oberin ist die vor allem eines: resolut.

„Es geht um ganz klare Charaktere“, erklärt die gebürtige Hamburgerin den himmlischen Erfolg. „Der Konflikt ist immer der gleiche. Das Kloster hat chronischen Geldmangel, und Bürgermeister Wöller möchte es kaufen. Und es wird immer eine Geschichte um eine gute Tat erzählt. Es geht da um Menschen, die Probleme haben, die sie allein nicht lösen können. Und dann kommt Schwester Hanna, der rettende Engel, und hilft.“ Die Zuschauer könnten sich in den Geschichten wiedererkennen, so Hoger. Und jeder bräuchte mal ein bisschen heile Welt: „Die Zeiten sind ja nicht so ganz einfach.“ Lügt man sich da nicht in die Tasche? „Vielleicht“, gibt Hoger zu, „aber die Welt ist aus den Fugen, und Fernsehen muss nicht immer nur die Realität abbilden.“

Drehbuchautorin für den „Tatort“

Dabei kann die Schauspielerin viel mehr als heile Welt. Sieben Mal schon spielte sie im „Tatort“ mit, und nicht nur das: Für den 2004 ausgestrahlten Kölner „Tatort: Hundeleben“ schrieb sie das Drehbuch und griff dafür ein Thema auf, das an Brisanz seitdem noch gewonnen hat: den Pflegenotstand in Altenheimen. „Es war eine tolle Erfahrung“, sagt sie heute. „Ich war ein bisschen stolz, dass ich es geschafft hatte und der ,Tatort‘ ganz gute Kritiken bekommen hat.“

Ihren Durchbruch hatte Nina Hoger Ende der 80er mit der ZDF-Familiensaga „Die Bertinis“. Dort spielte sie an der Seite ihrer Mutter Hannelore Hoger, mit der sie von da an immer wieder vor der Kamera stand.

„Das Leben ist so kostbar“

Auch privat stehen sie sich nahe. „Wir genießen es beide. Ich bin nicht bei ihr aufgewachsen und das, was wir damals nicht hatten, holen wir jetzt nach. Das Leben ist so kostbar.“ Gerade ist ihr Schauspielkollege Karl-Heinz von Hassel, mit dem sie befreundet war, 77-jährig gestorben; ihre Kollegin Hendrikje Fritz wurde nur 54 Jahre alt. „Das ist doch kein Alter zum Sterben“, sagt Hoger. „Und dann immer dieses Gejammer und diese schlecht gelaunten Menschen.“

Jammern, das liegt ihr fern. Aber immer heile Welt braucht sie auch nicht. Gerade bereitet sie ihr musikalisch-literarisches Programm „Rätselhafte Nacht“ mit der Musikerin Julia Schilinski vor, mit dem sie im Herbst auftreten will. Das klingt wie ein Gegenprogramm zum seichten Gewässer von „Um Himmels Willen“.

Dienstag, 3. Mai, 20.15 Uhr, ARD: „Um Himmels Willen“