Neue Staffel

„Game of Thrones“ - Wlaschiha im Reich der Thronjäger

Tom Wlaschiha ist in der sechsten Staffel von „Game of Thrones“ zu sehen. Als einziger Deutscher.

Tom Wlaschiha steht für „Game of Thrones“ vor der Kamera.

Tom Wlaschiha steht für „Game of Thrones“ vor der Kamera.

Foto: www.adrianschaetz.com / Sky Deutschland AG und Sky Deutschland GmbH & Co. KG räumlich und zeitlich uneingeschränkte Exklusivnutzungsrechte.

Leider war das eine Szene, bei der keine Kamera dabei war: Vor zwei Jahren in Belfast treffen die Schauspieler Tom Wlaschiha und Sibel Kekilli, 35, in der Lobby eines Hotels aufeinander. Beide sind Deutsche, beide spielen in der weltweit erfolgreichsten US-Serie „Game of Thrones“ mit. „Wir haben uns nur kurz gesehen“, sagt der 42-Jährige, „wir spielen ja in der Serie nie zusammen, man trifft sich am Set eben nicht.“

Ganz klar, Tom Wlaschiha klingt betont nüchtern am Telefon in dieser Woche. Gerade war er in Los Angeles bei der Premierenfeier der sechsten Staffel, die seit Montag in Deutschland auf dem Bezahlsender Sky gezeigt wird. Ab jetzt also tauchen die Fans wieder für ein Vierteljahr ab in die Welt von Drachen, Hexen, Intrigen und Königsmorden. Das Motto der Serie lautet: „Alle müssen sterben.“ Sibel Kekillis Rolle „Shae“ starb am Ende der vierten Staffel. Tom Wlaschihas Rolle „Jaqens H’ghar“ kurz darauf – aber er lebt trotzdem weiter.

Er ist der letzte Deutsche, der noch den Kampf um den „Eisernen Thron“ aufnehmen kann. Tom Wlaschiha kam fast zufällig zu dem Team. „Als ich das Casting für Jaqen H´ghar hatte“, sagt er, „wusste ich noch nichts von der Serie, kannte auch die Bücher nicht.“ In Deutschland war die Serie noch nicht angelaufen und niemand sprach davon. „Zum Glück, sonst wäre ich wahrscheinlich viel zu nervös gewesen beim Casting.“ Er bekam dann die Rolle des „Jaqen H’ghar“ von der „Sekte der Gesichtslosen“. Er sagt von sich, er sei ein „Niemand“, spricht von sich häufig in der dritten Person. Sein berühmtester Satz ist ein Versprechen an die geflohene Königstochter Aryah: „Ein Mädchen hat Geheimnisse und ein Mann hat nicht vor, sie zu verraten.“

Da er von Anfang an für die Serie eine Perücke mit langen Haaren trug, erkannten Wlaschiha im Alltag zunächst nicht viele Fans. Das ist inzwischen anders. Fremde sprechen ihn am Flughafen mit „ein Mann“ an oder flüstern ihm etwas zu, weil auch er in der Serie sehr leise spricht. Tom Wlaschiha sagt, dass die Arbeit bei der Serie so professionell sei, dass es gar keinen Grund gebe, abzuheben. „An dieser Rolle arbeitet man als Schauspieler genauso wie an jeder anderen auch.“ Der Hype werde bei der Arbeit ausgeblendet. „Nur manchmal denke ich: Mann, das sehen wirklich eine Menge Menschen.“ Schwierig, da immer locker zu bleiben. Dabei helfe die ernste Atmosphäre. Frage: Wonach riecht es am Set? Tom Wlaschiha: „Nach Schweiß und Tränen.“

Aufgewachsen im sächsischen Neustadt hat er erste Schauspielerfahrungen in Dresden und Berlin gemacht, wo er noch immer Freunde hat. Für „Game of Thrones“ muss er viel reisen. „Die Serie wird immer an vielen Orten gedreht.“ Sets stehen in Irland, Malta, Kroatien, Island und Spanien. „Ich spiele nach wie vor gern Theater, aber bei dem komplizierten Drehplan wäre es im Moment schwierig, das zu realisieren.“ Obwohl er nicht in jeder Folge auftauche, müsse er sich bereithalten. „Im Prinzip bin ich geblockt für den Zeitraum zwischen Juli und Dezember.“

Über die kommende Staffel hüllt er sich in Schweigen. „Ich erfahre erst kurz vorher, ob ich wieder mitspiele.“ In den vergangenen Tagen gab es Spekulationen, dass er am Ende auf dem „Eisernen Thron“ landen würde, wie bei jeder anderen Figur. Er sagt: „Zumindest habe ich die Hoffnung, nicht zu sterben, da meine Rolle ja schon jetzt das Gesicht eines Toten trägt.“

Seine Rückkehr ins Reich der Thronjäger gilt aber als wahrscheinlich. Und Sibel Kekilli? Kann er als „Herr der Gesichter“ noch etwas für ihre Rolle tun? „Ich schaue das nächste Mal nach, ob ihr Gesicht in der Hall of Faces hängt“, sagt er und meint seinen Arbeitsplatz in der Serie: die „Halle der Gesichter“.