ARD-Talk

Renten-Zoff zwischen Riester und „Der Alte“ bei Plasberg

Die Rentendebatte bei Frank Plasberg in der ARD war der munterste Polit-Talk seit langem. Nur einer war am Ende ziemlich angefressen.

Frank Plasberg hatte bei „Hart aber fair“ am Montagabend Grund zur Freude: Seine Rentendebatte sorgte für eine sehenswerte Sendung.

Frank Plasberg hatte bei „Hart aber fair“ am Montagabend Grund zur Freude: Seine Rentendebatte sorgte für eine sehenswerte Sendung.

Foto: imago stock&people

Berlin.  Jens Spahn ist Rentenexperte der CDU, mit Fragen der Alterssicherung kennt sich der Bundestagsabgeordnete bestens aus. Sogar in seiner Freizeit hat Spahn – selbst gerade einmal 35 Jahre jung – einen wachen Blick aufs Alter. Am letzten Wochenende, so twitterte der Christdemokrat am Montag, habe er fünf Folgen der Krimi-Reihe „Der Alte“ am Stück durchgezogen.

Der Mann zeigt also vollen Einsatz. Kein Wunder, dass Frank Plasberg ihn am Montagabend in seine ARD-Talkshow „Hart aber fair“ holte.

Wer diskutierte sonst noch mit?

Lencke Steiner (30), FDP-Politikerin und Unternehmerin: „Ich sehe ganz düstere Zeiten für unsere Generation.“

Ulrich Schneider (57), Chef des Wohlfahrtsverbandes „Der Paritätische“. Er findet: „Statt jede Woche einen Lottoschein auszufüllen, sollten einige lieber was für ihre Alterssicherung tun.“

Hermann-Josef Tenhagen, Finanzexperte und Journalist: „Wer als Arbeitnehmer wenig verdient, ist auch als Rentner am Arsch.“

Ralf Stegner (56), SPD-Vizechef: „Mit der Riester-Rente sind falsche Erwartungen geweckt worden.“

Natalie Claßen (38), Krankenschwester und Altenpflegerin: „Ich habe Patientinnen, die sich von allem immer nur das Billigste leisten können.“

Das ist die Ausgangslage

Die Regierung hat gerade erst grünes Licht für die diesjährige Rentenerhöhung gegeben: Die Bezüge der 20 Millionen Rentner sollen zum 1. Juli im Westen Deutschlands um satte 4,25 Prozent steigen, im Osten sogar um 5,95 Prozent. Das ist das stärkste Plus seit 23 Jahren.

Gleichzeitig aber wächst die Sorge vor finanziellen Problemen im Ruhestand. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage: Auf die Frage, ob sie sich ausreichend abgesichert fühlen für die Zeit des Ruhestands, antworteten 57 Prozent der Befragten mit Nein. Zudem traut laut dieser Umfrage kaum jemand der Bundesregierung zu, daran etwas zu ändern. Mehr als zwei Drittel der Befragten äußerten die Ansicht, dass Berlin sie nicht vor der Altersarmut bewahren kann. Was ist da los?

Plasberg: „Ich hätte Chorleiter werden sollen“

Die Politiker wollen das Thema Rente gern aus dem anstehenden Wahlkampf heraushalten. Stellt sich die Frage: Warum eigentlich? Die Ruhestandsbezüge betreffen schon jetzt 20 Millionen Rentner in Deutschland – und perspektivisch ist jeder betroffen. Dass sich um das Thema zudem herrlich zoffen lässt, bewies die äußerst unterhaltsame Plasberg-Runde in der ARD unter dem Motto „Heute jung, morgen arm – schuften für eine Mini-Rente?“. Vor allem bei der Frage „Riestern oder nicht?“ ging es hoch her. „Ich hätte Chorleiter werden sollen“, stöhnte Gastgeber Plasberg angesichts des zeitweiligen Durcheinandergeredes.

Lohnt sich der Riester-Einsatz? Und wenn ja, für wen? Oder ist alles nur ein Schwindel? Schnell zeigte sich bei „Hart aber fair“: Es ist vor allem eine Frage, welche Statistik man heranzieht.

Verbandschef Schneider kündigte Riester-Vertrag wieder

Während Jens Spahn die Riester-Rente weiterhin für viele Arbeitnehmer für eine sinnvolle Ergänzung zur staatlichen Altersversorgung hält, findet Verbandschef Schneider, die Sache sei vor allem eines: „Ein Flop.“ Der Mann hat seine Erfahrungen gemacht: Zwei Jahre habe er selbst geriestert, erzählte Schneider. Dann erst habe er sich mal ausgerechnet, was für ihn dabei herauskomme im Alter. Seine trübe Bilanz: nicht viel. Schneider kündigte seinen Vertrag wieder – besser ein Ende mit Schrecken…

Ein Ende mit Schrecken wird Politiker Spahn nicht haben – jedenfalls nicht in Sachen Rente. Der CDU-Mann sitzt seit 14 Jahren im Bundestag und habe sich allein damit schon jetzt die Anwartschaft auf monatlich rund 3000 Euro Altersversorgung ab dem 67. Lebensjahr gesichert, rechnete Moderator Plasberg ihm vor. Darauf Spahn leicht pikiert: Man könne ja auch mal nachrechnen, was Journalisten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk so einstreichen.