TV-Kritik

Herbert Knaup glänzt in der ARD als böser Restauranttester

In der sehenswert-rasanten ARD-Küchen-Komödie „Das beste Stück vom Braten“ dürfen Männer noch derb und Frauen noch unerreichbar sein.

Herbert Knaup (als Harry Dumont), Christina Hecke (Helen Dumont) und Fritz Karl (Michi Griesebach) machen „Das beste Stück vom Braten" zu einer sehenswerten Küchen-Komödie.

Herbert Knaup (als Harry Dumont), Christina Hecke (Helen Dumont) und Fritz Karl (Michi Griesebach) machen „Das beste Stück vom Braten" zu einer sehenswerten Küchen-Komödie.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Berlin.  Der Sternekoch Michi Griesebach (Fritz Karl) versucht es beim ersten Treffen mit seiner neuen großen Liebe Helene (Christina Hecke) mit einem Kompliment: „Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, dass Sie aussehen wie Meg Ryan.“ Helene antwortet: „Aber die ist 50 und sieht aus wie ein operiertes Robbenbaby, aber danke.“ Und nur Minuten später wird er über Helene lästern: „Wenn ich diesen hingebungsvollen, dämlichen Blick bei einer Frau sehe...“

Schnell wird klar, was die Filmkomödie „Das beste Stück vom Braten“ (Freitag, 22. April, 20.15 Uhr, ARD) den Zuschauern zumutet: schlimmste Macho-Klischees. Der Film beginnt als Porträt des unsympathischen Kochs Michi, der bald sein Restaurant „La Duck“ eröffnen will. Sein Erzfeind, der Restaurantkritiker Harry Dumont (Herbert Knaup), scharrt schon mit den Hufen: Er schreibt jede Neueröffnung Griesebachs in Grund und Boden (dahinter steckt auch eine alte Frauengeschichte). Ausgerechnet in dessen Tochter verliebt sich Michi dann: Helene.

Der Tyrann in der Küche ist sehr unterhaltsam

Das große Problem der Story: Helene steht als Tochter und Geliebte zwischen den beiden Kontrahenten – aber bleibt die einzige, die nichts von diesem Dilemma weiß. Die subtil eingeflochtene Behauptung, Frauen seien ein bisschen einfach, spiegelt sie damit auch noch perfekt wider: Sie braucht fast die gesamten 88 Minuten des Films, um zu verstehen, was hinter Michi Griesebachs Fassade steckt. Wie sehr er ein Fall für den Psychologen ist, merkt nicht nur dessen Bruder (Martin Brambach), der praktischerweise als Psychologe arbeitet.

Immer wieder hält er ihm die „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ vor, die in einer „Bindungsunfähigkeit“ resultiere. Allein deshalb habe Michi nie eine Beziehung zu seiner Teenager-Tochter Alice (Lena Heese) aufgebaut – was auch den Restaurantkollegen aufgefallen ist: „Dass deine Tochter 90 Kilo wiegt und sich nur von E-Stoffen und ungesättigten Fettsäuren ernährt, hat also nichts mit dir zu tun?“, fragt Kollege Serge (Stipe Erceg). Aber weil es in diesem Film noch bunter werden muss, ist Michis Ex zudem lesbisch geworden. Michi trocken: „Wenn ich mit meiner Ex und einer Schamanin namens ,Wald-traud‘ auf einem Biobauernhof leben würde, wäre ich auch ballaballa.“

Jedes Gemüse hat seine eigene Bedeutung

Fritz Karl treibt den Film als hysterischer Michi maßgeblich voran und ist als Tyrann in der Küche sehr unterhaltsam. Fast schon küchenphilosophisch darf er große Sätze brüllen wie „Zitronen sind Einzelkämpfer!“ Da ist es schade, dass andere gute Schauspieler wie Martin Brambach zu Slapstick­witzen verdonnert werden. Wer das aushält, wird belohnt mit einer Fülle an Sätzen, auf die Frauen offenbar auch noch heute reinfallen: „Ihr Problem ist, Sie haben noch nie einen richtigen Pfirsich gegessen, der nach Sonne und Italien schmeckt“, sagt Michi zu Helene und ergänzt: „Er schmeckt nach alten Frauen, die sich am Sonntag für den lieben Gott aufdonnern.“ Helene ist hingerissen.

Fazit: Derber Humor, aber durch das irre Drehbuch und den exzellenten Cast ein sehenswerter Freitagabendfilm.

• Freitag, 22. April, 20.15 Uhr, ARD: „Das beste Stück vom Braten“