Interview

Senta Berger wird 75 – und ist nun „sehr zurückhaltend“

Mit der Komödie „Altersglühen“ feierte Senta Berger Erfolge. Anlässlich ihres 75. Geburtstags im Mai kommt der Film noch einmal ins TV.

Von Cornelia Wystrichowski
Die Schauspielerin Senta Berger im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München (Bayern).

Die Schauspielerin Senta Berger im Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke in München (Bayern).

Foto: dpa Picture-Alliance / Ursula Düren / picture alliance / dpa

Berlin.  Senta Berger wird im Mai 75 Jahre alt – Anlass für die Fernsehsender, die österreichisch-deutschen Schauspielerin mit der Ausstrahlung zahlreicher ihrer Filme zu feiern. Den Auftakt macht die mehrfach preisgekrönte Improvisationskomödie „Altersglühen – Speed Dating für Senioren“ auf 3sat (20.15 Uhr). Senta Berger spricht im Interview über den Film und das Flirten im reifen Alter.

Frau Berger, „Altersglühen“ ist ein Film, der ohne Drehbuch entstanden ist: Sie und Ihre Kollegen haben Ihren Text improvisiert. Waren Sie gleich angetan von dieser Idee?

Senta Berger: Ich glaube, ich war die Erste, die Regisseur Jan Schütte angefragt hat – und ich war die Erste, die begeistert zugesagt hat. Mich hat zuallererst das Thema interessiert, sonst hätte ich auch gar nicht eine Figur erfinden und ihre Texte improvisieren können. Dass Menschen im sogenannten reifen Alter sich treffen, sich als Fremde gegenübersitzen und sich selbst in sieben Minuten erklären müssen, das stelle ich mir schwierig und schön vor.

Wie sah Ihre Vorbereitung auf die Rolle aus?

Berger: Die Figur Maria Koppel habe ich selbst erfunden. Ich konnte mich nur auf meine Eigenschaften, also die meiner Figur Maria, vorbereiten. Ich wusste ja nicht, wem ich begegnen würde. Ja, schon, ich wusste: Mario Adorf wird dabei sein, Michael Gwisdek, Matthias Habich – das waren die Kollegen, mit denen ich schon gespielt hatte. Da war also eine gewisse Vertrautheit zwischen uns.

Ihre Figur scheint im Lauf des Datings immer abweisender zu werden statt aufzutauen.

Berger: Maria sieht: Da ist keiner dabei – wieder einmal keiner. Ganz Geschäftsfrau, wird sie keine weitere Zeit verlieren. Auf die Männer, die sich ihr vorstellen, lässt sie sich nicht wirklich ein. Schade, Maria wird sie also nicht kennenlernen.

Wie kam das?

Berger: Da war keiner dabei, der von ihr beeindruckt wäre, also keiner von den Männern, die doch vielleicht in Frage kämen. Die Enttäuschung malt sich auf ihrem Gesicht. Ich habe das aber gar nicht gewusst. Ich habe das auch erst festgestellt, als ich den Film gesehen habe.

Wie nahe ist Maria Ihnen persönlich?

Berger: Gar nicht.

Das heißt: Sie sind im echten Leben auch nicht so direkt wie Maria?

Berger: Nein, auch das nicht. Ich bin sehr zurückhaltend, vorsichtig. Besonders dann, wenn ich jemanden nicht gut und lange kenne.

Könnten Sie sich vorstellen, als Single zu einem solchen Speeddating zu gehen?

Berger: Ja, doch. Aus Neugierde. Aus Einsamkeit.

Sieben Minuten dauert so ein Flirtgespräch. Reicht das aus, um sich zu verlieben?

Berger: Zum Verlieben vielleicht nicht. Dieses spontane Verlieben gibt es, glaube ich, nur in jüngeren Jahren. Aber sieben Minuten reichen durchaus, um zu merken, zu überlegen: Der könnte mir schon gefallen – interessant, was der erzählt und wie der guckt.

Mit wem wären Sie im Anschluss einen Kaffee trinken gegangen, wenn es ein echtes Kennenlerntreffen gewesen wäre?

Berger: Der junge Zeremonienmeister, den Regisseur Jan Schütte spielte, hat der Maria am besten gefallen. Die Senta ist dann mit allen Kollegen ins Hotel gegangen und hat dort erleichtert und froh mit ihnen bei Wein gefeiert. Das war ein wunderschöner Abend.

• Dienstag, 19. April, 3sat, um 20.15 Uhr