„Polizeiruf 110“

Krause fehlt: RBB-„Polizeiruf“ wird alle Idylle ausgetrieben

Vieles am neuen Polizeiruf könnte ihn interssant machen. Doch da sind auch eine fußlahme Geschichte und ein Team ohne Funken.

Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon, vorne) und ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, hinten) vom deutsch-polnischen Kommissariat Swiecko - ein Team dem noch die Funken fehlen

Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon, vorne) und ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, hinten) vom deutsch-polnischen Kommissariat Swiecko - ein Team dem noch die Funken fehlen

Foto: rbb Presse & Information / rbb/Christoph Assmann

Ob es nun ein „Tatort“ oder ein „Polizeiruf“ ist – die Sonntagabendkrimis in der ARD leben immer auch von der Chemie zwischen den Ermittlern.

In Köln, München und Münster etwa hat man da altbewährte Duos, die sich so routiniert aneinander reiben wie liebevolle Ehepartner. Maria Simon hat als Olga Lenski in dieser Hinsicht gerade eine schwerwiegende Trennung hinter sich.

An der Seite von Wachtmeister Krause gab es genau die spannenden Kontraste, die ein guter Krimi braucht: Krause kannte in der Provinz jeden Grashalm, er hatte Gemüt und Ruhe, während Olga Lenski den Ehrgeiz mitbrachte und die Ungeduld mit der Brandenburger Bräsigkeit. Das brachte ein komisches Element in die „Polizeiruf“-Folgen, und wer sie über ein paar Jahre verfolgt hat, vermisst dieses Element jetzt schmerzlich.

Der Neue taumelt durch die Folgen

Nachdem Horst Krause 2015 seinen letzten Auftritt hatte und im Motorrad samt Beiwagen in den Sonnenuntergang fuhr, ist Olga Lenski zur deutsch-polnischen Mordkommission in Frankfurt (Oder) versetzt worden. Das hat den Charakter der Episoden grundlegend geändert, und nicht nur, weil Ihnen alles Idyllische ausgetrieben worden ist.

An der Seite von ihr ermittelt jetzt der gut aussehende und verschlossene Adam Raczek (Lucas Gregorowicz), der wie ein etwas übernächtigter Fremder durch die Folgen taumelt. Die Gegensätze zwischen den beiden wirken wie auf dem Reißbrett entworfen: hier die alleinerziehende Mutter und Fremde im neuen Einsatzgebiet, dort der immer etwas seltsame Einzelgänger. Man muss sehen, ob sich hier im Lauf der Zeit noch Funken entwickeln können.

Eine Geschichte, die immer zäher wird

Die aktuelle Folge beginnt mit dramatischen Szenen im Dunkeln – wie überhaupt das Setting im Grenzgebiet von düsteren Farben lebt. Eine polnische Wachtmeisterin sitzt tot in ihrem Auto. Sie war eigentlich mit ihrem aus Brandenburg stammenden Kollegen Udo Lehde (Oliver Bröcker) unterwegs – aber sie hat allein einen Autoschieber verfolgt. Sie ist dabei mit voller Wucht auf einen SUV geprallt, der sie offenbar ausgebremst hat. Vom Fahrer des Wagens fehlt jede Spur. Wo ist er geblieben? Was hat es mit Lehde auf sich? Was hat er zu verbergen?

Auf dem Papier gibt es viele interessante Aspekte, die diesen „Polizeiruf“ hätten sehenswert machen können. Die besondere Lage im Frankfurter Grenzgebiet, an der sich sonst selten gesehene Realitäten Europas besonders gut abbilden lassen. Das Nebeneinander verschiedener Sprachen und Mentalitäten. Weite Landschaft und städtische Tristesse. All das fängt dieser „Polizeiruf“ ein. Vor allem die stets leicht verwackelte Kamera von Stefan Unterberger vermag es immer wieder, Atmosphäre zu stiften.

Aber es bleiben doch Versatzstücke, die sich nicht recht zineinander fügen wollen. Das mag an der etwas fußlahmen Geschichte liegen, die sich als umso zäher erweist, je länger sie dauert. In jedem Fall müssen wir uns einstweilen den guten Wachtmeister Krause zurückwünschen.

„Polizeiruf 110: Der Preis der Freiheit“. ARD, 20.15 Uhr.