ZDF-Drama

Makatsch und Fürmann zeigen, wie unverwüstlich Liebe ist

In „Zweimal zweites Leben“ geht es um ein vom Schicksal getroffenes Ehepaar. Heike Makatsch und Benno Fürmann spielen es kraftvoll.

Da ist die Welt noch in Ordnung: Leo (Benno Fürmann) und Ännie (Heike Makatsch) werden beim Kuscheln von ihrer Tochter Zora gestört.

Da ist die Welt noch in Ordnung: Leo (Benno Fürmann) und Ännie (Heike Makatsch) werden beim Kuscheln von ihrer Tochter Zora gestört.

Foto: ZDF und Kerstin Stelter

Berlin.  Lachend berichtet das Teenagermädchen Zora (Sofie Eifertinger) seinem Vater Leo (Benno Fürmann) vom Besuch bei der Mutter. Es ist eine Szene, die zunächst heiter wirkt – und dann grausam. Denn Zora lacht über ihre verwirrte Mutter, die im Krankenhaus liegt und sie für eine Pflegerin gehalten hat. „Sei nicht gemein“, sagt Leo zu seiner Tochter. Da hört Zora auf zu lachen. „Es ist gemein, dass sie sich nicht erinnert.“

In „Zweimal zweites Leben“ (Sonntag 17. April, 20.15 Uhr, ZDF) erzählt Drehbuchautor Bernd Lange („Requiem“) zunächst von Ännie (Heike Makatsch), die nach einem Reitunfall aus dem Koma erwacht und sich und die Welt neu entdeckt. Aber vielmehr erzählt der Film von Ännies Familie, von deren Aufopferung und Egoismus und all den widersprüchlichen Gefühlen. Zora etwa fühlt sich von der Kranken im Stich gelassen.

Zwar macht Ännies Körper rasche Fortschritte. Doch Mann und Tochter sind für sie Fremde. Und auch sie erscheint ihrer Familie fremd.

Familie übersteht jeden Wandel

„Ja, Ännie hat sich verändert“, sagt Heike Makatsch unserer Redaktion. „Aber ist sie eine andere? Vielleicht ist sie ja mehr sie selbst als je zuvor. Sie macht Dinge, die sie immer schon tun wollte, sie fängt an, Klavier zu lernen. Möglicherweise kann sie auch jetzt endlich mal sagen, dass sie Fischsuppe gar nicht so gerne mag, wie alle glauben.“

Wer Tränen und Verzweiflung erwartet, liegt falsch. Diese Familie ist eine, die unbedingt weitermachen will. Die leben will, fröhlich leben. „Ich habe selbst erlebt, dass Menschen nach Schicksalsschlägen erst einmal damit zu tun haben, alles am Laufen zu halten und sich zu arrangieren und zunächst gar nicht so sehr dazu kommen, zu trauern oder gar zu verzweifeln“, so Makatsch.

Schließlich verliebt Leo sich in Esther (Jessica Schwarz), die er im Krankenhaus kennengelernt hat und deren Freund weiterhin im Koma liegt. Der Eros sucht sich seinen Weg, da gibt es kein richtig oder falsch. Dennoch steht die Frage im Raum: Darf man sich angesichts eines solchen Schicksalsschlags so lebendig fühlen? Ja, sagt der Film und zeigt, wie unverwüstlich Liebe sein kann, wenn man erst einmal akzeptiert, dass sie sich wandelt.

Herzkino ganz ohne Rührseligkeiten

In einer der stärksten Szenen nähern sich Mutter und Tochter vorsichtig einander an. „Ich kann mich nicht an dich erinnern“, sagt Ännie. „Aber ich mag dich.“ Da wird klar, Ännie wird Zora wohl nie wieder lieben, wie eine Mutter ihr Kind liebt. Eine traurige Szene, aber eine mit Hoffnung: Denn ist es nicht eine gute Basis für die Zukunft, sich zu mögen? Das ZDF unterwarf diesen ungewöhnlichen Film seiner für schematischen Schmalz stehenden Dachmarke „Herzkino“. Makatsch dazu: „Man entscheidet sich für ein Projekt, hat dann aber Dinge wie Musik, Schnitt und Vermarktung nicht mehr unter Kontrolle, das muss man auch abgeben können. Ich glaube aber, dass der Film gut für sich steht.“

Fazit: Zurückhaltend inszeniert, kraftvoll gespielt: Herzkino ganz ohne Rührseligkeiten.

• Sonntag 17. April, 20.15 Uhr, ZDF: „Zweimal zweites Leben“