Samstagabend-Show

Wie Pro 7 die „Völkerball-Meisterschaft“ in den Sand setzte

Langweiliges Konzept, überforderte Moderatoren, platte Sprüche: Pro 7 übertrug am Samstagabend die schlechteste Show seit langer Zeit.

Auch Dschungelheld Thorsten Legat und Mitspielerin Annica Hansen konnten es nicht herausreißen: Die Völkerball-Show auf Pro 7 am Samstagabend geriet zum peinlichen Spektakel.

Auch Dschungelheld Thorsten Legat und Mitspielerin Annica Hansen konnten es nicht herausreißen: Die Völkerball-Show auf Pro 7 am Samstagabend geriet zum peinlichen Spektakel.

Foto: ProSieben Television GmbH / obs

Berlin.  Es gibt gute Sendungen und es gibt schlechte Sendungen. Und es gibt Sendungen, die sind so unverschämt unterirdisch, dass man eigentlich ein Gedicht über sie schreiben müsste. So wie die „Pro 7 Völkerball-Meisterschaft 2016“.

48 „Promis“ schlüpften dafür in den Sport-Dress. Was sie zu diesem Zeitpunkt vielleicht nicht ahnten: Sie sollten Teil eines Tiefpunktes der Samstagabend-Unterhaltung werden. Denn schon nach den ersten Minuten war klar: Es reicht nicht, einen Samstagabend mit einer Show zu füllen, deren Idee auch von Stefan Raab hätte kommen können. Es braucht mehr. Ein durchdachtes Konzept zum Beispiel. Oder Moderatoren und Kommentatoren, die etwas von ihrem Job verstehen. Die Charme haben, Witz und Herz.

Humormangel und Hormonüberschuss

Stattdessen ließ der Sender die Sky-Moderatorin Esther Sedlaczek und den Pro-7-Mann Thore Schölermann ans Mikro. Sedlaczek hatte es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Worte von sich zu geben. Da hat sie vielleicht selbst gar nicht mitbekommen, was sie da von sich gab. „Man sei „sicherlich im Vorteil, wenn man in Ballbesitz ist“. Ja, das ist beim Völkerball irgendwie logisch. Kollege Schölermann beschränkte sich derweil auf die Lobhudelei von Kandidaten und Show. „Das war so super, ich bin hin und weg, Ihr habt das so Hammer gemacht, ihr habt mega gespielt.“

Noch schlimmer war das, was aus der Kommentatoren-Kabine kam, in der zwei Herren saßen und sich hauptsächlich mit dem weiblichen Teil der Teams beschäftigten. „Jetzt sind zwei Bälle weniger im Spiel“, kommentierten sie den Abschuss von Sophia Wollersheim. „Ich sehe sie so gerne laufen, weil da so einiges mitwippt.“ Und zum Spielzug von Männermodel Nico Schwanz: „Jetzt haut der Schwanz die Sophia weg.“ „Der Paul knallt sie alle weg“ und „als Bachelor sollte man seine zwei Hände auch benutzen können.“ Humormangel und Hormonüberschuss – das brachten das Kommentatoren-Duo Florian Schmidt-Sommerfeld und Helmer Litzke mit. Mehr nicht.

Schiedsrichter unterbinden jeglichen Spannungsaufbau

Zu allem Überfluss schien auch noch kaum jemand die Regeln genau verstanden zu haben. Dabei war in der Grundschule alles so einfach: zwei Teams, zwei Spielfelder, ein Ball. Wer den Ball hatte, durfte einen Spieler der gegnerischen Mannschaft abwerfen; wer den Ball nicht hatte, musste zusehen, nicht abgeschossen zu werden. Pro 7 legte aber offenbar Wert auf sportliche Korrektheit: Da mussten die Bälle durch ein Zuspiel durch den Mannschafts-Kapitän erst „scharf“ gemacht werden. Und ganz wichtig: ja nicht auf die Linien treten!

Damit haben die Schiedsrichter jeglichen Aufbau von Spannung erfolgreich unterbunden. Im vielleicht spannendsten Spiel der langen Völkerball-Nacht (da waren zwei Stunden schon rum), riss „Dschungel-König“ Menderes Bagci das Ruder rum, fing den Ball statt sich abwerfen zu lassen, drehte sich gekonnt um die eigene Achse und schoss mit Schmackes einen Gegenspieler ab. Da war sogar das bis dato eher verhaltene Publikum im Gerry Weber Stadion in Halle begeistert. Aber Abpfiff. Menderes hat die Außenlinie einen Hauch überschritten. Regeln sind Regeln. Man hätte sie aber durchaus fernsehtauglicher und spielfreundlicher gestalten können.

Thorsten Legat wirkt apathisch

Spätestens an diesem Punkt schien es auch den Kandidaten langsam zu dämmern, dass sie sich da eine wirkliche miese Sendung ausgesucht haben, um ihr Gesicht mal wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen. Menderes war enttäuscht. Ex-DSDS-Kandidat Joey Heindle hatte am Ende nur noch einen Fäkalausdruck für die Schiedsrichter-Entscheidung übrig. Und was hat die Show nur mit Thorsten Legat gemacht? Da war kein Kasalla, keine gereckte Faust. Gar nichts. Ganz apathisch saß er am Ende da, schockiert von der Niederlage seines Dschungel-Teams – und womöglich auch von der miserablen Umsetzung einer vielleicht gar nicht so schlechten Show-Idee.

Richtig wohl gefühlt hat sich vielleicht nur das „Team Internet“, bestehend aus Youtubern, Instagrammern und einer Sophia Thiel, die mit ihrem Abnehm-Programm bei Facebook eine große Nummer ist. Außerhalb der sozialen Medien dürften die „Stars“ wie Fittihollywood, Concrafter oder Krappiwhatelse aber die wenigsten kennen. Sie dürften also zufrieden sein: Größere Aufmerksamkeit bedeutet mehr Follower – die Währung von Bloggern und Co.

Mario Basler, René Weller, Evil Jared

Gewonnen hat schließlich, weit nach Mitternacht, das „Team Bachelor“. Mit dabei: Paul Janke, Sarah Nowak, Christian Tews, Alisa Persch, Aurelio Savina und Angelina Heger. Leer ausgegangen sind dagegen unter anderen die „Sporthelden“ um Ex-Fußballer Mario Basler und Rekord-Biathletin Uschi Disl, sowie die alten Hasen aus der Gruppe „Showbiz“ wie Bernhard Brink oder Giulia Siegel. Und auch die „Hardcore“-Kandidaten Tatjana Gsell, René Weller, Evil Jared und Menowin Fröhlich konnten nichts reißen.

Vielleicht können sie als Entschädigung ja mit Pro 7 um ein Ticket für eine kommende Show verhandeln. Wie wär’s mit „Gute Nacht! Wer zuerst schläft, gewinnt“. Oder „Promis fädeln ein – die große Häkel-Meisterschaft“.