Krimireihe

Wilsberg findet sich in ungewohnter Rolle nur schwer zurecht

Verdeckte Ermittlung im neuen „Wilsberg“: In der 50. Folge muss der Antiquar in eine neue Rolle schlüpfen. Das wirkt nicht immer rund.

Kaum wiederzuerkennen: Georg Wilsberg (Leonard Lansink) im feinen Zwirn unter falscher Identität als finanzstarker Investor bei einer Demonstration der Freihafen Initiative Münster.

Kaum wiederzuerkennen: Georg Wilsberg (Leonard Lansink) im feinen Zwirn unter falscher Identität als finanzstarker Investor bei einer Demonstration der Freihafen Initiative Münster.

Foto: ZDF/Guido Engels

Essen.  Es geht ungewohnt turbulent zu in diesem „Wilsberg“. In Münster, wo die Menschen sonst beschaulich mit dem Rad herumfahren, wird lauthals demonstriert. Aktivisten rufen ihre Parolen, und Wilsbergs Kumpel Ekki wird auch noch mit einem Tütchen Hanf erwischt.

Was für eine Aufregung! Dabei ist alles nur Täuschung: Ekki (Oliver Korritke) kooperiert mit den Drogenfahndern. Eine Falle also. Und Wilsberg? Er ist kaum wiederzuerkennen: Mit Anzug, Krawatte und Managerbrille macht der sonst eher schludrige Schnüffler auf Bauunternehmer.

Wilsberg wirkt komplett verkleidet, die Handlung an den Haaren herbeigezogen. Aber der Zuschauer hat ein Nachsehen: Es ist doch Wilsberg! Leonard Lansink gibt dem Buchantiquar, der aus Geldmangel auch als Privatdetektiv arbeitet, den Charme des alten Zausels, dem keiner böse sein kann. Und von dem viele in der 50. Folge eigentlich nur erwarten, dass er ist wie immer.

Wilsberg muss auf sein Team nicht verzichten

Um ihn herum gruppiert sich das liebgewonnene Stammpersonal: Ekki Talkötter, der leicht trottelige Finanzbeamte, und natürlich Kommissarin Anna Springer (Rita Russek). Deren dezente Hassliebe wird in jeder neuen Folge ausgeschlachtet. Alles ist, wie es war: Die schöne Wilsberg-Nichte, die jetzt Anwältin ist, der dusselige Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky), der sich immer wieder zum Affen machen muss. „Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist: Ich habe den Brandstifter. Die schlechte ist: Er ist mir entwischt.“

Während sich Overbeck auf Schritt und Tritt blamieren muss, zieht der verkleidete Wilsberg los und gibt sich im feinen Zwirn aus dem Secondhandladen als Bauinvestor aus. Dass Baulöwe Michael Lobland (Christoph M. Ohrt), der teure Mietwohnungen konsequent verkommen lässt, bei dem billigen Aufzug nicht sofort in schallendes Gelächter ausbricht, ist schon unglaubwürdig. Nahezu aberwitzig wird es, wenn Wilsberg Loblands Frau Helen (Gesine Cukrowski) auf seine Seite zieht. Die Begegnung der beiden wirkt so echt wie die Aufführung von „Romeo und Julia“ auf einer Schülertheaterbühne. Der Rest ist vorhersehbar: Eine Lagerhalle geht in Flammen auf. Im letzten Moment kann Georg Wilsberg seinen Kumpel Ekki retten. Und noch ein paar andere Gute gleich mit. Dann stirbt ein Mitglied der Aktivisten, und ausgerechnet Georg Wilsberg wird als Täter gesucht.

Es wäre einmal interessant zu wissen, wie oft das Drehbuch diese Wendung schon vorgab...

Wahrlich kein Geniestreich. Aber Leonard Lansink gibt Wilsberg abseits der vielen Klischees eine eigene Note.

Samstag, 16. April, 20.15 Uhr, ZDF: „Wilsberg – Mord und Beton“