„Tatort“-Star

Wie Aylin Tezel über Reclam-Hefte zur Schauspielerei kam

„Tatort“-Schauspielerin Aylin Tezel befasst sich in ihrem neuen Film mit Schokolade und Tanz. Ein Gespräch.

Aylin Tezel rekelt sich auf einem langen Tisch, fährt sich mit den Händen über den Körper. In einem Werbefilm eines Eisherstellers, der den Titel „Release the Beast“ trägt. Darin zeigt sich die 32-Jährige anders, als es die „Tatort“-Zuschauer von Oberkommissarin Nora Dalay gewöhnt sind. Ein Gespräch mit der Berlinerin über Schlankheitswahn unter Schauspielerinnen, ihre Liebe zu Süßigkeiten und die Rolle von Reclam-Heften für ihre Karriere.

Berliner Morgenpost: Wie viel Biest steckt in Ihnen?

Aylin Tezel: In der Rolle gerne sehr viel, privat aber überhaupt nicht. Ich bin sehr harmoniebedürftig.

Sie sind ausgebildete Tänzerin. Wie sah Ihre Vorbereitung aus?

Die Choreographin Honji Wang hat mir eine Kollegin zur Seite gestellt, Noam Eidelman. Sie hat mit mir eine Tanzform trainiert, die heißt Gaga. Und so sieht das auch aus. Als würden Leute einfach durch die Gegend zappeln. Aber es fühlt sich fantastisch an. Man lässt Emotionen entstehen und bewegt sich dementsprechend. Das kann man nicht auf die Bühne bringen, aber es löst Blockaden, die man vielleicht hat. Man denkt nicht mehr darüber nach, wie man aussieht, wenn man eine bestimmte Bewegung macht. Dadurch wird die Bewegung ehrlich und instinktiv.

Das Gefühl beim Tanzen war sofort wieder da?

Das Gefühl Tänzerin zu sein geht nie weg. Ich könnte einfach nur irgendwo rumliegen und hätte dieses Gefühl. Wenn man sich einmal in Tanz verliebt hat, wenn das einmal Teil des eigenen Lebens geworden ist, dann begleitet einen das ständig. Und diese körperliche Zugänglichkeit zu Gefühlen kann ich auch im Schauspiel nutzen. Energien herstellen und sie zu nutzen, das, was quasi jetzt mein Beruf ist, das habe ich beim Tanzen gelernt. Tanzen hat für mich etwas sehr Beruhigendes, weil man sich sehr auf etwas fokussiert und so einfach im Moment ist.

Die Liebe zur Schauspielerei war dann aber irgendwann stärker?

Für mich sind Tanz und Schauspiel gar nicht so unterschiedlich. Es geht immer ums Darstellen von Gefühlen oder Gedanken. Aber mir war von Anfang an klar, dass ich Schauspielerin werden wollte. Das wusste ich schon im Kindergarten. Gleichzeitig war ich ein sehr schüchternes Kind. Mit 11 Jahren habe ich dann angefangen, mir Reclam Hefte zu kaufen und Bühnenstücke zu lesen. Und dann war es klar.

Können Sie sich vorstellen, für eine Rolle extrem zuzunehmen?

Ich kann mir das vorstellen, aber es müsste eine sehr tolle Rolle sein. Ich würde das nicht für ein paar Drehtage machen. Und ich würde das nur mit Begleitung machen. Mit jemandem, der mir einen Ernährungsplan erstellt, mit dem ich zunehmen und vor allem wieder abnehmen kann, ohne dass es gefährlich wird. Das wäre eine super Herausforderung. Aber ich würde mit Sicherheit den Tag herbeisehnen, wenn der Film abgedreht ist und ich zu meinem wahren Ich zurückkehren kann.

Haben Sie ein Ernährungskonzept?

Überhaupt nicht. Ich ernähre mich gesund, bin aber auch ein extrem süßer Zahn. Gemüse ist gut für meinen Körper, Schokolade ist gut für meine Seele. So funktioniert das bei mir. Ich möchte mich nicht zurückhalten müssen. Ich nehme mir diese Freiheit, das bereichert mein Leben.

Das muss man sich leisten können.

Ich glaube, dass ich ganz gute Gene mitbekommen habe, wenn ich mir meine Eltern angucke. Gleichzeitig mache ich wahnsinnig viel Sport, so dass ich in meinem Alter überhaupt keine Gewichtsprobleme habe.

Ist Sport für Sie Vergnügen?

Ich liebe Sport, ich bin damit aufgewachsen. Ich kann nicht ohne Leben. Wenn ich eine Woche keinen Sport mache, werde ich wahnsinnig.

Gleichzeitig gibt es in der Schauspielbranche aber gerade für Frauen einen hohen Druck, schlank zu sein.

Diesen Druck gibt es auf jeden Fall und ich bekomme das bei vielen Kolleginnen mit. Ich sehe, was der Druck mit ihnen macht und weiß, dass ich nie in diese Situation kommen möchte, darüber nachdenken zu müssen, ob ich mir noch ein zweites Eis gönne oder nicht.