Islam

Ex-Salafist bei Plasbergs ARD-Talk: „Das ist Gehirnwäsche“

Hat der Islam ein Gewaltproblem? Bei „Hart aber fair“ traf sich am Montagabend eine spannende Runde – mit überraschenden Einsichten.

Hatte am Montagabend zum Thema Islam eine spannende Talkrunde um sich versammelt: ARD-Moderator Frank Plasberg.

Hatte am Montagabend zum Thema Islam eine spannende Talkrunde um sich versammelt: ARD-Moderator Frank Plasberg.

Foto: imago stock&people / imago/Metodi Popow

Berlin.  „Ein Salafist aus Dinslaken hätte in Sachsen genau so gut ein Rechtsradikaler oder in einigen Stadtteilen von Berlin ein Linksradikaler werden können.“ Zu diesem verblüffenden Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Experten hatten den Werdegang von rund 40 Gewalttätern aus der islamistischen sowie der rechts- und linksextremen Szene untersucht. Das Bild war stets das gleiche, so BKA-Chef Holger Münch: kaputte Familien, kein sozialer Halt, ohne Perspektive. Den jungen Männer, so Münch, „fehlte der Rückhalt in Familie und bei Freunden“. Kommt in dieser Situation also jede Ideologie, jeder Glaube gerade recht?

„Wie viel Gewalt steckt im Islam?, fragte Frank Plasberg am Montagabend seine Talkgäste bei „Hart aber fair“ in der ARD. Ziemlich viel, fand Constantin Schreiber. Der TV-Journalist bringt mit seiner preisgekrönten Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ Flüchtlingen Deutschland nahe. Schreiber kennt sich in der arabischen Welt aus, er spricht die Sprache. Ein multi-kulti-beseelter Migrantenversteher also? Mitnichten.

„Wenn sich Leute im Namen des Islam in die Luft sprengen“, so Schreiber bei Plasberg, dann könne man nicht so tun, „als hätte das nichts mit Religion zu tun“. Und: „Gelebter Islam bedeutet in vielen Ländern: Terror.“

Göring-Eckardt warnt vor Diffamierung von Muslimen

Das ist starker Tobak, der Abdassamad El-Yazidi gar nicht passte. El-Yazidi ist Funktionär beim Zentralrat der Muslime, der allerdings nur für einen kleinen Teil der Muslime in Deutschland spricht. Er sieht die Schuld nicht beim Islam: „Die Religion zu stigmatisieren, das spielt den Rattenfängern nur in die Hände.“ Er bekam dafür Rückendeckung von Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, die sich dagegen wehrte, „die große Mehrheit der Muslime zu diffamieren“, denn die sei schließlich gegen Gewalt.

Einer, der den Rattenfängern auf den Leim ging, ist Dominic Musa Schmitz. Der 28-jährige Deutsche wurde vor gut zehn Jahren zum Salafisten. Das schwierige Elternhaus, die Perspektivlosigkeit – Schmitz scheint auf den ersten Blick ein Paradebeispiel für die BKA-Studien zu sein. „Ich war ein Mitläufer, der gern stark gewesen wäre“, sagt Schmitz heute.

Doch er war auch auf der Suche nach einem Gott, die strengen Regeln des Salafismus schreckten ihn nicht ab, er sei „da irgendwie reingewachsen“: Schmitz heiratete eine Frau, die ihm zugeführt wurde und die er erst wenige Tage vor der Hochzeit erstmals getroffen hatte. Schmitz hat sich inzwischen vom Salafismus abgewandt und ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben. Im Rückblick sagt er: „Das ist Gehirnwäsche, die da greift.“

Journalist nimmt Muslim-Verbände in die Pflicht

Der Historiker Michael Wolffsohn würde dem Islam am liebsten eine Aufklärung verpassen, so wie sie das Christentum durchgemacht hat. „Die Wortwörtlichkeit der Texte“, so Wolffsohn, seien das Problem mit dem Koran. Zwar fänden sich oft ähnlich radikale Sätze in der Bibel, doch es gehe um „die Interpretation der Texte“, man müsse „den Geist der Texte verändern, aber da hängt der Islam noch zurück“.

Was tun? „Das Schweigen ist das größte Problem“, fand der TV-Journalist Schreiber. Er sieht Funktionäre wie El-Yazidi in der Pflicht: „Der Kampf gegen den Islamismus muss stärker von den Verbänden der Muslime ausgehen. Die Veränderung muss von innen heraus kommen.“

Die Grüne Göring-Eckhardt setzt aber auch auf politische Entscheidungen: mehr statt weniger Islamunterricht, damit die jungen Muslime wüssten, was die Religion wirklich darstelle. Zudem müssen man mehr Imame in Deutschland ausbilden, um Hasspredigern vorzubeugen. „Das“, so die Politikerin, „ist Präventionsarbeit.“