Erdogan-Affäre

ZDF-Intendant Thomas Bellut: Ich stehe zu Jan Böhmermann

Die ZDF-Spitze stellt sich hinter Jan Böhmermann. Intendant Bellut will auch künftig bei seinem Sender nicht auf Satire verzichten.

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat am Montag angekündigt, auch in Zukunft Satiresendungen zeigen zu wollen – auch mit dem Moderator Jan Böhmermann.

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat am Montag angekündigt, auch in Zukunft Satiresendungen zeigen zu wollen – auch mit dem Moderator Jan Böhmermann.

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Mainz.  Die Affäre um den Moderator Jan Böhmermann hat aus Sicht des ZDF keinen Einfluss auf die Satire-Programme des Senders. "Ich stehe natürlich zu den Satire-Sendungen, zu den Moderatoren und zu Herrn Böhmermann auch", sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut am Montag in Hannover. "Ich plädiere dafür, dass ein kleiner Teil dieser längeren Satire-Sendung nicht so hoch gehoben wird. Am Ende bleibt es eine Sendung, über die man so oder so urteilen kann."

Böhmermann hatte am 31. März in "Neo Magazin Royale" auf ZDFneo ein Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit dem Titel "Schmähkritik" vorgelesen, vorher allerdings ausdrücklich darauf hingewiesen, dass so etwas in Deutschland nicht erlaubt sei. Es enthielt zahlreiche Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielen. Der Sender hatte den Beitrag in der Wiederholung im ZDF gestrichen. Auch in der Mediathek war die Satire nicht mehr abrufbar.

"Böhmermann ist einen Tick zu weit gegangen"

"Sie entsprach nicht den Vorstellungen, die wir vom Programm haben. Ich fand es einen Tick zu hart, einen Tick zu weit gegangen", sagte Bellut. Es habe keinen Druck von außen gegeben: "Das war reine Meinung des Programmdirektors, das war seine Auffassung, dass wir es aus der Mediathek genommen haben."

Beim ZDF habe es nach der Sendung rund 2000 Mails oder Anrufe mit Beschwerden gegeben. "So bin ich auch erst auf die Sendung aufmerksam geworden. Und daraufhin haben wir reagiert." Zu den Ermittlungen der Justiz sagte Bellut: "Es ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, dem nachzugehen. Ich habe volles Vertrauen in den Rechtsstaat." (dpa)

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