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„Schlag den Star“ – Spannendes Duell der Testosteron-Bullen

Die Premiere von „Schlag den Star“ mit Moderator Elton lieferte gute Unterhaltung. Einer der Kandidaten fiel dabei etwas aus der Rolle.

Moderator Elton: Er führte das erste Mal durch die Show.

Moderator Elton: Er führte das erste Mal durch die Show.

Foto: ProSieben Television GmbH / obs

Berlin.  Ob Stefan Raab seinen Samstagabend wohl vor dem Fernseher verbracht hat? Und wenn ja: Was wird er sich wohl gedacht haben bei der ersten Ausgabe von „Schlag den Star“ nach seinem Rückzug aus dem Showgeschäft? Stolz kann er sein auf seinen einstigen Praktikanten Elton, der – 15 Jahre nach seinem ersten Auftritt bei TV Total – die Moderation von „Schlag den Star“ übernommen hat. Vielleicht grämt er sich aber auch ein wenig. Denn vermisst wurde er nicht.

Dafür hat Elton seinen Job zu gut gemacht. Etwas nervös wirkte er zwar zu Beginn. Doch dann atmete er tief durch und nahm lässig die Studio-Treppe. Das Publikum applaudierte auffallend lange. Was Elton zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Es sollte eine der spannendsten Ausgaben von „Schlag den Star“ der vergangenen Jahre werden.

Kommentator nimmt Kandidaten in Schutz

Fast fünf Stunden lang duellierten sich Schauspieler Henning Baum und Ex-Gewichtheber Matthias Steiner. Testosteron vom kleinen Zeh bis zum Scheitel: Die Muskelprotze schenkten sich nichts. Nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen und 15 Spielen siegte schließlich Henning Baum. Hätte man sie gelassen, die Kontrahenten hätten womöglich weiter gespielt. Bis zum Umfallen.

Das Konzept der Sendung ist auch in der Nach-Raab-Ära geblieben: Zwei Prominente treten in bis zu 15 Einzelspielen gegeneinander an. Für den Sieg des ersten Spiels gibt es einen Punkt, für das zweite Spiel zwei Punkte – und so weiter. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt 100.000 Euro.

Der Sieger des Abends schien dabei auch in der Gunst des Publikums die Nase vorn zu haben. Es gab immer ein bisschen mehr Applaus für den Essener Schauspieler als für Steiner. In sozialen Netzwerken wie Twitter sah es ähnlich aus, was Kommentator Frank „Buschi“ Buschmann dazu veranlasste, Steiner während der Live-Sendung in Schutz zu nehmen: Als Spitzensportler sei man nun mal überaus ehrgeizig.

Vielleicht war es der Raabsche Habitus, den das Publikum an Steiner missfiel: Er fluchte wie Raab, stellte Fragen wie Raab, nahm alles ganz genau und legte sich sogar mit Moderator Elton an – wie Raab. Beim Road-Tennis, einer Mischung aus Tischtennis und Tennis, fing es an. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Olympia-Sieger schon drei Spiele verloren – was ihn sichtlich wurmte. Er fragte bei Elton immer wieder nach den genauen Regeln. Er kommentierte jeden Patzer mit einem Stöhnen und schrie aus Wut den Ball an.

Zickereien gegen Moderator Elton

Doch es half nichts, Steiner verlor das vierte Spiel in Folge. Zunächst sah es nach kurzem Prozess aus. Aber das fünfte Spiel brachte die Wende: Mit einem Bagger sollten Baum und Steiner ein Pendel in mehrere Röhren führen. Steiner war schnell und geschickt, entschied das Spiel für sich.

Spiel um Spiel holte er auf. Doch gab es Rückschläge, ging der Raab mit Steiner durch. Weil er sich beim Frisbee-Parcours weniger geschickt anstellte als Kontrahent Baum, zickte Steiner sogar Richtung Elton. Doch der reagierte souverän. „Steiner guckt, als wolle er Elton fressen“, fiel auch Kommentator „Buschi“ auf. „Da hat er aber lange dran zu knabbern“, konterte Elton.

Dabei wirkte Matthias Steiner nicht wirklich unsympathisch. Eher unbeholfen. Dass er Elton nach der Frisbee-Niederlage erst nicht die Hand geben wollte, war wohl mehr missglückter Scherz als beabsichtigte Unsportlichkeit.

Dass diese Ausgabe von „Schlag den Star“ eine besondere war, zeigte vor allem ein Spiel: „Klammern“. Wenn man nicht nur freiwillig, sondern auch noch gebannt zwei schwitzenden Männern dabei zuschaut, wie sie an einem Box-Sack hängen, darf man von gelungener Samstagabend-Unterhaltung sprechen. Unglaubliche zwölf Minuten und fünf Sekunden lang harrten die Männer aus. Dann rutsche Matthias Steiner ab und verlor das Spiel. Nebenbei lieferte „Buschi“ noch gleich das Zitat des Abends: „Der Poppes hängt unterhalb des Sackes.“

Fußball im griechisch-römischen Stil

Besser als beim Klammern lief es für Steiner beim Fußball. Wie zwei Bullen in der Arena gingen die beiden Kandidaten aufeinander los. Oder in den Worten vom Frank Buschmann: „Als wenn man zwei Hunden einen Ball gibt, den beide kaputt beißen wollen.“ Es wurde gerangelt und geklammert, geschubst und gezogen. Fußball im griechisch-römischen Stil.

Die Show hatte durchaus auch ihre lustigen Momente. Wie beim Spiel „Wo liegt was?“. Steiner und Baum sollten Orte auf einem Bildschirm markieren. Gar nicht so einfach für Henning Baum; mit Touchscreens scheint sich der 43-Jährige nicht so auszukennen. Schön, wenn man auch über sich selbst lachen kann.

Bekloppt und deshalb so schön

Angenehm unverbraucht und ehrlich kamen die Kandidaten während des ganzen Abends daher , was zumindest bei Henning Baum daran gelegen habe dürfte, dass Spielshows eigentlich nicht sein Metier sind, man ihn dementsprechend auch nicht so häufig in Shows sieht. Steiner hat zwar mehr Erfahrung – er hat beispielsweise bei der vergangenen Staffel von „Let’s Dance“ den dritten Platz gemacht –, zum Show-Profi macht ihn das aber nicht.

Und das Konzept von „Schlag den Star“ kann auch unter Elton überzeugen. Was die Show ausmacht? „Buschi“ hat’s auf den Punkt gebracht: „’Schlag den Star’ ist bekloppt. Und deshalb so schön.“