NDR

Neue Satire: „extra 3“-Sendung witzelt weiter über Erdogan

„Erdowie, Erdowo, Erdogan“: Der Satire-Song löste ein kleines Beben aus. Die Macher von „extra 3“ legen nun nach – und wollen Ärger.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan: Der „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ sorgte für einen diplomatischen Eklat. Die Sendung „extra 3“ legt nun nach.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan: Der „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ sorgte für einen diplomatischen Eklat. Die Sendung „extra 3“ legt nun nach.

Foto: UMIT BEKTAS / REUTERS

Berlin.  Ein konsequenter und auch erwartbarer Schritt: Nach der hitzigen Diskussion um den Erdogan-Song und hervorragenden Einschaltquoten für das NDR-Satire-Magazin „extra 3“, bohrt die Redaktion das Thema weiter aus. „Wir begrüßen natürlich auch heute wieder auf das Herzlichste unseren neuen Stammzuschauer, Recep Tayyip Erdogan“, eröffnete Moderator Christian Ehring die Sendung am späten Mittwochabend. Und bat den türkischen Präsidenten um etwas Geduld: „Sie kommen erst etwas später in der Sendung vor. Sorry.“

Später warf Ehring dann die Frage auf: Hat dieser Erdogan eigentlich keinen Berater? Oder was veranlasse ein Staatsoberhaupt dazu, derart humorlos mit Satire umzugehen? Die Antwort lieferte die Sendung prompt: Doch, einen Berater hat er. Und zwar mit dem Namen – Achtung, Wortspiel! – Erkan Alles. Die Redaktion hatte die Zuschauer schon vorher auf Twitter darauf vorbereitet: „Das gibt wieder Ärger. Erdogans Chef-Dramatürk erzählt uns heute von seiner Arbeit“.

Was zu den Aufgaben dieses Chef-Dramatürks gehört? In erster Linie die Wirklichkeit so zu verbiegen, dass es dem Präsidenten in den Kram passt. „Massenszenen als Propaganda sind sein Spezialgebiet“, so die Stimme aus dem Off. Mit einem Megafon dirigiert er die Erdogan-Anhänger bei einer Großveranstaltung. Beim Fußballspiel mit dem Präsidenten höchstselbst weist er die anderen Spieler an, Erdogan nicht anzugreifen. „Erdogan mag keinen Widerstand, okay?“, sagt der Chef-Dramatürk.

Chef-Dramatürk inszeniert Erdogans Realität

Und Erkan Alles erklärt dann sichtlich stolz, dass er dem Präsidenten auch seine klassischen Feindbilder gemalt habe: „Da haben wir zum Beispiel Kurden, Journalisten, Oppositionelle.“ Begleitend hält er zu jeder der unliebsamen Gruppe das Bild eines selbst gezeichneten Terroristen in die Kamera. Pointe und Botschaft zum Schluss: „Der Chef-Dramatürk inszeniert Erdogans Realität.“

Der Song „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ war nicht nur perfekte Werbung für die Sendung, der ihr eine Rekordquote einbrachte. Sondern sorgte auch für ordentlichen Wirbel: Die Regierung in der Türkei bestellte den deutschen Botschafter ein und forderte das Video zu löschen. Dann sprang Komiker Jan Böhmermann auf den Zug auf und provozierte mit seinem „Schmähgedicht“. Das wiederum führte dazu, dass nun die Staatsanwaltschaft gegen den ZDF-Moderator ermittelt. Eines scheint sicher: Es dürfte nicht die letzte Erdogan-Satire gewesen sein.

Auslandsstudio mit faulen Eiern beworfen

Die Böhmermann-Satire sorgte auch in der Türkei für Unruhe: Laut türkischen Medien haben Demonstranten das ZDF-Auslandsbüro in Istanbul bereits am Samstag mit faulen Eiern beworfen. Rund 20 bis 25 Personen protestierten gegen den Erdogan-Clip. Sie verteilten Flugblätter mit der Aufschrift: „Ein Zurückziehen des Hassbeitrages aus der (sic!) ZDF mit einer mageren Begründung reicht nicht aus.“

Dem „Tagesspiegel“ zufolge ließen die Mitarbeiter des ZDF die Metallrolladen des Studios herunter, die Belagerung dauerte rund eine Stunde. Das ZDF habe den Vorfall der türkischen Polizei gemeldet. Ein Video vor der ZDF-Niederlassung zeigt die Aufräumarbeiten nach den Eierwürfen.