Dokumentation

Arte widmet einen Themenabend dem Rechtsruck in Europa

In vielen Ländern Europas haben Rechtspopulisten Auftrieb. Wohin geht diese Bewegung? Arte sucht bei einem Themenabend nach Antworten.

Eine Militärparade in Knin (Kroatien) zu Ehren der militärischen Großoffensive „Operation Sturm“, bei der im August 1995 mindestens 150.000 Serben vertrieben wurden.

Eine Militärparade in Knin (Kroatien) zu Ehren der militärischen Großoffensive „Operation Sturm“, bei der im August 1995 mindestens 150.000 Serben vertrieben wurden.

Foto: ZDF/Christopher Bobyn/GHfilms / © Christopher Bobyn, GHfilms

Berlin.  Der Zulauf von AfD und Pegida ist kein Einzelphänomen. Überall in Europa gehen ultrarechte Parteien auf Stimmenfang, schüren Ängste vor angeblicher Überfremdung, die die meisten Eurpäer für überwunden hielten.

In Frankreich ist es der Front National, in den Niederlanden heißt sie Partei für die Freiheit. In Ungarn ist es die Jobbik, in Polen die PiS. Und in Kroatien huldigt die an der Regierung beteiligte HSP AS auf offener Straße den Symbolen und der Sprache der „Ustascha“, die in den 40er-Jahren mit Hitler-Deutschland kollaboriertekollaborierte und im Staatsauftrag eine halbe Million Serben, Roma, Juden ermordete.

Das „Gespenst des Rechtspopulismus geht um in Europa“, heißt es denn auch gleich zu Beginn der Arte-Dokumentation „Rechts, zwo, drei – Driftet Europa ab?“. Der Film ist der Einstieg in einen Themenabend, der mit anschließender Diskussion und zwei weiteren Filmen das Phänomen der neuen Rechten aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Ein Dutzend Filmautoren reisten quer durch Europa

Es ist eine außergewöhnliche Dokumenation, für die ein Dutzend Filmautoren quer durch Europa reisten. Sie gehen schonungslos den Motiven hinter Stammtischparolen auf den Grund, durchleuchten die oft charismatischen, gebildeten Anführer rechtspopulistischer Bewegungen. So unterschiedlich diese Bewegungen sind – was eint sie? Und die Filmemacher stellen die brisante Frage: Wie verbreitet ist die Angst vorm Fremden in der Mitte der Gesellschaft?

Die Rechten sitzen bereits in vielen Parlamenten. Aber noch haben sie die allergrößten Teile der Bevölkerung gegen sich. Mit ihrer radikalen Rhetorik beweisen sie lediglich, wie schnell es heute möglich ist, die Wahrnehmung breiter Bevölkerungsschichten zu verändern. Denn gerade junge Menschen scheinen besonders empfänglich für die Parolen der Populisten. Souveränität kontra Solidarität scheint das verbindende Motto dieser antieuropäischen Parteien, ohne die es das Problem vielleicht gar nicht gäbe.

Welche Folgen hat der Rechtsruck für die Demokratie?

Zu dem Ergebnis kommt die Dokumentation, die in Zusammenarbeit mit dem ZDF entstand. Parteimitglieder und -gegner, Politikbeobachtern und -wissenschaftler, sie alle kommen zu Wort. Über allem steht eine Frage: Welche Folgen hat der Rechtsruck für die Demokratie und für den Zusammenhalt der EU? Patente Lösungen, wie Europa ihre Antidemokraten wieder von sich überzeugen soll, kann man allerdings nicht erwarten. Im Anschluss um 22 Uhr läuft der Dokumentarfilm „Die Arier“, der sich auf die Suche begibt nach den Ursprüngen des Arier-Begriffs. Und „Der Prozess von Budapest“ um 23.35 Uhr dokumentiert lückenlos die Gerichtsverhandlung gegen rechtsextremistische Roma-Mörder und ermöglicht dabei tiefe Einblicke in die Abgründe der ungarischen Gesellschaft.

Fazit: Ein düsterer, aber informativer und notwendiger Beitrag. Mit ihm wird die Diskussion versachlicht, wie Europa auf die wachsende Zahl der Rechtspopulisten reagieren soll.

• Arte, 5.April, Dienstag, 20.15 Uhr