Talksendung

Illners Gäste finden Antworten auf Terror-Sorgen

Angesichts von Flüchtlingskrise und Terror schlagen Politiker aufeinander ein. Alle Politiker? Eine Runde bei Illner tut das nicht.

"Feinde im eigenen Land – was tun gegen den IS-Terror?" war Thema der Runde bei Maybritt Illner

"Feinde im eigenen Land – was tun gegen den IS-Terror?" war Thema der Runde bei Maybritt Illner

Foto: ZDF

Mainz.  Talk-Runden müssen nicht krawallig sein. Selbst nicht an dem Tag, an dem der Islamische Staat martialisch und per Video mit Angriffen auf das Berliner Kanzleramt und den Kölner Flughafen gedroht hat. Das hat „Maybritt Illner“ am Abend im ZDF gezeigt. Die Beißer sind bei ihr außen vor geblieben, als über „Feinde im eigenen Land – was tun gegen den IS-Terror?“ geredet wurde. Die Konstruktiven waren unter sich.

Konstruktiv waren dann die meisten Antworten. Zum Beispiel die Analysen, weshalb sich die europäischen Gesellschaften bedroht fühlen müssten: Eben weil sie nicht immer in der Lage sind, sich ausreichend zu schützen. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, die Jesidin Düzen Tekal, der Terror-Experte Peter Neumann, der linke Ministerpräsident Bodo Ramelow und auch der Pfarrer Franz Meurer aus Köln kennen zahlreiche Beispiele dafür.

„Es gibt auch das Recht auf Strafe“, fordert Meurer die Ahndung von Gewalttaten. „Wir müssen die Hausordnung vermitteln“ und Europas Außengrenzen besser schützen, mahnt der Thüringer Regierungschef Ramelow.

Bosbach vermisst Grundlegendes bei Austausch

Europa müsse erst einmal gemeinsame Fahndungsgrundlagen schaffen, findet Bosbach – durch gemeinsame Schreibweisen von Namen, weil sonst Abgleiche im Europol-Register nicht möglich sind. Und überhaupt auch durch eine Einigung darauf, wer islamistischer Gefährder ist. Ganz einfache Dinge also.

Nur vier Staaten von 28 lieferten Informationen für das Europol-Informationsnetz, kritisiert Neumann. „Die europäische Zusammenarbeit funktioniert nicht“. “Wir müssen gucken, wen wir uns ins Land holen“, sagt die Filmemacherin Tekal, die die Flucht der jesidischen Frauen vor dem Islamischen Staat protokolliert hat.

Der gemeinsame Appell für ein stärkeres Auftreten der Europäer gegen den Terror und die Terroristen ist dabei keineswegs das einzige Instrument, das Illners Runde vorgeschlagen hat, um Anschläge wie die in Brüssel in Deutschland zu verhindern.

Das andere ist: Mehr Prävention und Integration. Auch hier ein großer Grundkonsens, wenn auch mit Unterschieden in den Details. Es gab an diesem Abend einen Mann, der dazu viel aus seiner eigenen Praxis erzählte: Pfarrer Meurer, den sie im Kölner Stadtteil Pfingst, wo die Muslime in der Mehrheit sind, den „Heiligen Franziskus von Köln“ nennen.

Beinahe-Terrorist: „Ich wollte die Brüderschaft haben“

Meurer holte junge Muslime in seine katholische Kirche, legte einen jesidischen Friedhof an, sorgte für ein „sich kümmern“ um die Absturzbedrohten, schaffte neue Sozialberufe und empfiehlt am Ende das gemeinsame Feiern aller Religionen im Stadtviertel: „Auf jeden Fall: Waffeln backen!“ Ein Ergebnisse ist: Das Viertel ist sicherer geworden. Die Quote der Raubüberfälle in dem Problembezirk hat sich halbiert.

Meurer will sogar den jungen Dominic Musa Schmitz aus Mönchengladbach gerne in seine Gruppen integrieren. Der ist nämlich, mit 17, den Salafisten zeitweise zu nahe gekommen, dennoch im letzten Augenblick vom Weg in den Terrorismus abgebogen. Musa rät: Die Gefährdeten in ihren Wünschen nach eigener Identität, weniger Ausgrenzung und mehr Zugehörigkeit zur Gesellschaft entgegenkommen. „Auch ich wollte die Brüderschaft haben“.