ARD-Dreiteiler

NSU-Trilogie im Ersten führt ins Wohnzimmer des Terrors

„Mitten in Deutschland“ erzählt die Geschichte des NSU-Trios. Teil 1 zeigt, wie Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt den Umsturz planen.

Uwe Mundlos (Albrecht Schuch, links), Beate Zschäpe (Anna Maria Mühe) und Uwe Böhnhardt (Sebastian Urzendowsky) verfolgen im Fernsehen die Berichterstattung über ihre Taten.

Uwe Mundlos (Albrecht Schuch, links), Beate Zschäpe (Anna Maria Mühe) und Uwe Böhnhardt (Sebastian Urzendowsky) verfolgen im Fernsehen die Berichterstattung über ihre Taten.

Foto: Stephan Rabold / SWR

Berlin.  Monatelang haben sie in Jena gedreht, niemand durfte wissen, dass es ein Film über den NSU ist – und wer Beate Zschäpe spielt: Es ist Anna Maria Mühe (30). „Für mich als Schauspielerin war es sehr schwierig, mich an diese Rolle heranzutasten“, sagt sie später, „weil ich meine Figuren lieben will und verteidigen möchte.“ Das sei ihr bei dieser Figur so nicht möglich gewesen. „Aber bei unserem Prozesstag gab es einen Moment, wo Beate Zschäpe einer Frau ein Lächeln geschenkt hat. Das hat mir einen ersten Zugang ermöglicht.“

Außerdem ist es bereits ihr dritter Film mit Regisseur Christian Schwochow, der sie mit „Novemberkind“ bekannt machte. Im Rahmen der „NSU-Trilogie: Mitten in Deutschland“ hat sich Schwochow, aufgewachsen in Leipzig und Ost-Berlin, erneut mit der deutschen Zeitgeschichte beschäftigt. „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ bildet am Mittwoch den Auftakt der von Gabriela Sperl produzierten Reihe, in der sich drei Regisseure mit den Morden des NSU auseinandersetzen.

Gutes Drehbuch – großartiges Darstellerensemble

Jede ostdeutsche Biografie, sagt Schwochow, Jahrgang 1978, habe damals einen Riss bekommen. Zentrale Figur ist zunächst Beate, eine junge Frau aus Jena, die ziellos durchs Dasein treibt, bis sie dem etwas älteren Uwe begegnet. Anfangs wirkt er harmlos, aber nach und nach kristallisiert sich seine immer radikalere rechtsextremistische Haltung heraus. Beate lässt sich von seinem Charisma mitreißen. Als Uwe zur Bundeswehr muss, bindet sie sich an einen weiteren Uwe, „Böhni“ genannt, ein Schlägertyp. Nach Uwes Rückkehr bilden die drei ein Trio, das den Umsturz plant.

Die Filmemacher betonen, ihre Arbeit beruhe nicht nur auf Fakten, sondern auch auf Spekulationen und Interpretationen. Grundlage der Drehbucharbeit waren zwar ein ausgiebiges Aktenstudium, viele Gespräche sowie ein Besuch des Prozesses gegen Beate Zschäpe. Entscheidend aber ist der prototypische Charakter der Figuren. Schwochow wollte sich seinen Protagonisten „wie Klassenkameraden nähern, mit denen man jahrelang zusammen gespielt, gefeiert, gelebt hat“.

Vom freundlichen Jungen zum rechtsextremen Wortführer

Anna Maria Mühe verkörpert ungemein glaubwürdig die Entwicklung ihrer Figur von der Mitläuferin zur Mittäterin. „Die intensive Beschäftigung mit der Szene lässt einen nicht kalt“, sagt sie. „In der Vorbereitung gab es auch Tage, wo es mich wirklich sehr aufgewühlt hat.“ Während Sebastian Urzendowsky als gewalttätiger „Böhni“ kaum darstellerischen Spielraum hat, ist die Leistung von Albrecht Schuch umso eindrucksvoller. Sein Uwe wandelt sich am stärksten, er wird vom freundlichen Jungen zum Wortführer der rechten Gruppe. Schuch, der selbst aus Jena stammt, ist fürs Fernsehen eine echte Entdeckung.

Die Teile zwei („Die Opfer“) und drei („Die Ermittler“) zeigt die ARD am 4. und 6. April. Nach dem dritten Film folgt die Dokumentation „Der NSU-Komplex“.

Fazit: Die Bilder wirken unangenehm aktuell und authentisch. Das spricht für die Qualität von Buch, Regie und Darsteller.

Sendetermin: Mittwoch, 30. März, 20.15 Uhr, ARD