Ostersonntag

Bei „Schutzengel“ kommen (nur) Pilcher-Fans auf ihre Kosten

Es pilchert wieder: Eine schöne Frau wird im malerischen Cornwall von ihrer dunklen Vergangenheit eingeholt. Kann das gut ausgehen?

Von Tilmann P. Gangloff
Suzan Anbeh und Heiko Ruprecht haben in "Rosamunde Pilcher: Schutzengel" eine komplizierte Liebesgeschichte.

Suzan Anbeh und Heiko Ruprecht haben in "Rosamunde Pilcher: Schutzengel" eine komplizierte Liebesgeschichte.

Foto: JON AILES / ZDF und JON AILES

Essen.  In den Sonntagsfilmen des ZDF steht in der Regel schon früh fest, welcher Topf am Ende welchen Deckel findet. Das gehört bei Liebesgeschichten schließlich zur Vereinbarung. Im Fall des Rosamunde-Pilcher-Films „Schutzengel“ weiß man schon nach wenigen Minuten, was das Drehbuch erst später preisgibt.

Kate (Suzan Anbeh), attraktive alleinerziehende Mutter eines so gut wie erwachsenen Sohnes, hat vor zwanzig Jahren als Kronzeugin gegen ihren Mann ausgesagt: Ted Kinnock (Siemen Rühaak) hatte Tausende Anleger um ihre Ersparnisse gebracht und ist zu einer lebenslangen Haft in London verurteilt worden. Weil er damals geschworen hatte, sich an seiner Frau zu rächen, ist sie ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen worden und lebt nun mit neuer Identität in Cornwall.

Nur eine Frage hält Zuschauer bei der Stange

Als der todkranke Kinnock vorzeitig entlassen wird, fürchtet Polizist und Titelfigur Dave (Heiko Ruprecht), der sich damals in Kate verliebt und eine Affäre mit ihr hatte, um ihre Sicherheit.

Und weil das kompliziert konstruierte Szenario in Wirklichkeit von Anfang an durchschaubar ist, gibt es im Grunde nur eine Frage, die tatsächlich offen ist: Wer ist der Vater von Kates Sohn? Dieser rückt ohnehin mehr und mehr in den Vordergrund, da er die auf diesem Sendeplatz unverzichtbare Liebesgeschichte erleben darf: Denn eigentlich soll sich Channing (Jeremy Mockridge) auf eine bevorstehende Ruderregatta konzentrieren – zumal ihm seine Mutter versprochen hat, ihm anschließend endlich die Wahrheit über seinen Vater zu erzählen –, aber seit er Rachel kennengelernt hat, ist das Rudern nur noch zweitrangig.

Unbekannte Hauptdarstellerin besticht

Mockridge ist vor einigen Jahren als männlicher Hauptdarsteller des ARD-Märchens „Die goldene Gans“ positiv aufgefallen und macht seine Sache auch hier ganz ordentlich. Aber nicht zum ersten Mal im Sonntagsfilm des ZDF hinterlässt eine unbekannte Hauptdarstellerin den nachhaltigeren Eindruck: Leonie Rainer als Rachel. Allerdings hat Rainer als Mädchen aus gutem Hause, das sein Jurastudium zugunsten eines sozialen Engagements abgebrochen hat und sich viel mit ihrer Mutter (Charlotte Schwab) streitet, auch die deutlich besseren Dialoge. Darüber hinaus aber ist ihr fröhliches Auftreten tatsächlich ein Grund, sich diesen ansonsten bis in die Details vorhersehbaren Film anzuschauen. Sehenswert ist auch Heiko Ruprecht. Der als Bruder des „Bergdoktors“ bekannt gewordene Schauspieler interpretiert seine Rolle angenehm sparsam und dennoch wirkungsvoll. Und so viel sei noch verraten: Als Dave nun nach Cornwall reist, erwachen selbstredend umgehend die einstigen Gefühle zwischen ihm und Kate. Alte Liebe rostet nicht – in Rosamunde-Pilcher-Filmen nie.

Fazit: Ein bisschen mehr Spannung hätte das Drehbuch zu Anfang aufbauen können. Aber die Bilderbuchlandschaften, die majestätischen Herrenhäuser Cornwalls und das erfrischende Spiel der Leonie Rainer machen jeden Pilcher-Fan glücklich.

• ZDF, Ostersonntag, 20.15 Uhr: "Rosamunde Pilcher: Schutzengel"