Terror-Anschläge

„Hart aber fair“ versucht sich an der Erklärung des Terrors

Frank Plasberg ließ am Dienstagabend die Anschläge in Brüssel diskutieren. Die interessantesten Einblicke lieferte ein Terrorexperte.

Von Sasan Abdi-Herrle
Wie kann Europa mit der ständigen Bedrohung durch den Terror umgehen? Dieser Frage widmete sich Frank Plasberg mit Gästen in einer „Hart aber fair“-Spezialausgabe.

Wie kann Europa mit der ständigen Bedrohung durch den Terror umgehen? Dieser Frage widmete sich Frank Plasberg mit Gästen in einer „Hart aber fair“-Spezialausgabe.

Foto: imago stock&people

Berlin.  Mindestens 30 Tote, mehr als 200 Verletzte – der Terror hat am Dienstag nach Paris auch Brüssel ins Mark getroffen. Die Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat sich zu den Anschlägen auf den Flughafen und die U-Bahn der belgischen Hauptstadt bekannt. Nach dem „schwarzen Tag“ in Belgien stellen sich viele Fragen. Eine davon lautet: Wie kann Europa mit der ständigen Bedrohung durch den Terror umgehen?

Diesem Thema widmete sich am Dienstagabend auch Frank Plasberg. In einer Spezialausgabe von „Hart aber fair“ ließ er diskutieren, ob der Kontinent schutzlos gegen die Attacken von radikalen Islamisten ist. Zur Debatte eingefunden hatten sich Armin Laschet (CDU), Terry Reintke (Grüne), der Journalist Bruno Schirra, Rudolf Dreßler (SPD) sowie der Terrorismus-Experte der ARD, Holger Schmidt.

Pessimismus versus Optimismus

Für die interessantesten Einblicke sorgte Bruno Schirra, der sich als Journalist auf den islamistischen Terror und den IS spezialisiert hat. „Es hat eine Professionalisierung stattgefunden“, beschrieb Schirra die Terrorstrukturen in Europa. Viele Akteure würden sich klassischer Polizeiarbeit entziehen. Das liege auch daran, dass es sich nicht nur wie so häufig diagnostiziert um sozialschwache Täter handle. Viele stammten aus dem Mittelstand, seien klug und eloquent. Zudem habe man es häufig mit Konvertiten zutun. „Das ist eine Klientel, die bisher nicht wahrgenommen worden ist“, versuchte sich Schirra an einer Erklärung. Er sei daher pessimistisch und ratlos, wie mit der Situation umzugehen sei.

Terry Reintke wollte diese düstere Lesart nicht teilen. Statt Pessimismus brauche es konkrete Politik, um die Situation in Brennpunkten wie etwa dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek zu verändern, forderte die Europaabgeordnete der Grünen. Zudem dürfe nicht zugelassen werden, dass Europa jetzt seine Freiheiten verliere. „Freiheit bedeutet, dass es nicht unbegrenzte Durchgriffsrechte der Polizei gibt“, sagte Reintke mit Blick auf Forderungen nach mehr Befugnissen für die Polizei. Entscheidend für Ermittlungserfolge sei, dass die Behörden besser zusammenarbeiten würden – und nicht, dass wahllos von allen Bürgern Daten gesammelt werden. „Wir dürfen uns nicht verrückt machen lassen“, fasste die Grüne ihre Haltung zusammen.

In diesem Punkt war sich Reintke mit Armin Laschet einig. Auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU kritisierte, dass die Zusammenarbeit der Behörden in Europa nicht funktioniere. „Die Daten liegen auf dem Tisch, werden aber nicht ausgetauscht“, sagte Laschet. Dabei existiere mit Europol eine Behörde, die durchaus koordinieren könnte. Allerdings würden bisher nur fünf europäische Staaten ihre Daten bereitstellen.

„Wir haben relativ viel Glück gehabt“

Holger Schmidt kam unterdessen die Rolle zu, nicht nur die europäische Sicherheitsarchitektur, sondern die belgischen Ermittler im Speziellen zu kritisieren. „Die belgischen Sicherheitsbehörden stehen vor einem riesengroßen Problem“, stellte der Terrorismus-Experte der ARD fest. Auch er warnte vor der Illusion einer völligen Sicherheit. „Wir müssen Gelassenheit entwickeln“, forderte Schmidt. Zugleich betonte er, dass die Gefahr auch in Deutschland weiterhin präsent sei. „Wir haben bisher relativ viel Glück gehabt.“

Eine ungewöhnliche Perspektive brachte schließlich Rudolf Dreßler ein. Der frühere deutsche Botschafter in Israel berichtete eindrücklich, wie die israelische Bevölkerung Anfang der 2000er Jahre mit der ständigen Terrorbedrohung umging. „Die Menschen haben ernsthaft versucht, sich das normale Leben nicht wegbomben zu lassen“, sagte Dressler. Das sei auch weitgehend gelungen. Alltag, so Dreßler, könne eine solche Situation aber nie werden. „Man kann sich daran nicht gewöhnen, man wird damit leben müssen.“

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek