„Blockbustaz“

Eko Fresh und Ferris MC als Superhelden aus dem Sozialbau

Die neue Sitcom „Blockbustaz“ hat Sozialfälle als Helden: Rapper Eko Fresh und Ferris MC. Die Serie ist frech und politisch unkorrekt.

Von Martin Weber
Beste Kumpel: Hardy (Sascha Reimann/Ferris MC) und Sol (Eko Fresh).

Beste Kumpel: Hardy (Sascha Reimann/Ferris MC) und Sol (Eko Fresh).

Foto: Efe Cetinoezman / ZDF und Efe Cetinoezman

Köln.  Sie leben von Hartz IV, schnorren Zigaretten und Joints, vertrinken ihr letztes Geld oder versenken es auf Nimmerwiedersehen im Spielautomaten: Die Helden dieser Sitcom ziehen alle Sozialfall-Register. Sol, Hardy, Ronald und die anderen reichlich verkommenen Gestalten der neuen Comedyserie „Blockbustaz“ sind nicht etwa Verlierer, die im Leben einfach nur Pech gehabt haben und tagtäglich mit ihrem ungerechten Schicksal hadern.

Sie bekennen sich vielmehr rotzfrech und mit einem aufsässigen Stolz zu ihrer ziellosen Existenz als Unterprivilegierte. Das alles spielt im schäbigen Kölner Wohnblock. Herzstück ist „Hardys Pizzastation“ im Erdgeschoss des 16-stöckigen Gebäudes.

Seriendebüt für Rap-Stars wie Eko Fresh

Ein Leben in der sozialen Hängematte als Stoff einer Sitcom, mit meist angetrunkenen oder bekifften Asozialen als Protagonisten, kann das gut gehen? Es geht gut: Die unglaublich witzige Sitcom „Blockbustaz“ mit den Rappern Eko Fresh und Sascha Reimann gehört zum Lustigsten, was in jüngerer Zeit von deutschen Fernsehmachern produziert worden ist.

Ohne Rücksicht auf politische Korrektheit, lassen die Kreativen der Münchner Filmproduktion „Neuesuper“ ihre sozial verwahrlosten, aber äußerst pfiffigen Helden durch den Wohnblock geistern und dabei allerhand Abenteuer erleben. Mit Nachbarn, Freunden und dem türkischen Hausmeister Herrn Bulut, aber auch mit Ortsfremden, die todesmutig in das Wohnghetto am Kölner Stadtrand vordringen, vornehmlich Sozialarbeiter und Polizisten.

Im Mittelpunkt des turbulenten Geschehens steht der junge Sol (Eko Fresh), der gerade mit seiner Freundin Jessica (Joyce Ilg) in die erste gemeinsame Wohnung gezogen ist und völlig vergessen hat die Miete zu bezahlen. Stattdessen hat er sich einen schicken Flachbildfernseher fürs Wohnzimmer geleistet. Alles könnte so schön sein.

Das Arbeitsamt macht Stress

Dummerweise will ihm das Arbeitsamt seine Berufsunfähigkeit aberkennen, was den notorischen Basecapträger zur Verzweiflung bringt: „Ist denen klar, wie lange ich für meine Berufsunfähigkeit gekämpft habe?“, klagt der junge Mann und sieht sich plötzlich gezwungen, einen Aushilfsjob als Hausmeister anzunehmen. Sehr zur Schadenfreude seiner esssüchtigen Mutter Madita (Martina Eitner-Acheampong) und des obersten Hausmeisters Herr Bulut (Aykut Kayacik).

Da weiß auch Sols bester Kumpel Hardy (Sascha Reimann, besser bekannt als Rapper Ferris MC), der im Erdgeschoss einen schmuddeligen Pizzaladen betreibt, keinen Rat. Der großflächig tätowierte Wirt mit seiner Pudelmütze hat andere Sorgen: Er will Jessicas ständig betrunkenen Vater Ronald („Tatort“-Kommissar Andreas Hoppe) dazu bringen, endlich seine Bierschulden zu bezahlen. Doch Ronald ist mal wieder pleite.

Aber das ist hier im Plattenbau keine Schande – sondern ein Normalfall. Und spornt zu kreativen Notlösungen an.

Fazit: Nicht nur schräge Comedy, sondern auch geschickt verpackte Gesellschaftskritik.

ZDFneo, Dienstag, 22. März 2016, um 22.30 Uhr