ZDF-Serie

Sitcom „Blockbustaz“ schlägt in die humoristische Magengrube

Die neue Sitcom „Blockbustaz“ ist wie die verfilmte Extase zu einem Party-Hit. An manchen Stellen ist die Serie aber noch extremer.

Von Aaron Clamann
Sascha „Ferris MC“ Reimann und Eko Fresh schlagen in ihrer Serie nicht nur sprichwörtlich zu.

Sascha „Ferris MC“ Reimann und Eko Fresh schlagen in ihrer Serie nicht nur sprichwörtlich zu.

Foto: Efe Cetinoezman / ZDF und Efe Cetinoezman

Mainz.  Das Drehbuch zu der ZDF-Sitcom „Blockbustaz“ ist die lange Version eines Songs der Band „Deichkind“. Oberflächlich betrachtet wirkt es wie eine herausgeschriene Absage an das Establishment – wie ein Schlag in die moralische Magengrube der arbeitenden Bevölkerung. Doch näher betrachtet entpuppen sich Deichkind-Lieder wie auch die Sendung „Blockbustaz“ als tiefgründige Sozialstudien, die alternative Lebensverhältnisse beleuchten.

Eines dieser Verhältnisse zeigt Sascha „Ferris MC“ Reimann auf. Der Deichkind-Sänger spielt einen Imbissbudenbesitzer, der Wirt, Psychologe und Investmentbanker einer Hochhaussiedlung im Rheinland ist. Er schenkt Bier aus, gibt Ratschläge und verleiht Geld an seine besten Kunden. Sein bester Freund und Stammgast ist die Hauptfigur Sol, die vom Rapper Eko Fresh gespielt wird. In insgesamt sechs Folgen spielt der Rapper einen Teilzeitarbeitslosen, der vor dem Arbeitsamt versucht, eine Berufsunfähigkeit zu simulieren. Seine Einstellung kann am besten mit dem Deichkind-Titel „Arbeit nervt“ beschrieben werden.

Um doch an Geld zu kommen, übernimmt Sol eine Aushilfsstelle als Hausmeister, scheitert aber an der Aufgabe, den Beruf und die Beziehung zu seiner Freundin Jessica (Joyce Ilg) unter seine Baseball-Kappe zu bringen. Auch wenn das alles stark nach Klischee klingt, wirken die Charaktere der Serie vor allem deshalb echt, weil die bisher eher unerfahrenen Schauspieler authentisch wirken. Sie sprechen nicht in künstlichem Slang oder machen ungelenke Bewegungen. Besonders Eko Fresh spielt auf einem hohen Niveau und zeigt, dass sein schauspielerisch Talent für mehr reicht als für ein dreiminütiges Musikvideo. Besonders beeindruckend ist das Timing, das Eko Fresh – gebürtig Ekrem Bora – an den Tag legt.

Sein Spiel wandelt zwischen ruhigen und schnellen Phasen. Symbolisch steht dafür eine Szene, in der er den Bruder seiner Freundin in einem großen Möbelhaus sucht. So holt die Figur Sol tief Luft und springt in das Bällebad, um das Kleinkind zu retten und im Anschluss eine unschuldige Möbelhausverkäuferin anzuschreien. Das wirkt auf den ersten Blick lustig, vor dem Hintergrund, dass diese Suche der Unfähigkeit seines Schwiegervaters in spe geschuldet ist, wird die Sitcom aber zu einem Drama.

Doch die Sendung hat auch ihre heiteren Momente, in denen die Figuren etwa eine Überraschungsparty für den Imbissbesitzer Hardy feiern. Da lässt sich dann auch seine Mutter nicht lumpen. Die Escort-Dame kauft ein und der Imbiss wird zum Club. Die Getränke weichen dann allerdings ein wenig von der Deichkind-Vorlage ab. Statt Bier gibt es den Drink „Die Hardy“, eine Mischung aus Wodka, Whisky und Kondensmilch. Wie dieser Drink ist auch „Blockbustaz“ an manchen Stellen ein bisschen zu extrem. Wenn sich etwa Jessicas minderjährige Schwester dem Mitarbeiter zu sexuellen Diensten anbietet, um nicht ins Heim zu müssen oder, wenn Jessicas Vater den eigenen Sohn in der Kneipe verpfändet, um doch noch ein weiteres Bier anschreiben zu lassen. Doch wie die Kondensmilch den harten Schnaps weiß einfärbt, verschleiert der Witz der Sitcom die harten sozialen Konflikte in den Hochhaussiedlungen deutscher Städte.

„Blockbustaz“ läuft ab dem 22. März dienstags um 22.30 auf ZDFneo oder in der ZDF-Mediathek.