ARD-Krimi

Beim „Tatort“ aus Luzern gilt es durchzuhalten

Im aktuellen „Tatort“ wird auf einer Landstraße ein totes Mädchen gefunden. Die Auflösung des Falls ist am Ende sehenswert inszeniert.

Das „Tatort“-Jahr 2016 begann, wir erinnern uns, mit einer Überraschung aus der Schweiz. Die Kommissare Liz Ritschard und Reto Flückiger bekamen es mit einem Serienmörder zu tun, der als Racheengel Luzern terrorisierte und dem Antoine Monot jr. (auch bekannt als „Tech-Nick“ in den Werbespots eines Elektrogroßhändlers) so intensiv spielte, dass von der zähen Behäbigkeit der Eidgenossen nichts übrig blieb. „Ihr werdet gerichtet“ hieß die Folge, die Anfang Januar lief, sie gab zu Hoffnungen Anlass. Jetzt schreiben wir März und müssen uns leider enttäuschen lassen.

Denn die neueste Folge fördert wieder alle Schwächen zutage, für die das Schweizer Ermittlerteam regelmäßig mit schlechten Quoten abgestraft wird. Das beginnt mit der lieblos aus Standardmotiven zusammengezimmerten Handlung, führt über die erzwungenen Rabaukenhaftigkeit Flückigers, der Sätze wie „Nationale Interessen - so ein Scheiß“ herausbellen muss und endet bei der sagenhaft unglaubwürdigen Nebenrolle seines Vorgesetzten Mettmann, der das Kuscheln mit der Politik der Polizeiarbeit vorzieht.

Ermittlungen führen an ein gepflegtes Internat

Die Geschichte der Drehbuchautoren Stefan Brunner und Lorenz Langenegger wirkt wie ein Medley der abgegriffensten Themen vergangener „Tatort“-Jahrzehnte. Ein Lastwagenfahrer überfährt nachts auf einer Landstraße ein Mädchen namens Ava.

Nostalgisch verwackelte Handkameraaufnahmen werden uns den ganzen Film lang darüber informieren, dass es eine sehr hübsche, flirtversierte junge Frau war, die da zu Tode gekommen ist – allerdings nicht durch den unglücklichen Lastwagenfahrer, sondern durch mehrere Schläge mit einem stumpfen Gegenstand. Ausgeführt offenbar von einem sehr dummen Mörder, der es für angebracht hielt, die Leiche einfach auf der Straße abzulegen.

Aber die Ermittlungen führen die Kommissare nicht ins Milieu der Dummen und Doofen, sondern an ein gepflegtes Internat, dessen Anspruch die Rektorin mit den Worten „Wir bilden die globale Elite aus“ formuliert. Hier ging Ava (Ella Rumpf) zur Schule und verdrehte so einigen Jungs Hälse und Köpfe.

Pisten der Durchschnittsdramaturgie

Wir lernen den koksdealenden Tom Hoffmann kennen, den sie vor einem Monat verließ. Dann reden die Ermittler mit Avas Zimmergenossin Swantje, die ein Liebesverhältnis mit ihrem Kunstlehrer unterhielt. Und schließlich stoßen sie auf die beiden Söhne des Emirs, der sich gerade in der Stadt aufhält und diplomatische Immunität genießt – was hinter den Kulissen für die üblichen Verwicklungen sorgt.

Kurzum: Es sind die gut ausgeflaggten Pisten der Durchschnittsdramaturgie, auf denen die beiden Kommissare unterwegs sind. Spannung will nur selten aufkommen, auch wenn die Auflösung am Ende sehenswert inszeniert ist. Doch bis dahin gilt es erst mal durchzuhalten: Die durchschaubar gelegten falschen Fährten muss man ebenso ignorieren wie Szenen, in denen es menscheln soll. Flückiger hat eine neue Liebschaft, von der er lieber schweigt als redet. Kollegin Ritschard bringt pflichtschuldig etwas Eifersucht auf. Fast ist man neidisch auf sie: Denn Emotionen gleich welcher Art vermag dieser „Tatort“ nicht zu wecken.

„Tatort: Kleine Prinzen“. ARD, So. (13. März 2016), 20.30 Uhr